[project log] Johannes: Low Information Diet Februar 2020

2

Kommentare

  • 08.02.2020

    Reflexion
    Schlaf war erholsam. Die Meditation war fokussiert und produktiv. Ich war auf der Arbeit produktiv.

    Ich schrieb am 07.02.:
    Ich beobachte insgesamt eine Verbesserung meiner sozialen Skills. Sowohl mit vertrauten als auch mit Fremden Personen. Ich bin gefühlt mehr da.

    Da heißt, dass ich konzentrierter bin und aber auch achtsamer. Sowohl die Bündelung von Aufmerksamkeit als auch die Aufmerksamkeitregulierung scheinen besser zu werden. Ich habe zwar durch die Low Information Diet weniger soziale Kontakte, kann diese aber besser auskosten - ich spüre die Verbundenheit und befriedige meine sozialen Bedürfnisse.

    Ich habe heute folgendes überlegt. Das menschliche Gehirn ist zwar für permanente Informationsverarbeitung ausgelegt. Aber in der Natur. In begrenzten örtlichen und sozialen Bereichen. Heute sieht ein Berliner - wie war die Zahl? - soviele Menschen auf dem Weg zur Arbeit wie ein Jäger und Sammler in seinem ganzen Leben? Was wir heute Low Information Diet nennen, ist immer noch extremer Informationskonsum, wenn man es mit der Lebensweise vergleicht, die uns Menschen evolutiv geformt hat. Ganz zu schweigen von permanenter Werbung, Musik, Smartphone, Bildschirme und so weiter. Was macht das mit uns? (Antworten sind willkommen.)


    09.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam. Die Meditation war fokussiert und produktiv. Ich war nicht produktiv, habe aber auch keine Informationen konsumiert (nichtmal Forschung).

    Heute habe ich den Tag auf einer Familienfeier verbracht. Das Smartphone war auch ein Gesprächsthema mit den älteren Herrschaften am Tisch. Ich hatte mein Handy zu Hause gelassen. Die Beobachtung der letzten Tage bezüglich meiner sozialen Wahrnehmung und Skills habe ich heute erneut gemacht. Ich habe bemerkt, wie oft ich in Gesprächspausen oder unangenehmen Situationen den Impuls hatte, mich ins Handy zu flüchten. Mich hat die Frequenz erschüttert. Ich bin in meinem Freundeskreis bekannt dafür, vergleichsweise wenig ("zu wenig") am Smartphone zu sein. Was ich damit sagen will: Ich erlebe mich selbst schon als verkrüppelt. Dabei bin ich noch der Einäugige unter den Blinden. Erneut beschleicht mich das Gefühl, die Auswirkungen des Smartphones und Medienkonsums noch unterschätzt zu haben.


    10.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam. Die Meditation war fokussiert und produktiv. Ich war produktiv und konzentriert bei der Arbeit.

    Ich beobachte Fortschritte meiner Konzentration und emotionalen Stabilität.

    Langsam habe ich das Gefühl, in der Low Information Diet anzukommen. Ich genieße es immer mehr. Es ist nur so eine Ahnung: So könnte sich das Leben anfühlen... so nice könnten gewöhnliche Dinge sein. Aber im Hinterkopf bleibt eine leise FOMO-Stimme.


    11.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war zu kurz. Die Meditation war so lala wegen der Müdigkeit. Das erste Training war auch so lala. Ich war produktiv und konzentriert bei der Arbeit. Das zweite Training war gut.

    Ich will nicht ans Smartphone. Dadurch wird es aber paradoxerweise mächtiger. Whatsapp wird stressiger, wenn ich weniger oft online gehe. An diesem Phänomen übe und überlege ich momentan.

  • @Johannes schrieb:

    Ich will nicht ans Smartphone. Dadurch wird es aber paradoxerweise mächtiger. Whatsapp wird stressiger, wenn ich weniger oft online gehe. An diesem Phänomen übe und überlege ich momentan.

    Solange das Smartphone in der Nähe ist hat man tatsächlich den Drang drauf zu schauen. Ich profitiere derzeit noch sehr davon, dass ich Jahre kein Smartphone hatte. Bemerke diesen Punkt aber deutlich.
    WhatsApp habe ich auf auf dem Telefon, nachdem ich allen, die nur Schrott oder unsinniges Zeug geschrieben haben nicht mehr geantwortet habe und nur Terminabsprachen oder ähnliches beantworte funktioniert das ziemlich gut und stressfrei. Aber auch hier profitiere ich von der Smartphonefreien Zeit, in eine SMS passt einfach nicht viel rein, dementsprechend sehen meine Nachrichten in WhatsApp meist aus.

    Habe mir auch absichtlich keine Apps aufs Telefon geladen, zeitaufwendige Sachen mache ich am Laptop, so komme ich nicht in Versuchung.

  • bearbeitet 12. Februar

    @Johannes schrieb:
    Ich habe heute folgendes überlegt. Das menschliche Gehirn ist zwar für permanente Informationsverarbeitung ausgelegt. Aber in der Natur. In begrenzten örtlichen und sozialen Bereichen. Heute sieht ein Berliner - wie war die Zahl? - soviele Menschen auf dem Weg zur Arbeit wie ein Jäger und Sammler in seinem ganzen Leben? Was wir heute Low Information Diet nennen, ist immer noch extremer Informationskonsum, wenn man es mit der Lebensweise vergleicht, die uns Menschen evolutiv geformt hat. Ganz zu schweigen von permanenter Werbung, Musik, Smartphone, Bildschirme und so weiter. Was macht das mit uns?

    Aber früher waren die Leute die man getroffen hat potenzielle Totfeinde, Jagdunterstützer, Tauschpartner, Nahrungskonkurrenten. Wenn ich durch die Stadt tingel, jucken mich die Leute doch gar nicht. Sie haben Null Relevanz für mein Leben. Das macht bestimmt einen Unterschied. Die Frage ist, ab wann gilt eine irrelevante anonyme Person auf der Straße als Information ?
    Prinzipiell liegen ja überall unendlich viele Informationen vor. Vergleichen wir einen Spaziergang mit z.B. einer Spurensuche im Wald.

    Aber bin voll bei dir, dass das mega schlecht für uns ist.

    Sau nice, dass du vorankommst. Mir wird beim Lesen deines Log wieder klar, dass ich dasselbe machen muss. :)

  • 12.02.2020

    Reflexion
    Gestern Abend habe ich in einer tunnelartigen Konzentration das Graphic Novel Roughneck gelesen.

    Der Schlaf war endlich mal lang, aber dafür nicht erholsam. Ich bin unruhig, ungeordnet und abgelenkt aufgewacht. Die Meditation war unbefriedigend, da unkonzentriert. Das anschließende Beintraining war kacke. Die Arbeit ging halbwechs, aber ich war erschöpft.

    Der heutige Tag war eine Übung darin, mit meiner Erschöpfung umzugehen. Es hat mich nicht so viel Beherrschung gekostet, keine Informationen zu konsumieren, wie noch vor einer Woche. Einige Mal kam der Impuls zum Smartphone, dem ich nicht nachgegangen bin. Eine Übung war es dennoch, weil mein Geist sich stattdessen anderweitig in Gedanken abgelenkt hat. Vor allem hat er an antizipierten zukünftigen Problemen herumgedoktert (die höchstwahrscheinlich alle nicht eintreffen werden). Diese Tendenz kenne ich schon, aber gestern war sie rückblickend wieder stark. Dank des Logs ist mir ein Muster aufgefallen: Diese Art mentaler Unordnung tritt ein, wenn ich erschöpft bin und zu viele unpriorisierte TODOs im Kopf habe. Oftmals fällt diese Kombination auf einen Mittwoch.

    Momentan ist mein Leben aufregend. Es gibt gleich mehrere Problemfelder beruflicher und privater Natur. Ich spüre den Druck - und entwickle mich an ihm. Heute fiel mir das schwer. Teilweise habe ich Impulse in Richtung Self-help shit. Mir fällt gerade auf, dass diese Impulse sich momentan vor allem auf Bücher beziehen. (Vielleicht, weil Bücher prinzipiell erlaubt wären?)

    Das Esse alleine fällt mir leichter. Die Impulse zur Ablenkung beim Essen mittels Smartphone nehmen langsam ab. Ich esse aber insgesamt zu wenig. Darauf muss ich momentan bewusst achten. Ich will meine Kräfte zusammen halten. (Und nicht abnehmen. Das geht leider richtig fix.)

    Ich mache in den letzten Tagen zu wenig Pause. Wenn ich die Pausen vergesse, akkumuliert sich die Belastung schneller. Weil meine Belastung immer on edge ist, macht sich das schnell bemerkbar. Ich achte in den nächsten Tagen auf die Pausen. Wichtig.

  • 13.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war kurz, aber erholsam. Die Meditation war weder auffällig konzentriert und produktiv noch unkonzentriert. Das anschließende Training war gut.

    Ich habe auf aktive Pausen geachtet. Den Effekt habe ich gespürt: Abends hatte ich noch Kapazität und niedrigere Stresslevel.

    Die Produktivität und Konzentration auf der Arbeit waren hoch. Da haben die Pausen auch geholfen.

    Beim alleine Essen geht es weiter voran. Es ist nicht mehr unangenehm. Ich genieße vielmehr die Ruhe und das Essen.

    Abends hatte ich Impulse zu Self-help shit im Internet, weil ich in die Richtung etwas forschen musste (1).

    Meine sozialen Interaktionen nehmen weiterhin an Klarheit zu. Ich empfinde sie als zunehmend befriedigend. Im Gegensatz zu Whatsapp, das mich komplett abfuckt. Heute habe ich abends mit einer Freundin eine halbe Stunde telefoniert. Das ist Gold wert verglichen mit Texten. Ich habe deutlich das Bedürfnis nach diesem Telefonat bzw. nach dem Kontakt gespürt. Das hätte ich vor der Low Information Diet nicht bewusst gespürt, sondern einfach standard-operation-mäßig im Internet zu befriedigen (oder betäuben) gesucht oder mich einsam gefühlt.

    Apropos Einsamkeit. Meine Gefühle von Einsamkeit, die ich hin und wieder habe, weichen mittlerweile manchmal Gefühlen von Alleinsein. Nicht immer. Aber manchmal.


    @Dominique schrieb: Mir wird beim Lesen deines Log wieder klar, dass ich dasselbe machen muss.

    Welche Bedenken oder Umstände halten dich zurück?



    1. Hat übrigens jemand Essentialism gelesen und kann ein, zwei Sätze darüber verlieren, v.a. bezüglich des Neuigkeits- und Mehrwerts der Lektüre? ( @Sascha @Tobias @alle?) ↩︎

  • @Johannes schrieb:

    @Dominique schrieb: Mir wird beim Lesen deines Log wieder klar, dass ich dasselbe machen muss.

    Welche Bedenken oder Umstände halten dich zurück?

    Ich befinde mich dauernd in einem pendelartigen Zustand zwischen zwei Gedanken:
    Ich muss mich mehr belasten und mehr machen, um endlich voranzukommen (Sei keine Pussy! Alles oder Nichts !)
    Ich muss mich weniger belasten und langsamer machen, um endlich voranzukommen (Sei geduldig !)
    Low info Diet wäre in diesem Sinne auch eine weitere Belastung.

    Welche Methode ist besser für mich Perfektionisten ?
    Beim Zuckerverzicht hat 100% Selbstzwang super funktioniert. Ich habe einfach irgendwann beschlossen (ganz früher als allererste Maßnahme), gar nichts mehr zu essen wo Zucker zugesetzt ist. Alles war klar und der Lernprozess effektiv. Hab aber noch nie ausprobiert mit einer 100% Einstellung mein gesamtes Leben zu attackieren. Natürlich sind 100% in allen Dingen unerreichbar. Die Frage ist, ob die Haltung zu besseren Ergebnissen für mich führt.

  • 14.02.2020

    Reflexion
    Schlaf erholsam, Meditation konzentriert, Produktivität hoch, auf Pausen geachtet, wenig Impulse zu Ablenkung oder Betäubung: Ein klarsichtiger Tag.

    • Aufstehen, Meditation, Mobilisation, Training (Heben + Assistance)
    • Erste Mahlzeit
    • 7 Stunden Arbeit
    • Training (5000m Rudern + Core Landmine, hängen, Mobilisation)
    • Erledigungen und Einkäufe
    • Zweite Mahlzeit
    • Lümmeln, Lesen, nappen, Forum
    • Kältegang
    • 4 Stunden Arbeit
    • Dehnen, Schlafen
  • 15.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam, aber ich bin zu lange im Bett liegen geblieben. Ich hasse das. Die Meditation war gehetzt und unkonzentriert. Das anschließende Training hat etwas Fokus und viel Erschöpfung gebracht.

    Ich habe zu wenige Pausen gemacht. An der Erschöpfung hatte ich den ganzen Tag zu üben. Meine Tendenz bei hoher Belastung ist sozialer Rückzug und noch mehr Energie aufzuwenden. (Zweiteres ist dann manchmal echt nur blinde Arbeit. Auch eine Form der Betäubung eigentlich.) Produktiv sind bei mir bei hoher Belastung Ruhe und soziale Kontakte. Abends habe ich mich zu einem Spieleabend mit Freunden überwunden, der gut tat. Auf der Höhe war ich aber nicht. Ich habe es im großen und ganzen hingekriegt, aber ich habe schon bessere Tage gesehen. Immerhin habe ich mich nicht durch Informationskonsum betäubt oder abgelenkt - und damit den grünen Haken verdient.

    Meine Produktivität war gut. Das Essen alleine wird weiter besser.


    @Dominique Deine Formulierungen klingen moralistisch. Prinzipiell musst du ja erstmal gar nichts. Kommen die Imperative denn von dir oder von außen?

    Meine Hoffnung hinter der Low Information Diet ist eine Entlastung, keine Belastung. Ganz schlüssig bin ich mir da aber auch noch nicht. Den geringeren Informationskonsum empfinde ich bisher als Entlastung. Bei den sozialen Dingen ist es bisher eher eine Belastung. Da muss ich noch einige Probleme lösen.

  • 16.02.2020

    Reflexion
    Einer der dunklen Tage. Keine Lust auf eine öffentliche Reflexion. Morgen geht's weiter.

  • Keep going! :smile:

  • @Johannes schrieb:
    [^1]: Hat übrigens jemand Essentialism gelesen und kann ein, zwei Sätze darüber verlieren, v.a. bezüglich des Neuigkeits- und Mehrwerts der Lektüre? ( @Sascha @Tobias @alle?)

    Jetzt erst in meinen Benachrichtigungen gesehen. Nein, dieses Buch kenne ich nicht, aber es steht auf meiner Liste. Wir können ja einen Me-Improved-Buchclub starten …

  • 17.02.2020 bis 19.02.2020

    Der Schlaf war nicht erholsam und zu kurz. Seit der Low Information Diet hatte ich zwei schlaflose Nächte. Sowas kannte ich vorher nicht. Meine Vermutung nach liegt es erstens an fehlender Betäubung und Ablenkung und damit zunehmend bedeutsam erlebten Lebensereignissen. Zweitens liegt es zusätzlich daran, dass momentan viele bedeutsame Lebensereignisse auftreten. Da habe ich mir nichtahnend einen guten Zeitpunkt für die Low Information Diet ausgesucht.

    Die Meditation hat teilweise unter der Müdigkeit gelitten. Insgesamt war sie aber wohltuend und produktiv - und damit befriedigend.

    Das Training war fokussiert.

    Die Produktivität und Konzentration auf der Arbeit war gut. Am 17.02., der Tag nach der schlaflosen Nacht, hat die Erschöpfung gegen Ende des Arbeitstages ihren Teil getan. Ebenso am 18.02.

    Ich habe 100 Jahre Einsamkeit fertig gelesen. Obwohl von 1967 ist dies ein stilistisch ganz und gar nicht moderner Roman im Stil der großen russischen Realisten: auktorial, zeitraffend usw. Inhaltlich wird dies stark kontrastiert mit surrealen Alltagsepisoden und Anekdoten, die aber beschrieben werden, als wären sie gewöhnlichste Realität. Es war - danke Low Information Diet - eine lohnende und bereichernde Lektüre.
    Ich habe im Anschluss einen Simenon abgefangen. Auf seine Romane fiebere ich immer mit kindlicher Vorfreude.

    Am 18.02. wäre ich beim Abendessen fast gescheitert. Da hatte ich Impulse - eher schon Cravings - nach Whatsapp. Ziel? Emotionale Betäubung und pseudo Verbundenheit. Es hat einigen Willen gekostet, dem nicht nachzugehen. Andere Informationen im Internet sind derzeit keine Option mehr, auch habe ich weder Bedürfnis danach noch Impulse dorthin. Whatsapp (Smartphone generell) und Self-help Bücher (und ein bisschen dieses Forum) sind momentan die entscheidenden Reize.

    Starke Erschöpfung und negative Emotionen haben die letzten Tage zu einer Bewährungsprobe gemacht. Ehrlich gesagt - mein war mal so mal so. Letztlich habe ich die Oberhand und lerne und entwickele mich daran. Ich wachse.

    Die Reflexion hier trägt einen entscheidenen Teil dazu bei. Sie zwingt mich dazu, auch unangenehmes zu reflektieren.(1) Daraus lerne ich viel und schnell. Das ist die Metaperspektive auf's Loggen. Ich habe die Macht des Loggens (der schriftlichen. täglichen Reflexion) massiv unterschätzt (2) und bin froh, es begonnen zu haben.


    @TomyTulpe schrieb: Keep going! :smile:

    Immer. Danke!

    @Tobias schrieb: Jetzt erst in meinen Benachrichtigungen gesehen. Nein, dieses Buch kenne ich nicht, aber es steht auf meiner Liste. Wir können ja einen Me-Improved-Buchclub starten …

    Ich überlege, es zu kaufen und zu lesen. (Vielleicht äußert sich @Sascha ja noch, ob die Lektüre des ganzes Buches hilfreich ist, oder ob es reicht, sich mit dem Grundgedanken mittels Zusammenfassungen vertraut zu machen. Ich bin bei diesen amerikanischen Büchern immer etwas auf der Hut.)
    Buchklub +1 voll dabei. Nur in welcher Form umsetzen?



    1. Nicht alles, was ich reflektiere, logge ich hier. Natürlich nicht. Aber ich bin zur ständigen Reflexion angehalten und durch die Schriftlichkeit muss ich es (aus-)sortieren, ordnen, formulieren - kurz präzisieren. Und sozial filtern. Das schenkt mir Außenssicht. ↩︎

    2. Trotz des Logs über die Kältegänge wird das mir das Potential erst langsam klar. Auch dort konnte ich durch wenig Aufwand und wenig eigentliche Kälteexposition viel lernen. ↩︎

  • bearbeitet 19. Februar

    @Johannes schrieb:
    @Dominique Deine Formulierungen klingen moralistisch. Prinzipiell musst du ja erstmal gar nichts. Kommen die Imperative denn von dir oder von außen?

    Meine Hoffnung hinter der Low Information Diet ist eine Entlastung, keine Belastung. Ganz schlüssig bin ich mir da aber auch noch nicht. Den geringeren Informationskonsum empfinde ich bisher als Entlastung. Bei den sozialen Dingen ist es bisher eher eine Belastung. Da muss ich noch einige Probleme lösen.

    Ich würde sagen, die Imperative kommen von mir. Aber ich kann mich täuschen !
    Ja genau, mir geht der Stress und die Hektik durch den Informationskonsum auf den Sack und Entlastung ist das Ziel. Aber sich Regeln zu setzen und sich zu entwöhnen ist ja erstmal eine weitere Belastung.

  • bearbeitet 24. Februar

    @Johannes schrieb:

    @Dominique schrieb: Habe mal versucht dasselbe LowInfo Experiment 3 Monate zu machen. War nicht der mega Erfolg.

    Magst du einen kurzen Erfahrungsbericht schreiben? Was hattest du dir erhofft? Was ist passiert/nicht passiert? Welche Regeln hattest du dir gesetzt (was war erlaubt/was nicht)?

    Ziele

    Ich hatte mir erhofft, dass ich handlungsfähiger werde und aus meinem Kopf komme, dass ich mehr fühle und weniger denke (meine rechte Gehirnhälfte aktivieren), dass ich mich weniger ablenke von den wichtigen Lebensproblemen und dass ich mal richtig Ruhe und Entlastung in den Kopf bekomme. Self Help Shit im Internet und Büchern waren das Hauptproblem. Nie Probleme mit sozialen Medien.
    Regeln : Keine Bücher und keine digitalen Medien/ Internet konsumieren. Ausnahme wegen Arbeit, Fahrplan, u.Ä. Kann mich aber nicht mehr an Alles erinnern. Das Ganze 12 Wochen lang. Und ich habe mich parallel durch das Buch "The Artists Way" gearbeitet. Ein Buch, das Anleitung zur Selbstreflexion ist mit Schreibübungen und kreativen Aufgaben.

    Ergebnis Low Info Diet

    Bin öfters ausgerutscht. Denke ich habe an 70% Tagen durchgehalten. Habs trotzdem durchgezogen. Fazit : Ob es wirklich was gebracht hat für meine Sucht und meinen Geisteszustand, find ich schwer zu sagen. Zufrieden war ich nicht. Entlastet hat es mich nicht. Wenn, dann habe ich langfristige, unbewusste Veränderung in Gang gebracht.

    Ergebnis The Artists Way

    Die Reflexion mit dem Buch hat mir zwar interessante und wichtige Selbsterkentnis gebracht, aber keine Veränderung. Dasselbe Ergebnis hatte ich auch nach 1,5 Jahren konsequenter Mediation. Mein Fazit : nur Handeln verändert und nur Handeln beruhigt meinen Kopf (Selbstverständlich sind Pausen trotzdem wichtig).

  • Ich habe 100 Jahre Einsamkeit fertig gelesen. Obwohl von 1967 ist dies ein stilistisch ganz und gar nicht moderner Roman im Stil der großen russischen Realisten: auktorial, zeitraffend usw.

    Hey Cool! Glückwunsch zum erreichen des "Teilziel". Hatte es auch mal zur Hälfte gelesen aber eine ähnliche Erfahrung gemacht wie bei deinem ersten Anlauf gemacht. War eher unkonzentriert dabei und ich hab es eher als ein durcharbeiten empfunden. Die ganzen Charaktere gingen mir auch durcheinander. Die sind in dem Buch auch alle sehr ähnlich benannt oder?

    Dein Log inspiriert mich übrings. Gerade beim Essen machen und Mahl selbst hatte ich mir angewöhnt Nachrichten und Podcast zu hören.
    Auch diese Nachrichtensendung im Ersten. ;) Nun mache ich gerade beides in Stille. Manchmal hatte ich Schwierigkeiten interessanten Content zu finden, was dann dass Essen verzögert hat. Ohne die Frage "was hören?" ist schon mal ne Entschlackung passiert.

  • 20.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war viel zu kurz. Ich komme mit dem Schlafentzug dieser Woche besser zurecht, als ich es vermutlich vor der Low Information Diet getan hätte. Ich komme nämlich überhaupt klar - und das kenne ich bei so wenig Schlaf nicht. Das schränkt mich sonst psychisch stärker ein. Momentan merke ich vom Schlafentzug hauptsächlich die mangelnde körperliche Regeneration.

    Die Meditation war fokussiert und produktiv. Das anschließende Training war relativ konzentriert. Gleiches gilt für das Rudern nach Feierabend.

    Keine Cravings oder Impulse heute. Wenig negative Emotionen. Die Erschöpfung war nicht stark genug, um zur Übung zu werden. Das alleine Essen geht weiterhin besser (mit Ausnahme des 18.02.).

    Die Arbeit war außergewöhnlich produktiv. Hier ernte ich die ersten Erfolge der Low Information Diet. Einerseits durch die Produktivität, andererseits, weil ich stolz auf das Geschaffte bin (ein neues Gefühl). Ich habe tagsüber auf ausreichend Pausen geachtet. Pausen hatte ich in den vorigen Tagen vernachlässigt. Den Abend habe ich mit meinem Bruder verbracht und danach im Bett Simenon gelesen. Es läuft drunter und drüber und trotzdem gut. Das schreibe ich u.a. der Low Information Diet zu. Sie gibt mir Fokus und Reflexion.

    Ich ernte weitere Erfolge - und zwar an unerwarteter Stelle. Meine sozialen Skills entwickeln sich ins Positive. Ich bin so unverträglich und introvertiert wie vor der Low Information Diet, aber meine sozialen Beziehungen und Kontakte mit Kunden verändern sich. Meine Interaktionen auf Whatsapp nehmen stark ab. Das fällt mir nicht leicht und es knabbert manchmal am Selbstwert. Die echten Kontakte nehmen dafür an Gegenwärtigkeit und Bedeutsamkeit zu. Ich bin ganz bei den Leuten. Das schenkt Verbundenheit. Meine sozialen Bedürfnisse fühlen sich erfüllt an. Ich fühle mich selten einsam. Wahrscheinlich sind drei Faktoren am Werk: Erstens Konzentration. Zweitens Training, weil ich aus sozialen Interaktionen nicht mehr durch Ablenkung fliehen kann. Und drittens echte soziale Interaktionen, die ich mir nun aktiv nehme und dafür sorge, dass sie gut sind, um damit meine sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, da ich dies nicht mehr pseudomäßig durch parasoziale Beziehungen im Internet kompensieren kann.


    @Dominique schrieb: Die Reflexion mit dem Buch hat mir zwar interessante und wichtige Selbsterkentnis gebracht, aber keine Veränderung. Dasselbe Ergebnis hatte ich auch nach 1,5 Jahren konsequenter Mediation.

    Verstehe ich dich hier richtig? Du hast nach anderthalb Jahren Meditation keine Fortschritte in Richtung Konzentration, Ruhefähigkeit und "aus dem Kopf kommen" festgestellt?

    @Nackengeist schrieb: Die ganzen Charaktere gingen mir auch durcheinander. Die sind in dem Buch auch alle sehr ähnlich benannt oder?

    :D Hahaha. Ja. Alle Frauen heißen Ursula oder Amaranta (oder Amaranta Ursula lol) und alle Männer entweder José Arcadio oder Aureliano. Ich habe dieses Problem gelöst, in dem ich mir einen Stammbaum gemalt habe. Diese Technik hat sich auch bei Tolstoi und Dostojewskij bewährt.

    Dein Log inspiriert mich übrings. Gerade beim Essen machen und Mahl selbst hatte ich mir angewöhnt Nachrichten und Podcast zu hören.
    Auch diese Nachrichtensendung im Ersten. ;) Nun mache ich gerade beides in Stille. Manchmal hatte ich Schwierigkeiten interessanten Content zu finden, was dann dass Essen verzögert hat. Ohne die Frage "was hören?" ist schon mal ne Entschlackung passiert.

    Freut mich zu hören!

  • @Tobias schrieb:

    @Johannes schrieb:
    [^1]: Hat übrigens jemand Essentialism gelesen und kann ein, zwei Sätze darüber verlieren, v.a. bezüglich des Neuigkeits- und Mehrwerts der Lektüre? ( @Sascha @Tobias @alle?)

    Jetzt erst in meinen Benachrichtigungen gesehen. Nein, dieses Buch kenne ich nicht, aber es steht auf meiner Liste. Wir können ja einen Me-Improved-Buchclub starten …

    Bin dafür.

    Bezüglich des Buchs: Gelesen. Ist nett, aber eigentlich nicht weltbewegend. Für mich sind lediglich vier Zettel bei der Lektüre rausgekommen.

  • Ich glaube, das mit dem Essen ohne Berieselung probiere ich auch mal aus. Ich muss ja zugeben, dass ich davor sogar ein bisschen Angst habe, weil ich sonst einfach nur dasitzen und essen würde. Sonst gehe ich ja oft relativ vernünftig mit meinem Geist um, aber beim Essen brauche ich Berieselung. Ich glaube, daran gewöhnt man sich schnell, wenn man allein lebt.

  • @Sascha schrieb:

    @Tobias schrieb:

    @Johannes schrieb:
    [^1]: Hat übrigens jemand Essentialism gelesen und kann ein, zwei Sätze darüber verlieren, v.a. bezüglich des Neuigkeits- und Mehrwerts der Lektüre? ( @Sascha @Tobias @alle?)

    Jetzt erst in meinen Benachrichtigungen gesehen. Nein, dieses Buch kenne ich nicht, aber es steht auf meiner Liste. Wir können ja einen Me-Improved-Buchclub starten …

    Bin dafür.

    @Johannes schrieb:
    Buchklub +1 voll dabei. Nur in welcher Form umsetzen?

    Eine Umsetzungsidee: Dafür böte sich ein Buchclub-Thread, in dem Bücher gewählt werden und dann ein eigener Thread pro Buch an und wer mag, macht mit. Gut wäre es vielleicht auch, wenn einer dann den "Buchpaten" macht, vielleicht jemand, der das Buch schon gelesen hat und sich mit anderen darüber austauschen möchte.

  • 21.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam und lang... Die Meditation war produktiv. Das anschließende Training war konzentriert. Die Produktivität war ausreichend. Ich habe keine Pausen gemacht, was ich am Ende des Tages gemerkt habe.

    Der Tag war von negativen Emotionen, wichtigen sozialen Interaktionen und am Abend von starker Erschöpfung geprägt. Mit meiner Reaktion auf diese Umstände bin ich zufrieden. Mein Selbstwertgefühl steigt.

    Als wir abends allein waren, hatten mein Bruder und ich ein Gespräch, an dessen Ende wir Jocko Willinks Darkness gehört haben. Ich kannte das nicht und er hat vorgeschlagen, es zu hören. Ich habe bewusst zugesagt. Und bereue es nicht! Ich habe keinem Impuls nachgegeben. Ich habe es nicht zur Ablenkung oder Betäubung genutzt. Es war kein automatisches Verhalten. Trotzdem handelt es sich um Inhalte und Informationen, die in meiner Low Information Diet aus guten Gründen verboten sind.

  • Verstehe ich dich hier richtig? Du hast nach anderthalb Jahren Meditation keine Fortschritte in Richtung Konzentration, Ruhefähigkeit und "aus dem Kopf kommen" festgestellt?

    @Johannes In der Meditation selbst hat sich meine Konzentration verbessert. Manchmal hatte ich sogar gar nichts gedacht. Und wie gesagt, sind mir meine Bedürfnisse und Emotionen ganz ganz deutlich geworden. Aber diese Effekte haben sich nicht auf den Alltag übertragen.

  • bearbeitet 24. Februar

    22.02.2020 bis 23.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war außergewöhnlich erholsam. Die Meditation war produktiv und fokussiert. Das anschließende Training war konzentriert.

    Samstag habe ich tagsüber Pausen gemacht, Sonntag nicht. Den Unterschied habe ich am Ende des Tages gespürt. Samstag war ich abends energetischer und meine Frustrationstoleranz war höher, obwohl Sonntag so eine Art Ruhetag war. Der Anteil negativer Emotionen (1) ist auch geringer, wenn ich weniger erschöpft bin.

    Die Produktivität war Samstag ganz gut, Sonntag gleich 0. Ich war mit einem alten Bekannten verabredet. Abends habe ich Schiller Verbrecher aus verlorener Ehre gelesen (etwa 35 Seiten) und weiter im Simenon.

    Ich hatte an beiden Tagen keine Impulse zu irgendwelchen verbotenen Informationsquellen. Auch nicht zum Smartphone.

    Sonntag war eine soziale Übung erstens und eine mentale Übung zweitens, weil ich durch das Treffen mit dem Bekannten mit unangenehmer Vergangenheit konfrontiert war. Mein Verhalten war teils teils. Ich bin insgesamt zufrieden mit mir. Vor allem, weil mir recht schnell aufgefallen ist, wenn ich mich abgelenkt habe (was öfter vorkam). Im Nachhinein verstehe ich außerdem, wann ich mich abgelenkt habe, was eine wichtige Reflexion für mich ist.


    @Dominique Got it.

    @Tobias schrieb: Ich glaube, das mit dem Essen ohne Berieselung probiere ich auch mal aus. Ich muss ja zugeben, dass ich davor sogar ein bisschen Angst habe, weil ich sonst einfach nur dasitzen und essen würde. Sonst gehe ich ja oft relativ vernünftig mit meinem Geist um, aber beim Essen brauche ich Berieselung. Ich glaube, daran gewöhnt man sich schnell, wenn man allein lebt.

    Berichte gerne, falls du es ausprobierst.



    1. Ich benutze den Begriffe "negative Emotionen" hier umgangssprachlich in Sinne negativ konnotierter Emotionen. Emotionen per se sind für mich weder negativ noch positiv. Auch "negative Emotionen" haben positive Eigenschaften. ↩︎

  • 24.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam. Die Meditation war produktiv und fokussiert. Das anschließende Training war cok güzel. Die Produktivität war gewöhnlich. Ich habe auf Pausen geachtet und war abends noch energetisch (siehe unten bei der Freizeitgestaltung). Das zweite Training hat mich auch ungewöhnlich zufrieden hinterlassen.

    Aufgrund eines Telefonats musste ich den Flugzeugmodus entgegen meiner Gewohnheit schon am Vormittag rausmachen. Am Ende der Arbeitszeit hatte ich starke Impulse zum Smartphone. Teilweise haben mich diese Impulse abgelenkt. Die Konzentration auf der Arbeit war also nur so lala.

    Beim Abendessen alleine bin ich nicht zur Ruhe gekommen. Ich war aufgewühlt und haltlos. Es war ein gedankenloses Schlingen statt ein genießerisches Schlunden. Das Essen bleibt ein Übungsfeld.

    Die Freizeitgestaltung war heute besonders schön. Ich habe Arkham Asylum von Grant Morrison und Dave McKean gekauft und bin voller Vorfreude. Abends habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir haben Musik gehört und geredet. Es war ein schönes und ruhiges Treffen.

    Insgesamt werden meine Glaubenssätze langsam gesünder - im Internet aufgeschnappte Imperative verblassen. Mein innerer Monolog wird wertschätzender.

  • 25.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam. Die Meditation war nicht ganz fokussiert heute. Das anschließende Training war gewöhlich. Im Training nach Feierabend bin ich gut voran gekommen und schön warm geworden.

    Die Produktivität war hoch. Ich habe auf Pausen geachtet. Die Konzentration auf der Arbeit war gut.

    Beim Abendessen bin ich wie gestern unruhig gewesen.

    Es hat gedauert, bis ich mich beruhigt habe. Ich war auch nicht ganz da. Was war zuerst da? Die mentale Abwesenheit oder die Unruhe? Detachment hätte dieses Problem leicht gelöst, wenn es mir bewusst geworden wäre.

    Im Bett habe ich den Simenon zu Ende gelesen. Seine Bücher sind zur Zeit meine liebste Freizeitbeschäftigung. Folgender Satz ist mir hängen geblieben, weil er etwas auf den Punkt bringt, das ich oft im Alltag denke:

    "Es gibt Dinge, deren man sich nicht rühmt, über die andere lächeln würden, wenn man darüber redete, und die doch einen gewissen Heroismus erfordern." - Simenon

    Inzwischen handelt dieser Log nicht mehr von meinem Verhalten und meinen Triggern im Projekt der Low Information Diet. Mein Leben ist Low Information im Sinne meiner Defintion geworden. Es geht mehr und mehr um die daraus folgenden Konsequenzen, die vor allem intrapsychischer Natur sind. Das ist für euch langweilig - für mich aber ungeahnt produktiv. Wie gut mir das Loggen tut, habe ich oben schonmal erwähnt. Ich werde nach Abschluss dieses Experiments deshalb privat täglich weiterloggen.


    26.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war wirklich top diese Nacht. Ich bin erholt aufgewacht. Die Meditation war unruhig, unproduktiv und unfokussiert. Es war der gleiche Geisteszustand wie beim gestrigen Abendessen. Das anschließende Training erforderte viel Konzentration und lief gut!

    Bei der Arbeit bin ich ruhig und konzentriert geworden. Ich war produktiv. Ich habe auf Pause geachtet. Auch abends war ich noch konzentriert und klarsichtig. Diese Klarsichtigkeit kenne ich erst seit dieser Low Information Diet und dem Loggen darüber.

    Freizeit gab es heute nicht. Nach Feierabend war Abendessen und dann weiter zur anderen Arbeit.

    Meine (neuen?) sozialen Skills kamen heute wieder zum Einsatz und die Kontakte haben mir viel gegeben (indem ich viel geben konnte).

  • 27.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war wieder wirklich erholsam. Die Meditation war fokussiert und produktiv. Das Training war konzentriert. Gleiches gilt für das zweite Training. Ich war produktiv auf der Arbeit.

    Morgens hatte ich Drang, zu Whatsapp zu gehen und Mails zu checken.

    Das Essen alleine war gut heute.

    In meiner Freizeit habe ich Arkham Asylum angefangen. Das war so eindrücklich, dass ich nicht einschlafen konnte.


    28.02.2020

    Reflexion
    Der Schlaf war erholsam. Ich habe das Training diese Woche erstaunlich gut weggesteckt. Die Meditation war zwar fokussiert, aber irgendwie nicht produktiv. Das war seltsam und unbefriedigend. Aber wat soll es? Das anschließende Training war konzentriert und spaßig. Die Arbeit war bis spät abends konzentriert und produktiv. Wieder keine Freizeit heute. Ich hatte keine Impulse, auch nicht zu Whatsapp. Innerlich denke ich über mein Resumé der Low Information Diet nach, das ich in den nächsten Tagen veröffentlichen werde.

  • @Tobias Wie läuft dein Essen ohne Berieselung?

  • bearbeitet 29. Februar

    Damit habe ich noch nicht angefangen (ich sträube mich noch). Ich werde ab Montag damit anfangen, mich dann erst mal von fast allem im Internet zurückziehen, das nicht direkt etwas mit meiner Arbeit und Informationen dafür zu tun hat. Also auch dieses Forum/diese Plattform.

    Ich habe in den letzten Tagen, auch vor dem Hintergrund bestimmter aktueller Ereignisse wie u. a. auch dem Massenmord von Hanau und der Berichterstattung über das Corona-Virus, viel über das Internet und dessen Inhalte nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich ein davon in der nächsten Zeit distanzieren möchte. Auch, weil es immer schwerer wird, Inhalte im Internet zu finden, die nicht geprägt sind von diesem typischen Hang zu Politik, Empörung über alles Erdenkliche, daraus folgenden Politisierungs- und Radikalisierungstendenzen in alle mögliche Richtungen, aber auch eher allgemeine Internetphänomene wie Bullshit und Selbstinszenierung (wozu ja auch teilweise mein Log hier gehört) usw. Ich möchte mich mal wieder mehr meinen eigenen Gedanken zuwenden bzw. herausfinden, was in meinem Kopf überhaupt von mir kommt oder was ich irgendwo im Internet aufgeschnappt habe und glaube zu denken, weil irgendjemand im Internet mich in eine bestimmte Richtung bringen wollte. Ich habe in deinem Log gesehen, dass das auch für dich im letzten Monat ein Thema war. Deshalb habe ich entschieden, das auch einfach mal auszuprobieren, eine "very low information diet" zu machen. Geistige Ketose quasi. Aus deinem Log habe ich dafür viel gelernt …

  • bearbeitet 1. März

    29.02.2020

    Reflexion

    Heute ist das Ende des öffentlichen Logs. Ich habe mir alle frischen Eindrücke notiert. Nachdem die Low Information Diet im Rahmen dieses Projektes etwas gesackt ist, werde ich ein Resumé ziehen und hier veröffentlichen. Für euch besteht bis dahin die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ich freue mich auch über Kommentare oder eure Eindrücke. Habt ihr etwas mitnehmen können? Was fandet ihr gut und was verbesserungswürdig?

    Heute war ein gewöhnlicher Tag. Ich habe wie immer meditiert, trainiert und gearbeitet. Dann war ich wandern und habe anschließend Arkham Asylum fertig gelesen. Ich empfehle niemals leichtfertig Bücher, aber Arkham Asylum war wirklich einprägsam. Abends war ich vom Tag und der Woche ziemlich erschöpft. Dadurch war sowohl der Abend als auch das Abendessen alleine wieder emotionales Übungsfeld.

  • Fragen
    Hast du Veränderungen im Training wahrgenommen ? Hat sich das Training anders angefühlt, warst du belastbarer, empfindlicher oder motivierter ? Hat der Körper anders auf das Training reagiert ? Du bleibst vorerst bei der Low Info Diet ?

    @Johannes schrieb am 10.02.2020 : so nice könnten gewöhnliche Dinge sein

    Macht der Alltag mehr Spass oder was ?

    Eindrücke

    @Pinocio schrieb: Ich denke eine Schwierigkeit der Moderne ist Sinnhaftigkeit im gewöhnlichen zu finden.
    @Johannes schrieb: Da bin ich bei dir! Konzentration ist ein massiver Sinn-Stifter. Ablenkung reduziert Bedeutung

    und

    Johannes schrieb : Durch die fehlende Ablenkung mittels Informationen war das ein intensiver Tag - was der Relevanz für mein Leben entspricht und deshalb gut ist. Ich habe etwas Bedeutsames als bedeutsam erlebt.

    und

    Johannes schrieb : Meine Vermutung nach liegt es erstens an fehlender Betäubung und Ablenkung und damit zunehmend bedeutsam erlebten Lebensereignissen.

    1. Die Unangenehmen Dinge im Leben sind so unangenehm, weil sie so wichtig sind.
    2. Man fühlt sich mal so und mal so. Und oft fühlt man sich müde.
  • Fazit meiner Low Information Diet Februar 2020

    Chronik

    Zuerst folgt die Chronik meiner Low Information Diet. Ich habe am 29. Januar begonnen. In der ersten Woche habe ich an 3 von 7 Tagen Verhalten gezeigt, dass nicht im Sinne der Low Information Diet war. Während ich dieses Verhalten anschließend - mit einer bewussten Ausnahme - nicht mehr gezeigt habe, war ich im weiteren Verlauf der Low Information Diet mit den Konsequenzen beschäftigt, die aus dieser Verhaltesänderung resultierten. Zum Beispiel, dass mein Geist sich auch ohne Informationen prima ablenkt, wenn etwas zu unangenehm wird. Oder der Konfrontation mit Unangenehmem.
    Insgesamt habe ich viel weniger irrelevante Informationen konsumiert! Meine Probleme haben einen größeren Raum in meinem Bewusstsein eingenommen. Meine inneren Ablenkungen sind mir klarer geworden. Ich war mit negativen Emotionen und Einsamkeit konfrontiert. Meine Produktivität hat sich von Beginn an erhöht. Auch meine Freizeit war weniger abgelenkt. Ich habe wieder Freude am Lesen gefunden. Andere positive Effekte habe ich zuerst nach etwa einer Woche bemerkt: Meine Sozialleben wurde erfüllender. Meine Konzentration wurde stärker. Meine emotionale Stabilität festigte. Gegen Ende des Projekts hatte ich das Gefühl, in meinem Leben angekommen zu sein. Ich habe mich zunehmend wohler damit gefühlt. Seit Ende des Projekts habe ich mich automatisch weiter so verhalten wie zuvor. Nur hatte ich etwa 2 Tage nach Abschluss einen kleinen impulsiven Self help shit-Konsum in Buchform, den ich aber abgebrochen habe, weil es mir nichts gegeben hat. Jocko Willinks Darkness habe ich seitdem erneut gehört. Ansonsten steht zukünftig noch an, meinen Umgang mit dem Smartphone befriedigend zu gestalten.


    Fehleranalyse

    Am 29.01. habe ich mich von Hyperlinks verführen lassen.
    Am 03.02. habe ich das Smartphone benutzt, um mich von beklemmenden sozialen Gefühlen abzulenken.
    Am 04.02. war ich abends erschöpft, dadurch nicht achtsam genug und habe mit einer Mitbewohnerin beim Essen Serie geschaut.
    Am 21.02. habe ich mit meinem Bruder Jocko Willinks Darkness gehört.

    Viele Male hat sich mein Geist selbst abgelenkt aus Mangel an Internet-Ablenkungen.


    Reflexion

    Ich
    Meine sozialen Kontakte sind erfüllender geworden. Meine Beziehungen haben an Bedeutung gewonnen. Meine parasozialen Kontakte haben an Bedeutung verloren. Zum Glück, denn sie hatten mehr Macht über mich als ich angenommen hatte. (Siehe unten.) Außerdem sind sie wie Fast-Food: Sie erfüllen das Bedürfnis nur vordergründig. Auch Whatsapp ist wie Fast Food. Meine sozialen Skills haben sich verbessert, da ich in sozialen Situationen erstens keine Möglichkeit hatte zu fliehen und zweitens sie nutzen musste, um meine ansonsten unbefriedigt gebliebenen sozialen Bedürfnisse zu befriedigen.

    Meine Freizeit war erfüllend. Ich habe das Lesen genossen. Es war intensiv, nicht so intensiv wie als Kind, aber ich habe mich daran erinnert, wie das war. Unten kannst du sehen, dass ich auch mehr gelesen habe als vorher. Ich habe angefangen Basektball zu spielen. Ich habe öfter trainiert. Ich habe mich aber nicht öfter mit Freunden getroffen.

    Die Arbeit hat profitiert. Meine Produktivität ist durch die Decke gegangen. Und zwar, ohne, dass ich mich belasteter fühle. Ich fühle mich ausgeruhter als vorher. Die Arbeit ist befriedigender. Am Ende des Tages fühle ich mich auch mal stolz auf mein Tageswerk. Das hatte ich vorher nicht - und ich weiß auch nicht, woher diese Veränderung kommt. Mein Willen, mich mit Unangenehmen zu konfrontieren, hat sich verbessert, und das ist auch der Arbeit sehr zu gute gekommen.

    Das Essen alleine und ohne Berieslung ist ein gutes Übungsfeld für mich gewesen. Damit hatte ich - unerwartet - meine Probleme. Es ist besser geworden, aber work in progress.

    Betäubung findet auf Makroebene und auf Mikroebene statt. Auf Mikroebene ist es die Ablenkung von Unangenehmem. Auf Makroebene ist es das Nichtlösen von relevanten Problemen. Meine Probleme sind mir durch die fehlende Ablenkung stärker bewusst geworden. Das war mit zwei schlaflosen Nächten verbunden. Meine Probleme fühlen sich auf einmal richtig bedeutsam an. Meine Klarsicht hat sich verbessert, wie ich diese Probleme lösen kann.

    Pausen. Still work in progress. Ruhe ist etwas, das ich lernen - üben - muss, weil es mir schwer fällt. Der Log hilfreich dabei, mich an Pausen zu erinnern und die Auswirkung von Pausen zu beobachten. Immer wenn ich Pausen gemacht habe, war ich abends in besserer Verfassung.

    Mein Schlaf... hier muss ich mit Schlüssen vorsichtig sein. Das lässt sich schwer isoliert beobachten. Schlaf lässt sich generell nicht so gut beobachten. Nur wenn er echt abgefuckt ist. Das war mein Schlaf aber vorher auch nicht.
    Mein Schlaf war insgesamt aber außergewöhnlich erholsam. Ich bin mit etwas weniger Schlaf leistungsfähig geblieben und abgesehen von den schlaflosen Nächten habe ich tief geschlafen. Ich mache diese Beobachtung daran fest, dass ich mich vom Training gründlicher erholt habe. Das Aufwachen hat sich zudem verändert: Mein Kopf ist dann voll mit anstehenden Dingen und nicht mit Phrasen aus dem Internet.

    Einige meiner Glaubenssätze kommen aus dem Internet und die haben meinen Kopf gefickt. Das ist dank der Low Information Diet deutlich geworden. Wer hat mir in den Kopf geschissen? Wieso habe ich mir da reinscheißen lassen? Jetzt muss ich die Kacke wieder da mühsam wieder raus kratzen.

    Das Loggen selbst habe ich in seiner Wirkmacht unterschätzt. Siehe dazu diesen Eintrag. Ich habe dank dieses Projekts mit dem Loggen eine tolle Gewohnheit gewonnen, die ich auf meine projektunabhängigen Ziele auszudehnen gedenke.

    Wir
    Meine Beobachtung galt nicht nur mir selbst, sondern auch zunehmend meinem Umfeld. Zwei Beobachtungen möchte ich teilen.

    Wir machen falsche Pausen. Nur Raucher und alte Menschen machen noch echte Pausen. Alle anderen hängen jede freie Sekunde am Smartphone. Das ist keine Pause. Wenn man darauf achtet, ist das wirklich absurd. Das betrifft inzwischen jeden Menschen zwischen 12 und 65 Jahren. Ich ahne, was das mit unserem Stresslevel und unserer Leistungsfähigkeit macht. Und unseren sozialen Skills! Es gibt keine Verbundenheit (mehr) in Zügen, Warteschlangen, Märkten usw.

    Die Generation Snowflake ist sozial inkompetent, ängstlich, hat keinen Selbstwert, keine Kontingenztoleranz, kann keine Emotionen händeln. Und jetzt kommt das Verrückteste: Wir sind gleichzeitig davon überzeugt, die Welt drehte sich um uns und wir hätten Wohlstand, Glück und Erfolg - Außergewöhnlichkeit - verdient. Entitlement...


    Leserfragen

    Zuerst möchte ich auf @Dominiques Fragen eingehen.

    Hast du Veränderungen im Training wahrgenommen ?

    Ich bin konzentrierter beim Training geworden.

    Hat sich das Training anders angefühlt, warst du belastbarer, empfindlicher oder motivierter ?

    Das Training hat mehr Spaß gemacht als vorher. Ich nehme mich vor allem mental als belastbarer wahr als vorher.

    Hat der Körper anders auf das Training reagiert ?

    Ich glaube mein Schlaf und meine Ruhe ist erholsamer geworden. Und/Oder der Stresspegel niedriger. Ich habe mich jedenfalls ausgruhter und besser regeneriert gefühlt.

    Du bleibst vorerst bei der Low Info Diet ?

    Ja. Mein Leben ist wieder besser so.

    @Nackengeist schrieb:
    Mich würde interessieren ob und was du dazu sagen kannst wie sich deine Übung auf die Meditationspraxis auswirken.

    Was ich am 05.02. geschrieben habe ist auch jetzt noch gültig: "In der Meditation kommen mir mittlerweile mehr Gedanken an meine eigenen unmittelbaren Probleme, und weniger Gedanken an irgendwelche Phrasen oder Probleme der Internetwelt, als vor Beginn der Low Information Diet."
    Meine Meditation ist im Durchschnitt konzentrierter und die Art der Ablenkungen haben sich, wie oben beschrieben, verändert.


    Zahlen

    32 Tage, davon...
    4x nicht Low Information (nach meiner Definition)
    1x nicht Low Information, aber korrekte Haltung
    27x Low Information (nach meiner Definition)

    938 Seiten gelesen ingesamt, davon...
    514 Seiten Belletristik (Hundert Jahre Einsamkeit, Maigret und Pietr der Lette, Verbrecher aus verlorener Ehre)
    404 Seiten Graphic Novel (Roughneck, Arkham Asylum)
    20 Seiten Fachliteratur (Start With Why)

    Zum Vegleich: Im Januar gelesen
    500 Seiten insgesamt, davon...
    260 Seiten Belletristik (100 Jahre Einsamkeit)
    180 Graphic Novel (Der Verbannte)
    60 Seiten Fachliteratur (Start With Why)


    tl;dr

    Meine Konzentration hat sich verbessert. Ebenso meine emotionale Stabilität. Arbeit, Freizeit und soziale Kontakte haben eine höhere Qualität bekommen. Ich habe einige Erkenntnisse über mich gewonnen. Das verdanke ich auch dem Loggen selbst, was ich projektunabhängig weiterführen werde. Genauso wie die Low Information Diet. Mein Leben ist besser so.

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.