Der Kauf der Vonovia

bearbeitet 20. November in Projekt: ME-Improved

Aus meinem Zettelkasten:

Gemeint als Einblick: Ich hatte ja mal davon gesprochen, dass ich an einer Reihe von "Werkzeugen" arbeite, die eher mit dem sozialen Bereich zu tun haben und in dem der Einzelne ganz privat etwas machen kann.

Elon Musk, da glaube ich ihm, will erneuerbare Energien befördern. Daher macht es keinen Sinn, die eigene Technologie zu schützen. Schließlich gibt es in der globalen Perspektive kein Mein und Dein, weil es scheißegal ist, ob nun Solaranlagen von Solarcity auf den Dächern sind oder von Solar-XY.

Es gibt Prinzipien, die seinem Denken zu Grunde liegen. Als einzelner Mann schiebt er gewaltige Veränderungen an. Man kann viel darüber argumentieren, dass natürlich viele, viele andere Menschen daran beteiligt sind. Das ist richtig, aber der Lebensfunke und die treibende Kraft ist er.

Ich finde nicht, dass man auf die Elon Musks warten muss. Ich bin mir sicher, dass man etwas schaffen kann, dass die vielen kleinen Impulse von Menschen bündeln kann, sodass Gemeinschaften entstehen, die als wenigstens gemeinsam das schaffen, was Menschen wie Elon antreiben.

Kommentare

  • Das Problem der Unternehmensform ist heute dominant geworden. Für mich spielt ganz entscheidend die Immunisierung gegen Korruption eine der Hauptrollen.

  • Haben jetzt ja auch in der Pandemie gelernt, dass 30 Miliarden eig nicht so viel sind. Über nen paar Jahre verteilt keine schlechte Idee, wohnen muss jeder.
    Nur die Frage, was sich bspw Eigentümer mit Selbstnutzung dazu denken, die werden evtl nicht einsehen wollen für Mieter zur Kasse gebeten zu werden...

  • bearbeitet 21. November

    Hab mal zwei Ideen festgehalten, zur Diskussion.

    1. Eine eG, weil basisdemokratisch und dadurch vielleicht gerade attraktiv, aber eben auch offen für Kursänderungen, die von der ursprünglichen Mission abweichen.
    2. Einen Fonds, weil 0 Entscheidung der Fondszeichnenden, aber vielleicht auch schwieriger, darüber Leute zu begeistern weil es keine Beteiligung gibt.

    Beispiel Besitz-eG

    Wenn man die Vonovia AG in eine andere Richtung lenken will, kann man einen anderen CEO suchen, der gut dazu passt. Die Hauptversammlung der Aktionäre wählt einen Aufsichtsrat, der die Aktionärsinteressen vertritt und den Vorstand bestimmt. Um das operative Geschäft der Vonovia AG kümmert sich der Vorstand, CEO und co. Dadurch hat man schon mal 2 Schichten, um das Unternehmen zu beeinflussen: Mit einer Mehrheit der Anteile an der Vonovia AG hat man auch mehr Stimmen für die Wahl des Aufsichtsrates und dadurch Einfluss auf den Vorstand und dadurch Einfluss auf das Geschäft.

    Um ein Kollektiv als Hauptaktionär zu bilden, könnte man als Rechtsform z.B. die Genossenschaft nehmen. Dann gäbe es eine Vonovia Besitz eG, die die >51% hält. Die eG wäre dann -- vertreten durch einen Vorstand der Genossenschaft -- für die Kursänderungen verantwortlich. Einfluss auf die Genossenschaft können alle Mitglieder nehmen; alle sind qua Gesellschaftsform stimmberechtigt. Im Gegensatz zur AG, wo Aktionäre mehr Stimmen haben, wenn sie mehr Anteile halten, hat in einer Genossenschaft jeder nur 1 Stimme. Dann hätte man schon mal 4 oder eher 5 Schichten:

    1. Alle Dullies, die in den Topf einzahlen und Mitglieder der eG werden (das sind wir)
    2. Einen eG Vorstand, der die eG vertritt
    3. Die Aktionäre der Vonovia AG, bei denen die Besitz eG einen Mehrheitsanteil hält
    4. Den Ausichtsrat, gewählt von den Aktionären in der Hauptversammlung. Der eG Vorstand könnte zugleich die Aufsichtsratmitglieder stellen.
    5. Den Vorstand der Vonovia, CEO usw., die das operative Geschäft leiten und vom Aufsichtsrat bestimmt werden

    (Der Fisch mag ja vom Kopf her stinken, aber ob es langt, den auszutauschen, ist ja nicht erprobt. Vielleicht genügt selbst das Ändern dieser Schichten noch lange nicht.)

    In der eG kann man einen korrupten Vorstand absetzen. Das könnte gegen Machtbündelung helfen und um eine vernünftige, menschliche, liebenswürdige usw. Linie beizubehalten. Ein Problem dabei ist, dass Vorstand der eG und Aufsichtsrat der AG entkoppelt sind: man muss also "Politik" über mehrere Schichten hinweg machen, um Einfluss auf den Vorstand auszuüben. Das ist eher nervig und bündelt außerdem Kräfte. Mit quartärlichen Abstimmungen allein ist's dann nicht getan, weil Überzeugung innerhalb und außerhalb der eG gemacht wird.

    Das setzt auch voraus, dass der Dulli-Mob, von dem wir alle ein Teil wären, "es" besser weiß -- dass man Korruption früh genug bemerkt, Entscheidungen mündig hinterfragt und bespricht, und auch handelt, wenn es einzugreifen gilt. All das vor dem Hintergrund, dass mit vielen Menschen zu kooperieren selten Frieder-Freude-Eierkuchen bedeutet. Also bleibt es bei viel Arbeit, um die liebenswürdige usw. Linie beizubehalten. Ich weiß nicht, ob man Ideologien in einer Genossenschaft vorschreiben kann, also als blödes z.B. Nazis verbieten. Oder neoliberalkapitalistische Geldmehrungsinteressen. Letzteres hat die Vonovia AG ja jetzt schon, da braucht man nicht noch eine Extraschicht drum herum. -- Um z.B. Solaranlagen auf alle Dächer zu bringen und Mieten zu drücken oder so was braucht man was anderes. Wie hält man die Mission aufrecht, wenn Millionen von Mitgliedern verwurstet werden müssen und Mietfragen zur basisdemokratischen, bundesweiten Abstimmungssache werden? (Ich vermute mal, man wird das Unternehmen auch umstrukturieren müssen, um lokale Entscheidungsenklaven zu bilden. Das lass ich mal offen.)

    Mit Geld von 40mio oder 80mio Menschen aus Deutschland sammeln ist's dann nicht getan, und innerhalb der Gemeinschaft entspringen dann "politische" Diskussionen um kontroverse Entscheidungen -- halt das übliche, wenn viele Menschen mit Partikularinteressen und "irgendwas mit Geld" zusammenkommen.

    Wie kann man sozusagen ein eG-Parteibuch bauen, das bindend ist, um zu vermeiden, dass dieselben Leute mit denselben Ideen am Ende in der eG bestimmen, was der Vorstand der AG zu tun hat? Das "blöde" an einer eG ist die demokratische Wahl des Vorstandes: Wenn eine Mehrheit der Mitglieder was anderes machen will, als die ursprüngliche Vision mal war, dann fällt mir nix ein, um das zu verhindern. Auch Satzungen usw können um-interpretiert und geändert werden. (In einer AG, die sich aus einem Familienunternehmen heraus entwickelt, hält dem Klischee nach der alte Besitzer eine Mehrheit, um gerade so etwas zu verhindern. In einer eG gibt es keine Stimm-Mehrheit. Da muss man dann Lobbyarbeit machen?)

    Immobilienfonds

    Ist ein Art Fonds eine Alternative? Da kann man Anteile mit dem Versprechen einer Kapitalrendite ausgeben und so nach und nach genug Geld aufbringen, um eine Mehrheit der Vonovia AG zu kaufen. Man kann aber auch die 3% p.a. Dividendenrendite reinvestieren, um den Besitzanteil wachsen zu lassen, also gibt's keine Rendite für Anleger im Fonds.

    Die Mission der Übernahme soll ja gerade sein, nicht gewinnorientiert zu arbeiten, sondern v.a. zum Wohl der Mieter und der Versorgung mit Wohnraum. Was genau das heißt und inwiefern sich das mit den Unternehmensinteressen nicht überschneidet, bleibt auch noch auszuarbeiten. Aber nehmen wir mal an, das heißt, dass es für Aktionäre weniger Kohle gibt. Dann gibts auch für Fondsbesitzer weniger Kohle. Dann bleibt als Anreiz tatsächlich nur eine irgendwie moralisch besonders gute Vision des Wohnens, um zum Mitmachen anzulocken.

    Ich behaupte mal, dass man da auch in der breiten Masse weniger Geld locker gemacht bekommt, weil: "warum soll ich da mein Geld dazu geben?" Und operiert der Fonds absolut kostenlos, sodass jeder seine 191,25 EUR einzahlen und im Notfall nach 5 Jahren auch einfach so wieder bekommen kann? (Ist das technisch machbar oder fallen notwenig Kosten an, weil man irgendwo irgendwas melden muss? Weiß ich alles nicht.)


    • In einer eG mit abermillionen von Menschen hat man Entscheidungsprobleme, aber einen basisdemokratischen Ansatz, der vielleicht auch dazu beitragen kann, dass Entscheidungen im Interesse der Mitglieder gefällt werden -- hoffentlich auch im Einklang mit der Mission, und nicht nur um selbst wieder Geld raus zu ziehen 🙄
    • In einem Fonds hätte man keine Entscheidungsgewalt der Mitglieder. Man stimmt für die Sache selbst mit der Brieftasche ab, aber managen tut den Fonds jemand anderes, und die Änderungen an der AG werden auch nicht von den Fonds Zeichnenden durchgesetzt, sondern wiederum vom Fonds-Management-Team. So kann man vielleicht die Mission aufrecht erhalten. (Bietet sich für die Fondsverwaltung wiederum eine eG mit beschränkt vielen Anteilen an, oder ein Verein, oder lässt man das absichtlich in "privater" Hand?)
    • Voraussetzung für all das ist, dass man an 51% der Anteile kommt. Es werden ja nicht alle Anteile andauernd gehandelt. Aktionäre halten ihre Anteile zwecks Mitbestimmung auch dauerhaft. Am Ende muss man auf das allmähliche Versterben der Aktionäre warten ... :)
    • Ich weiß auch nicht, wie man bei Übernahmen mit Preisgarantien arbeitet, also was z.B. die Vonovia bei der Deutsche Wohnen gemacht hat: ein Kaufversprechen zu einem bestimmten Kurswert. Wenn einfach nur bekannt wird, dass die Vonovia "koste es, was es wolle" nach und nach über Jahre aufgefressen wird, dann verkaufen schlaue Anteilseigner auch nicht mehr zum jetzt aktuellen Kurswert. Sprich: das wird wahrscheinlich teurer und teurer und teurer, je länger und unüberraschender es wird.
    • Wenn man auch erst nur 10mio Bürger für die eG begeistert hat, wie lädt man die alle zu Hauptversammlungen und Abstimmungen ein? Kann nicht mehr persönlich, sondern nur online sein, aber selbst 10mio emails verschicken kostet dann schon Geld, wenn man einen Provider findet, der die Volksabstimmung der BRD mitmacht :D
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