Starke und schwache Meinungen

In einem anderem Thema hat @Sascha irgendwo fallen lassen, dass jemand eine "bessere Meinung" braucht. Davon inspiriert kam mir der Gedanke, zwischen einer "schwachen" und einer "starken" Meinung zu unterscheiden. Meine Gedanken dazu sind noch sehr unausgereift. Ich möchte sie aber dennoch bzw. gerade deswegen teilen und diskutieren.

Und noch was vorweg: Ich beziehe mich hier nur auf Meinungen zu Sachthemen und nicht auf Geschmackssachen.



Schwache Meinung: Ich erkenne an, dass ich selbst auf dem gegebenen Gebiet kein Experte bin. Ich verlasse mich daher auf die Aussagen von Experten. "Meine" Meinung ist somit die Meinung von anderen. Ich vertraue auf deren Fachwissen und Aufrichtigkeit. Eine schwache Meinung ist das blinde Wiederholen der Meinungen anderer.

Starke Meinung: Ich tauche selbst tief in die Materie ein, beschäftige mich intensiv mit den Hintergründen, der Forschung und sammle bestensfalls eigene Erfahrungen. Ich bin in der Lage, die Aussagen von Experten zu bewerten, da ich die dazu erforderlichen theoretischen Hintergründe kenne. Meine Meinung ist tatsächlich "meine" Meinung, da ich sie durch eigene Forschung, möglichst theoretisch und praktisch, aufgebaut habe. Eine starke Meinung kann ich fundiert sachlich und logisch begründen.

Eine schwache Meinung genügt nur, um für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Wer jedoch andere überzeugen oder ihnen gar Vorschreiben will, was sie zu tun oder zu lassen haben, braucht eine starke Meinung. Wird die Grenze von sich selbst zu anderen überschritten, dann steigt der Anspruch an die Expertise von demjenigen enorm, der andere anleiten möchte.

Also zusammengefasst:

  • Eine schwache Meinung ist das Wiederholen der Meinungen anderer. Mit einer schwachen Meinung darf ich nur für mich selbst entscheiden.
  • Eine starke Meinung kann ich fundiert begründen. Sie ist die Voraussetzung für Entscheidungen, die andere direkt betreffen.

Kommentare

  • Setzt du hier Meinung mit Expertise gleich? Bin mir nicht ganz sicher ob das so Äquivalent ist.

  • Meinung und Expertise ist auf keinen Fall gleich. Mein Gedanke ging mehr in die Richtung unterschiedlicher Qualitäten von Meinungen. Daraus resultiert, wie weit ich mit meiner Meinung gehen darf, also ob ich sie besser für mich behalte, ob ich jemand damit überzeugen, belehren oder gar etwas vorschreiben will.

  • Cool, dass in dem Podcast darauf eingegangen wurde :) Naja bzw., dass es erwähnt wurde :#
    Konkret was zum Podcast: Ich stimme mit @Joseph_Bartz darin überein, dass ich nicht immer und zu allem eine Meinung haben muss. Ich habe mir über die letzten Jahre angewöhnt, immer häufiger keine Meinung bzw. keinen Standpunkt zu etwas zu haben. Da bin ich mittlerweile schon fast wählerisch geworden.

    Was haltet ihr davon? Sich seiner Meinung häufiger zu enthalten? Ja? Nein? Vielleicht?

  • @Gnahn schrieb:
    Cool, dass in dem Podcast darauf eingegangen wurde :) Naja bzw., dass es erwähnt wurde :#
    Konkret was zum Podcast: Ich stimme mit @Joseph_Bartz darin überein, dass ich nicht immer und zu allem eine Meinung haben muss. Ich habe mir über die letzten Jahre angewöhnt, immer häufiger keine Meinung bzw. keinen Standpunkt zu etwas zu haben. Da bin ich mittlerweile schon fast wählerisch geworden.

    Was haltet ihr davon? Sich seiner Meinung häufiger zu enthalten? Ja? Nein? Vielleicht?

    Mir gehts eher andersrum, dass ich versuche, mehr mich auch mal für eine Position zu entscheiden. Zumindest wo ich es wichtig finde.
    Meine Motivation hinter einer Meinung ist die eben mit Wissen und Verständnis abzudecken, wenn man keine Meinung hat, fehlt da evtl das Wissen oder man ist (zu) kompromissbereit...

  • Es ist eine Gratwanderung. Ich beziehe natürlich auch bei Dingen Stellung, die mir wichtig sind. Ist schwierig darüber zu diskutieren, so im Vakuum, ohne konrete Beispiele. Vermutlich ist das Entscheidende und Wichtigste alleine die Bewusstheit darüber, ob ich eine Meinung habe oder nicht, ob ich sie haben will oder nicht usw.. Mir kommt bei dem Thema sofort dieses unreflektierte, nachgeplapperte Geschwätz in den Sinn, was man dem "Stammtisch" zuordnet. Aber ich denke, darüber sind die Leute im Forum hier ohnehin (hoffentlich) hinaus :)

  • @RichardDieSau schrieb:

    @Gnahn schrieb:
    Cool, dass in dem Podcast darauf eingegangen wurde :) Naja bzw., dass es erwähnt wurde :#
    Konkret was zum Podcast: Ich stimme mit @Joseph_Bartz darin überein, dass ich nicht immer und zu allem eine Meinung haben muss. Ich habe mir über die letzten Jahre angewöhnt, immer häufiger keine Meinung bzw. keinen Standpunkt zu etwas zu haben. Da bin ich mittlerweile schon fast wählerisch geworden.

    Was haltet ihr davon? Sich seiner Meinung häufiger zu enthalten? Ja? Nein? Vielleicht?

    Mir gehts eher andersrum, dass ich versuche, mehr mich auch mal für eine Position zu entscheiden. Zumindest wo ich es wichtig finde.
    Meine Motivation hinter einer Meinung ist die eben mit Wissen und Verständnis abzudecken, wenn man keine Meinung hat, fehlt da evtl das Wissen oder man ist (zu) kompromissbereit...

    Das sind die zwei Seiten der gleichen Medaille

  • @Gnahn schrieb:
    Konkret was zum Podcast: Ich stimme mit @Joseph_Bartz darin überein, dass ich nicht immer und zu allem eine Meinung haben muss. Ich habe mir über die letzten Jahre angewöhnt, immer häufiger keine Meinung bzw. keinen Standpunkt zu etwas zu haben. Da bin ich mittlerweile schon fast wählerisch geworden.

    Was haltet ihr davon? Sich seiner Meinung häufiger zu enthalten? Ja? Nein? Vielleicht?

    Dieses keine Meinung zu etwas haben halte ich mittlerweile für recht schwierig. Im Umfeld höre ich das immer wieder z.B. "dazu kann ich nichts sagen, das müssen Experten entscheiden". Wahrscheinlich meinst du das anders als wie es hier klingt und gemeint ist.
    Da ich es aber so oft höre, reagiere ich teilweise allergisch darauf, weil sich viele gar keine Meinung bilden WOLLEN. Natürlich, das ist keine Pflicht und weder muss man zu allem etwas sagen noch muss man es wollen, aber sich so gar nicht einbringen ist schon oft nervig.

    Ich halte mich bei manchen Diskussionen auch raus, einfach weil die Seiten so versteift sind und es nur noch darum geht Recht zu haben. Natürlich kommt es auch darauf an um was es geht.
    Vermute mal so meinst du es auch @Gnahn , dann ja bin ich auf deiner Seite.

    Im Prinzip enthalte ich mich Diskussionen, die entweder zu einseitig sind, zu aggressiv oder mich überhaupt nicht interessieren. Ansonsten teile ich meine Meinung auch dann, wenn sie nicht unbdingt mit Fakten untermauert werden können, aber mit eigenen Gedanken die ich dazu habe. Und eigene Gedanken und Überlegungen sollte man immer teilen können.
    Das Coronathema ist bei mir so ein Fall, ich schaue nicht jede Studie, jeden Bericht oder Untersuchung an, aber ich kann sehr wohl meine eigenen Gedanken dazu äußern. Wobei es bei Corona doch oft eskaliert und ich mich daher auch meist heraushalte

  • bearbeitet 2. Dezember

    @Pinocio schrieb:
    Dieses keine Meinung zu etwas haben halte ich mittlerweile für recht schwierig. Im Umfeld höre ich das immer wieder z.B. "dazu kann ich nichts sagen, das müssen Experten entscheiden". Wahrscheinlich meinst du das anders als wie es hier klingt und gemeint ist.
    Da ich es aber so oft höre, reagiere ich teilweise allergisch darauf, weil sich viele gar keine Meinung bilden WOLLEN. Natürlich, das ist keine Pflicht und weder muss man zu allem etwas sagen noch muss man es wollen, aber sich so gar nicht einbringen ist schon oft nervig.

    Etwas in der Art wie "dazu kann ich nichts sagen, das müssen Experten entscheiden" höre ich so gut wie nie in meinem Umfeld oder sonst irgendwo. Was du beschreibst riecht stark nach Verantwortung abgeben - und da ist mir auch eine unqualifizierte Meinung lieber.

    Im Prinzip enthalte ich mich Diskussionen, die entweder zu einseitig sind, zu aggressiv oder mich überhaupt nicht interessieren. Ansonsten teile ich meine Meinung auch dann, wenn sie nicht unbdingt mit Fakten untermauert werden können, aber mit eigenen Gedanken die ich dazu habe. Und eigene Gedanken und Überlegungen sollte man immer teilen können.
    Das Coronathema ist bei mir so ein Fall, ich schaue nicht jede Studie, jeden Bericht oder Untersuchung an, aber ich kann sehr wohl meine eigenen Gedanken dazu äußern. Wobei es bei Corona doch oft eskaliert und ich mich daher auch meist heraushalte

    Ich halte es für wichtiger, andere auf Widersprüche in ihren Meinungen hinzuweisen oder auch mal zu sagen "Halt stop! Du redest Müll!", als meine Meinung zum Thema zu teilen. Aber das ist natürlich auch eine Frage des Temperaments. Ich musste jedenfalls lange daran arbeiten, anderen zu sagen, dass sie (meiner Meinung nach ;) ) Unsinn reden.

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