Gemüse selbst anbauen

Wenn alles gut läuft haben @Bege und ich in 2 Wochen einen eigenen Kleingarten neben der Uni, um dort unter der Woche zu leben.
Hauptmotivation ist eigenes Gemüse anzubauen :-)
Ich habe dazu Erfahrung aus meiner Kindheit, aber mehr zur körperlichen Arbeit als der Theorie dahinter. Zur Theorie habe ich einiges gelesen und ein paar Videos geschaut. Aber der "Start" wird selten gut von Null behandelt.
Hat hier jemand Erfahrung dazu? Mit welchem Gemüse habt ihr angefangen? Was würdet ihr im Oktober noch aussäen? Grünkohl kann man laut Literatur nach Juli nicht mehr aussäen, würde es aber enfach versuchen.
Welche Fehler sind euch am Anfang passiert und wie würdet ihr sie jetzt vermeiden?
Gibt es ein Buch das ihr empfehlen würdet?

Jessy/LunaPie

Kommentare

  • Hallo, ja ich habe Erfahrung darin. Frag einfach. Wenn du Spinat und sibirischen Grünkohl magst, dann wäre das jetzt sicher angedacht. Achso und Rosenkohl braucht auch Frost. Da müsste ich nur nachfragen, falls es dich interessiert.

  • Ich würde dir am Anfang raten möglichst viele unterschiedliche Sachen anzubauen. In den ersten Jahren ist Erfahrung viel wichtiger als Ertrag. Gewöhnlich lernt man so etwas sehr früh und im Alltag eingeflochten. Das sollte man simulieren und verdichten. Dann natürlich alles gut dokumentieren und dan ordentlich aufschreiben.

  • Ja. Ausprobieren ist immer gut. Etwas geplanter kann es werden, wenn ihr eine Bodenprobe nehmt und analysieren lasst, und außerdem die Bepflanzung gemäß der Sonneneinstrahlung plant.
    Grundsätzlich halte ich es für sehr vorteilhaft, immer nach Grundsätzen der Permakultur zu gärtnern, das ist bezüglich des Erstaufwandes vielleicht etwas zeitintensiver, dafür habt ihr dann in Trockenphasen unter Umständen erheblich weniger zu gießen, weniger Schädlingsbefall und weitere positive Effekte, die dazu führen, dass ihr im laufenden Betrieb weniger Zeit investieren müsst.
    Ich kann zum Einstieg das "Handbuch Permakultur" von Windsperger empfehlen.
    Zum Thema Permakultur werde ich noch einen separaten Thread erstellen.
    Viel Erfolg beim Gärtern!

  • @Jost Ja, Permakultur lässt sich schwierig mit Gartenvereinen vereinbaren. Ich konnte das ausschließlich auf freien Gs umsetzen. Hast du dazu Erfahrungen?

  • @Neo schrieb:
    @Jost Ja, Permakultur lässt sich schwierig mit Gartenvereinen vereinbaren. Ich konnte das ausschließlich auf freien Gs umsetzen. Hast du dazu Erfahrungen?

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit "freie Gs" meinst.
    Die Sache ist ja, dass Permakultur keine feste Struktur oder Pflanzform bezeichnet. Es geht vielmehr darum, ein möglichst artenreiches Ökosystem zu schaffen, das symbiontische Effekte nutzbar macht.
    Satzungen von Kleingärten sind meines Wissens recht unterschiedlich, aber wenn du schaust, was die Nachbarn schon gepflanzt haben, was du pflanzen darfst und in welchem Verhältnis, außerdem wie du evtl vorhandenen Baumbestand mit einbeziehen kannst, sollte eine Art von Permakultur auch im Kleingarten möglich sein. Die besteht dann eben aus Obst, Gemüse, Zierpflanzen und Kräutern und anderen Pflanzen, die gemäß der Satzung dort sein dürfen.

  • Entschuldige. Mit "freie GS" meinte ich freie Grundstücke. Ich sehe es schon so, dass hinter dem Permakultur Prinzip eine Struktur steht. Nur eben eine "wilde, freie, andere". Es ist eben die Ordnung der Natur. Gartenvereine haben meiner Erfahrung nach meist auch Satzungspunkte, wie Baum- und Heckenhöhe. Das ist wiederum von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Bekannte von mir richten Permagärten beruflich ein. Ich habe in solchen Gärten mitgewirkt. Wir hatten keinen einzigen in Vereinen anlegen können, um so frei arbeiten zu können. Das ist jetzt auch subjektiv. Da muss sich wohl jeder vorher entsprechend einlesen, da wo er anbauen möchte. Ich möchte damit auch nicht zu sehr von LunaPie´s Frage abweichen :)

  • Seit Mai habe ich ein kleines Haus mit großem Grundstück (knapp 3000qm). Das meiste ist zwar Hanglage (Nordwest) und der Vorbesitzer hat nur die 5-10m direkt ums Haus gepflegt, dennoch konnte ich dieses Jahr bereits 2 Schubkarren voll Kartoffeln, Tomaten in massen, ein paar Zucchinis, massig Radieschen sowie Erbsen, ein paar Zwiebeln, wunderschöne Karotten, rote Bete, Petersilienwurzel und Kohlrabis ernten.

    Habe als allererstes einen Kompostplatz angelegt, danach auf ca. 100-120qm Gebüsch, Sträucher und Brombeeren beseitigt und umgegraben (den Beinwell, der überall wuchs habe ich gesammelt und eine Jauche draus gemacht, ebenso aus Brennesseln). 1/3 wurde für Kartoffeln angelegt (Kartoffeln zur Bodenlockerung). 1/3 für Erbsen (Bodenverbesserung) und der Rest wurde für Versuche der anderen Gemüse gelassen. Manches kam nicht besonders gut (Petersilienwurzel)da ich schweren Lehmboden habe, manches total üppig (Karotten sind riesig geworden ohne zu platzen).
    Nach der Kartoffelernte habe ich bereits jungen Kompost gehabt, den ich auf diesen Abschnitt verteilt habe und Grünkohl und Rotkohl darauf gepflanzt, das war Ende August, der Grünkohl entwickelt sich prächtig, der rote nicht so sehr gut. Auf die abgeernteten Erbsenzeilen habe ich Spinat gepflanzt, leider ist der geschossen.

    Habe vorallem auf Mischkulturen gesetzt (Karotte mit Zwiebel, Radieschen mit Feldsalat, Zwiebeln zwischen die Tomaten) und einfach mal probiert. Das macht Spaß und man lernt was zusammenpasst, aber auch besonders was wächst auf meinem Boden.
    Was man auch jetzt noch pflanzen kann sind Radieschen und Feldsalat, das wächst wie der Teufel und man kann alle Woche mal ein paar Samen ins Beet schmeißen, so hat man ständig frische Radieschen.
    Jetzt gerade lasse ich alles brach liegen, im Januar will ich reifen Mist beim Bauern holen und dann das Gartenjahr nochmal von vorn beginnen. Ein paar Erkenntnisse habe ich ja bereits gesammelt. Und bis dahin hoffentlich auch noch etwas Platz im Urwald geschaffen für Hühner.
    Ich hab das Buch "Der Selbstversorger" von Wolf-Dieter Storl gelesen gehabt und einfach angefangen.

    Die Nachbarn hatten im übrigen vorher behauptet in dem Ort wachsen keine Kartoffeln, die bleiben winzig, meine Kartoffeln waren richtige Trümmer. Also einfach testen, was geht.

  • @Pinocio Ich habe von Sascha mal "Der Große Weg hat kein Tor" von Fukuoka geschenkt bekommen. Die wenigen, hineingesprenkelten konkreten Tipps sind natürlich für japanische Böden und Temperaturen ausgelegt, aber Mischkultur und "einfach mal machen" und den Boden kennenlernen ist bei ihm auch großes Thema. Mit Früchterotation und Strohdecke statt Dünger -- vom Pflügen und Düngen hält der nix. Das fand ich überraschend und will ich auch mal probieren, wenn ich irgendwann ein Stück Erde unter meine Fittiche kriege. Vielleicht ist auch was für dich dabei!

  • Ja das kommt glaube ich auch immer darauf an wen man fragt. Beispielsweise die Strohdecke würde bei mir nicht so gut funktionieren, da ich sehr feuchten Boden habe, Schnecken können sich darunter verstecken (wobei wir viele Kröten und Feuersalamander haben, die kaum Schnecken aufkommen lassen) und der Boden verwässert. Daher habe ich auch regelmäßig gehackt und grabe um, einfach damit der Boden belüftet wird.
    In Permakulturgruppen wird auch immer wieder mulchen empfohlen, habe das auch getestet, aber wie gesagt, der Boden bei mir ist zu feucht, da gammelt alles drunter und die Erde ist steinhart.
    Fruchtfolge und Rotation ist eigentlich klar, Kohl soll ja sogar nie früher als alle 3 Jahre auf das selbe Beet kommen. Tomaten dagegen lieben ihre eigenen Gestank, wie mir eine Kräuterfrau gesagt hat, die können immer wieder aufs selbe Beet, Düngung hier vorrausgesetzt.

    Habe zum Beispiel auf meinem sehr sonnig gelegenen Beet die Vogelmiere, nachdem die Gemüse groß genug waren stehen lassen, damit sie den Boden bedeckt. Sie hat immer viel Tau gesammelt und ich musste dort kaum gießen.

    Ist auf jeden Fall spannend.

  • Hat jemand hier im Forum Erfahrung mit dem anpflanzen von Obst und Gemüse?
    Habe einen Südbalkon wo ich dieses Frühjar einsteigen möchte.
    Erste Ideen waren Radieschen, Ruccola, Erdbeeren, Möhren, Minze, Koriander, Thai Chillis.
    Das was es ja auf jeden Fall vom "Freiland" unterscheidet ist der verringerte Platz der zu Verfügung ist und vor allen noch die Wurzeltiefe durch die Töpfe und Kästen.

  • Hatte früher auch einen Süd(west)balkon, da wird es im Sommer sehr heiß, muss man aufpassen, dass einem nicht alles verbrennt.

    Chillis gingen sehr gut, ebenso Paprika, Tomate, sibirische Hauspaprika, Rosmarin, Thymian, Minze, Erdbeeren, Heidelbeerstrauch, Lorbeerstrauch, Yamswurzel und Unsterblichkeitskraut. Viele Kräuter sind mir immer, sobald es warm wurde, eingegangen, sowas wie Schnittlauch, Petersilie und Maggikraut.
    Das mit dem Platz ist eigentlich kein all zu großes Problem. Wichtig ist, dass du lieber weniger Pflanzen nimmst und dafür eine größere Ernte hast.
    Wir hatten anfangs immer die Tomaten und Paprikas zu eng gepflanzt, Ernte sackt dann wirklich ab.
    Eine gute Möglichkeit wäre, wenn du dir ein Palette besorgst, die stellst du mit der langen Seite hochkant an das Balkongeländer, schraubst Bretter unten an die Öffnungen. So hast du mit wenig Platz viele "Töpfe", billig ist es auch. Bei uns in der Firma z.B. kann man sich kostenlos Paletten abholen.
    Yamswurzeln sind sehr schöne Rankpflanzen, brauchen also kaum Platz und begrünen Geländer, könnte ich mir auch mit Erbsen und Bohnen vorstellen, allerdings sind die uns auch immer verbrannt.
    Das Problem mit Radieschen und Karotten ist halt, dass du relativ viel Platz für wenig Ernte brauchst. Die vertragen sich glaube ich auch nicht, Zwiebeln und Karotten würden zusammen gehen.
    Je nachdem wie groß der Balkon ist, könnte man auch über einen Kartoffelturm nachdenken. Habe ich ausprobiert, hatte so 4-5 Portionen rausbekommen, ob sich der Aufwand lohnt? Es macht sehr viel Dreck beim Abbau, aber sieht cool aus.
    Wichtig also auch noch, such dir die richtigen Pflanzen aus.

    Habe zu Hause 2-3 Bücher wo man gute Ideen sammeln kann, müsste mal schauen wie die heißen, eins glaube ich "Stadtgrün statt grau".

  • Schonmal danke für die ganzen Tipps :smile: . Gerade für das erste Jahr will ich Sachen anpflanzen wo das Aufwands-/ Ertragsverhältnis stimmt. Hatte vor mir dann die Balkonkästen zu holen wo schon ein Wasserreservoir enthalten ist (dann kann ich auch mal beruhigt eine Woche weg sein und habe generell weniger Gieswaufwand). Würde die Pflanzen die nicht ganz so viel Sonne vertragen einfach vor die Betonwand stellen, dann kriegen die schonmal keine direkte Sonne ab. Je nach Sonnenstand könnte ich das auch variieren.
    Das was ich pro Tag ca. verwerten kann sind 300g Gemüse und 100g Beeren. Kartoffeln sind für mich raus weil ich da einfach nicht genügend von esse.
    Bei Radieschen meinst du die Menge pro Erntevorgang oder die Ernte insgesamt (also die Zeit von Aussaat bis Ernte)?
    Das bestimmte Pflanzen nicht zusammen wachsen können, bzw. auch nicht nacheinander habe ich auch schonmal gehört.
    Werde mich da genauer reinfuchsen bevor ich dann mit der konkreten Planung beginne.

  • Zum gießen sparen/Wasserreservoir kannst du Flaschen offen und gefüllt umgedreht in die Erde stecken. Geht gut, brauchst keine teuren Blumenkübel kaufen. In dem Buch Stadtgrün statt grau wird auch Bewässerung vorgestellt, teils sogar mit Aquarium und Fischen, falls du Tüftler bist und Spaß an sowas hast.

    Radieschen wachsen ziemlich schnell und du kannst ständig nachsähen, also da hast du im Prinzip schon guten Ertrag und brauchst kaum was machen. Aber du hast halt 1 Radieschen, das ca. 10cm außenherum Platz haben will, damit es auch dick und rund wird. Also brauchst du für ein Bund Radieschen schon ein größeren Topf. Wenn du das allerdings gerne isst und eine einfache Pflanze haben willst, dann pflanz Radieschen.
    Habe auch extra ein Beet am Haus angelegt für Radieschen und Feldsalat, das ist 2 auf 2m, Mischkultur, da hab ich in der Wachstumszeit jeden Tag was zum ernten. Man säht einfach wöchentlich eine handvoll Samen nach. Jetzt derzeit mit den milden Temperaturen wachsen die wieder.
    Hatte eine Sorte, die hat so eine weiße Spitze, die waren sehr gut. Hab die auch teils versamen lassen und habe jetzt eigene, war also kein Hybrid. Kann zu Hause schauen wie die Sorte heißt. Radieschen werden auch schärfer wenn du sparsam gießt.

    Also Tomaten, Chili und Paprika kannst du gut ausprobieren, lass nur genug Platz zwischen den Pflanzen, die tragen auch ganz ordentlich und mögen Sonne. Zieh sie ruhig ab März im Haus vor und sobald es warm ist stellst sie raus, bei kalten Nächten hast du den Vorteil du kannst sie reinholen, und das solltest du auch. Meine erst Auspflanzung dies Jahr Ende Mai ist komplett eingegangen nach ein paar kalten Tagen. Hatte dann leider keine Paprikas dieses Jahr nur Tomaten und das in Massen.

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.