Sissy Squats

bearbeitet Oktober 2021 in Bewegung und Mobilität

Beim durchstöbern meiner alten Trainingslogs ist mir aufgefallen, dass ich früher zum Abschluss meines Beintrainings zuhause oft Sissy Squats gemacht habe.

Warum ist diese Übung so wenig verbreitet?
Hat jemand von euch Erfahrungen damit?
Gibt es begründete Einwände gegen Sissy Squats?

Mich interessiert vor allem der Aspekt der Sicherheit. Zu der Zeit, als ich die Übung regelmäßig gemacht habe, ist mir die Bandscheibe rausgeknallt. Ich glaube zwar nicht, dass es daran lag, aber es macht mich dennoch vorsichtig.

Es sollte doch vor allem eine Menge Drehmoment im Knie entstehen. Aber so lange ich keine Schmerzen habe, macht das ja nix - oder?

PS: Entschuldigt den Anglizismus, aber "Tunten-Kniebeugen" hört sich irgendwie falsch an.

Kommentare

  • Für mich war es immer eine Art BWE Isolationsübung für den Oberschenkel, zudem dehnt sie leicht den Hüftbeuger
    Ich denke die Übung hat ein gewisses Gefahrenpotenzial wenn man sie bis zum Versagen ausführt, wenn ich so lang gemacht habe, hat sich das oft in miniskus schmerzen geäußert.
    Ich glaube aber, dass sich der Kneesovertoesguy, der ja sehr viel knie gesundheits kontent macht, für die übung positiv äußert, vieleicht verwechsle ich da aber auch was.

  • Ich würde die Übung als Dehnen unter Last entsprechend behandeln: Selten, geringe Intensität, geringe Ermüdung.

  • @TroyGermMan Ich habe auch das Gefühl, mit dem Gefahrenpotential. Schmerzen hatte ich dabei zwar nie, aber es gibt bei mir zumindest diese zeitliche Korrelation mit dem Bandscheibenvorfall, was aber nix heißen muss.

    @Sasche Ich habe da nie eine Dehnung gespürt, nur ein (angenehmes) Brennen im Quadrizeps.

  • Bei Dehnen unter Last spürst du auch keine Dehnung. :)

  • Jetzt, wo du es sagst...
    Bei Jefferson Curls spüre ich schon meine Waden und auch die Beinbeuger. Aber es ist schon ein anderes Gefühl, als beim statischen Dehnen.

  • Richtig mit Dehnung? Welches RM benutzt du?

  • bearbeitet Dezember 2021

    Ich benutze die Übung die ganze Zeit mit Leuten.
    Immer als bodyweight, eigentlich nie geladen.
    Man startet mit 6-10r 1x pro Woche. Würde normalerweise bei 2 Sätzen pro Session bleiben und nicht über 10r gehen. Man kann es dann 3x pro Woche machen. Für Rehab kann man das auch akut öfter mit niedriger Intensität machen.
    Niedrigere Intensität erzeugt man, indem man weniger ROM nutzt, aber auch indem man nur ecc. arbeitet. Also beim hochgehen die Hüfte schließt.
    Wir nutzen die Übung, um die Knie robuster zu machen. Dafür ist die da. Dafür ist sie sehr wichtig und effektiv.
    Dosis macht das Gift. Bei mir verletzt sich niemand damit.

    Die heißen Sissy Squats, weil das die Position ist, in der Sisyphus den Stein den Berg hoch rollt, nicht weil man aussieht wie die Gemahlin von Kaiser Franz oder ähnliches.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/Sisyphus_by_von_Stuck.jpg

    Bei Dehnen unter Last spürst du auch keine Dehnung.

    doch.

  • Die heißen Sissy Squats, weil das die Position ist, in der Sisyphus den Stein den Berg hoch rollt, nicht weil man aussieht wie die Gemahlin von Kaiser Franz oder ähnliches

    :D Waas dacht die heißen so, weil man sich wie ne sissy fühlt wenn man, diese reine bwe, bis zum Versagen macht. Cool, dass es den zusammenhang gibt.

  • Danke für die Erläuterungen @Joseph_Bartz
    Zum Namen: Dann nenne ich sie ab jetzt Sisyphus Kniebeugen. Klingt ja schon fast philosophisch...

  • Dann meinen wir etwas anderes:

    Das Gefühl "Dehnung" entsteht durch Rückkopplung der Muskelspindel und dem Golgi-Sehnen-Apparat. Vereinfacht könnte man sagen, dass das Gefühl der Dehnung die Wahrnehmung der passiven Spannung ist. Zumindest wenn wir von Muskeldehnung sprechen (Kapseln usw. sind ja nochmal was anderes).

    Dehnen unter Last heißt ja nicht jede Last, sondern Last, die einen bestimmten Effekt hat. Sonst wäre alles Dehnung unter Last. Dehnen unter Last braucht für den besonderen Effekt (Schutz, Kontrolle, Nervensystem, Stärkung des passiven Bewegungsapparats) eine Mindestlast und sollte nicht über den Punkt der Bewegungsamplitude angewendet werden, an dem die passive Spannung (= keine Kontrolle) einen so großen Anteil an der Gesamtspannung übernimmt, dass man Dehnung spürt.

    Das heißt nicht, dass Dehnen mit Last im Bereich des deutlichen Dehngefühls nicht seinen Zweck hat.

    Aber es sind zwei unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Effekten.

    Eine einfache Veranschaulichung meines Standpunkts ist die Hüftbeugung ("gebückte" Position):

    Der einbeinige Jeffersoncurl verlagert den Trainingsreiz genau dorthin, wo Dehnen unter Last meiner Meinung nach stattfinden soll: Der Trainierende nutzt die Last nicht, um weiter in die Dehnung zu kommen. Anstelle dessen entsteht eine motorische Herausforderung an die Kontrolle im Grenzbereich.

    Diese Unterscheidung erklärt die unterschiedlichen Empfindungen, die man beim Dehnen unter Last hat, je nach Übung. Diagonal Stretch, Sissy Squat -> Druck auf Patella, krasse Muskelspannung; einbeinige Jefferson Curls (als Anfänger) -> Gluteus Medialis, aktive Insuffizienz von Rectus Femoris (Krampf), Müdigkeit des Fußgewölbes nach einer Weile; beidbeinige Jefferson Curls mit geringer Last -> Dehnung;

    Wenn man den Effekt von dem, was ich unter Dehnen unter Last bezeichne, sofort spüren will (wenn man nicht gerade schon super beweglich ist): Straußengang, aber anstatt dass man wippt, einfach in der tiefsten Position verharren und langsam nach vorne gehen. Vorher-Nachher Test machen und erstaunt sein, wie beweglich man auf einmal sein kann. (Im Fitnessstudio habe ich ab und zu Wetten angenommen, dass ich Leuten in wenigen Minuten beibringen kann, den Boden mit gestreckten Knien zu berühren. Ich habe immer gewonnen #SaschaderBlender)

    Hier ist ein Video, dass diesen Effekt in einem noch seltsameren Licht aufzeigt: Seitstütz und Hüftmobilität.

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