Längeres Fasten (>24h) und dessen Vorteile

Hallo zusammen,

Ich habe jetzt in Tim Feriss' Buch "The Tools of Titans" (klare Leseempfehlung, übrigens) mehrere Formen des Fastens gefunden, darunter auch mehrtätiges Fasten (3 Tage im Monat).

Zur Zeit mache ich 2x pro Woche 24h Fasten an nicht aufeinanderfolgenden Tagen mit anspruchsvollen Trainingseinheiten.

Welche gesundheitlichen Effekte (Stichwort Autophagie) würde ich durch längeres Fasten erreichen, die man ansonsten nicht erreicht?

Kommentare

  • Ich fürchte, dass die Frage zu viel Kontext erfordert. Fasten hat ja noch mit wesentlich mehr als nur Autophagie zu tun. 3 Tage Fasten nimmt diese Tage auch deutlich aus dem üblichen Arbeitsalltag heraus. Das verändert Stressantworten, kann längere Effektfahnen verursachen usw. Die gesundheitlichen Effekte sind lange nicht nur physiologisch und die physiologischen Effekte könnte man nur in einem ähnlichen Experiment herausfinden wie Lieberman et al. 2008. Die haben ganz clever einfach Placebo-Essen verabreicht. Aber auch schon die Teilnahme an einer Studie ist eine Störvariable.

    Den ganzen Petri-Schalen-Kram kann man kaum verwenden. Auch Tierstudien sind Quark, weil man für quantitative Aussagen ("so und so lange sollst du fasten") unbedingt Menschenstudien braucht. Und auch bei ihnen gibt es eine große Variabilität. Der Durchschnittswert ist häufig nicht allzu aussagekräftig. Hast du beispielsweise eine Genvariante für eine besondere FOXO3-Aktivität, kann es durchaus sein, dass du gar nicht so viel Fasten brauchst und wie Helmut Schmidt bis in die 90er rauchen kannst.

    Dann kommen noch besondere Lebensfaktoren hinzu. Eine Art Generalputz im Monat macht deutlich mehr Sinn, wenn du ingesamt wenig Zeit in negativem Gflux verbringst. Wenn du aber jeden Morgen gefastet 2--3 Stunden wandern gehst und dich ansonsten ketogen ernährst, ist es schon wieder fraglich.

    Aber auch dein Trainingsstand ist entscheidend. Ein Teil des positiven Effektes ist ein Trainingseffekt. Im Animal Layer war ich für eine Woche deutlich unter meinem Bedarf. An 2,5 Tagen habe ich bis auf ein Stück Butter nix gegessen. Das ist für mich kein Problem und auch kein relevanter Trainingsreiz. Für andere können die 3 Tage ein hochvolumiges, niederintensives metabolisches Training sein.

    Da kann man nicht allzu mutige Aussagen machen, auch wenn es natürlich schöne und reißerische Überschriften machen würde. Selbst die physiologische Seite ist an dieser Stelle schon so kompliziert, dass eine klare Aussage eine unangemessene Verallgemeinerung bedeuten würde.

    Dem begegne ich mit einem phänomenologisch-reaktiven Ansatz. Klugscheißer-Alarm, aber das sind leider die Fachbegriffe:

    1. "Phänomenologisch" heißt, dass die Effekte ihre Relevanz in ihrem für uns sein erhalten. Mit etwas Übung kann man die unterschiedlichen Zustände und Veränderungen spüren. Ketogene Stoffwechsellage, Veränderungen der Herzratenvariabilität und so weiter braucht man dann nicht mehr messen, sondern kann es spüren. Das meint für uns sein. Dann kannst du feststellen, wann 2 Tage Fasten genug sind und wann vielleicht 4 gebraucht werden.
    2. "Reaktiv" heißt, dass man seine Vorhaben immer ins Verhältnis zur Rückmeldung bringt. Deswegen ist die korrekte Länge des täglichen Fastens: So lange, bis Hunger nicht aktiviert, sondern deaktiviert. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und auch von Tag zu Tag.

    H. R., Caruso, C. M., Niro, P. J., Adam, G. E., Kellogg, M. D., Nindl, B. C., & Kramer, F. M. (2008). A double-blind, placebo-controlled test of 2 d of calorie deprivation: effects on cognition, activity, sleep, and interstitial glucose concentrations. Am J Clin Nutr, 88(3), 667-76.

  • bearbeitet 11. September

    Danke für die ausführliche Antwort! Spannendes Thema, gut, die Sachlage nochmal kondensiert vorliegen zuhaben.

    Ich möchte das Thema noch etwas weiter spezialisieren und speziell auf gesundheitliche Vorteile eingehen. Im o.g. Buch von Tim Feriss "The Tools of Titans" kommt Dr. Dominic D'Agostino zu Wort. Zwar geht es um Ketosis als solche, aber das gleiche sollte auch umgemünzt für Fasten gelten (?)



    Interessantes Stichwort für mich ist die "Reperatur" auf genetischer(?), mitochondrialer Ebene von hartknäckigen Krankheiten und der "Reboot" vom Immunsystem.

  • Meine Erfahrung mit länger als 24h fasten: Spirituell interessant, cool mal gemacht zu haben, gesundheitlich eher als belastend denn als gewinnbringend empfunden (vielleicht hat's ja "was" gebracht - wer weiß?!).

  • @Mark_Balder Im Grunde habe ich auch schon das Problem angesprochen. Habe das Buch selbst und auch hier keine brauchbare Angabe (auch das Ding von Cahill hat nix mit Genreperatur zu tun) zu finden.

    Es gibt auch die Möglichkeit das als Sicherheitspuffer zu verwenden. Also einfach 2x/Jahr für 3--7 Tage fasten, selbst wenn es eigentlich zu viel sein sollte. Man weiß ja nicht genau, wie viel man individuell gebrauchen kann. Also macht man ein bisschen mehr zur Sicherheit.

    @Johannes Vergleich mal die Empfindung mit Training. Das fühlt sich auch eher belastend an, ist aber eigentlich ganz gut. :smile:

  • @Sascha schrieb:
    @Johannes Vergleich mal die Empfindung mit Training. Das fühlt sich auch eher belastend an, ist aber eigentlich ganz gut. :smile:

    Ich meinte nicht das Gefühl in dem Moment. Im Nachhinein betrachtet habe ich zu viel Gewicht in den drei Tagen verloren.

  • bearbeitet 15. September

    @Johannes schrieb:

    @Sascha schrieb:
    @Johannes Vergleich mal die Empfindung mit Training. Das fühlt sich auch eher belastend an, ist aber eigentlich ganz gut. :smile:

    Ich meinte nicht das Gefühl in dem Moment. Im Nachhinein betrachtet habe ich zu viel Gewicht in den drei Tagen verloren.

    Wie lange hat es gedauert, bis das Gewicht wieder drauf war?

    (Ich kann bis zu fünf, sechs Kilo in einer Woche verlieren. Bei Krankheit habe ich auch mal gerne 8 pro Woche verloren).

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