Was soll man (beruflich) tun?

Hallo,
In letzter Zeit fällt mir besonders stark auf, dass viele junge Menschen (wenn nicht sogar der Großteil davon) sich nicht entscheiden können, welchen Weg sie beruflich einschlagen möchten. Es wird etwa eine Studienrichtung studiert und nach ein zwei Semester meinen die Menschen, dass dies nicht das "richtige für sie sei".
Auf Nachfrage wird dann oft angegeben, dass die Inhalte des Faches die jungen Leute nicht interessieren würde.
Persönlich habe ich den Eindruck, dass hierbei nicht nur die Interesse fehlt sondern auch grundlegende Fähigkeiten, welches als Student notwendig sind, um das Studium befriedigend zu meistern. Dazu gehört etwa die Fähigkeit effektiv zu lernen, Disziplin, das Setzen von Prioritäten, usw. usf.
Da die jungen Leute nun aufgrund dieser mangelnden Fähigkeiten in ihren Studienrichtungen nahezu kein Wissen vorweisen und sich dieses auch nicht aneignen können, empfinden sie deshalb dabei Langeweile und Desinteresse, da sie einfach nicht in der Lage sind sich die Inhalte überhaupt zu verstehen bzw. mit diesen geistig zu arbeiten.

Nichtsdestotrotz gibt es ja das Phänomen, dass bestimmte Menschen durchaus eine starke intrinsische Motivation gegenüber bestimmten Studiengängen oder Berufsrichtungen mitbringen. So meine ich mich etwa erinnern zu können, dass etwa Jocko Willink schon von klein auf unbedingt Soldat werden wollte und auch @Sascha scheint eine gewisse "Besessenheit" gegenüber Wissensarbeit mitzubringen.
Bei den Großteil der Menschen (auch bei mir) habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass diese eine hohe intrinsische Motivation gegenüber bestimmten Tätigkeiten besitzen würden.

Meine Fragen nun:

- Wie findet man heraus was man den Großteils seines Lebens beruflich machen soll/machen will?

Gilt es hier viele verschiedene Sachen auszuprobieren und sich dann letztendlich für eine zu entscheiden?
Doch an welchen Faktoren soll man sich orientieren? Interesse? Intrinsische Motivation? Geld? Die Bedürfnisse der Mitmenschen?

- Lässt sich durch Disziplin und Fleiß ein Handwerk (kann auch ein Studium sein) in eine "Bessenheit" (d.h extrem hohe intrinsische Motivation) umwandeln?

Mir erscheint es so als würde zu Beginn nahezu jede Ausbildung viel Disziplin und Anstrengung erfordern. Diese Phasen sind deshalb meist oft nicht angenehm (--> ein Wert an welchen sich viele dieser jungen Menschen zu orientieren scheinen).
Mir scheint hierbei, dass viele junge Menschen ein falsches Bild von Arbeit und dem Leben haben. Sie denken, dass irgendetwas falsch läuft, wenn man etwa bei bestimmten Tätigkeiten übermäßige Anstrengung ,Unsicherheit und möglicherweise auch mal Desinteresse empfindet.

- Sollte in einer Gesellschaft überhaupt jeder das machen was er will?

Ich kann mir etwa schwer vorstellen, dass jeder Gemeindearbeiter auch wirklich als Gemeindearbeiter arbeiten möchte. Dennoch ist es wichtig, dass diese Menschen diese Arbeit machen, damit das Leben überhaupt reibungslos funktionieren kann.

Mit freundlichen Grüßen

Kommentare

  • +1 für den Beitrag. Einige dieser Fragen treiben mich momentan auch herum und ich bin noch auf der Suche nach den Antworten für mich.
    Ich bin auf die Diskussion gespannt.

  • Ja, ist definitiv ein Problem der Moderne!
    Früher hat das Leben etwas von dir gefordert, heute fordern die meisten Leute vom Leben.
    Ich denke, dass auch die Eltern, welche die berufliche Ausbildung ihrer Kinder bis weit ins Erwachsenenalter finanzieren, hier zu wenig Druck auf ihre Sprösslinge machen sich auf etwas zu fixieren, weil sie ebenfalls Großteils der Meinung sind, man sollte das machen, was einen Spaß macht und interessiert.
    Dennoch habe ich, wie weiter oben bereits beschrieben, nicht den Eindruck, dass die meisten Menschen überhaupt so etwas wie eine Leidenschaft gegenüber bestimmten Dingen haben, welchen sie auch beruflich nachgehen könnten.
    Wie siehst du das? Auch wenn ich auf mein eigenes bisheriges Leben zurückblicke, so scheint mir ein Großteils meines Verhaltens durch extrinsische Motivation geleitet worden zu sein (z.B gute Noten, soziale Anerkennung durch sportliche Leistungen, etc.).

  • - Wie findet man heraus was man den Großteils seines Lebens beruflich machen soll/machen will?

    Ich antworte hier mal mit einem Link wo Leute dieser Frage nachgehen, die deutlicher schlauer sind als ich.
    https://80000hours.org/career-guide/ und dort insbesondere Part 1: What makes for a dream job? und Part 8: What’s the right career for you? (Tolle Seite, wie ich finde). Gibts auch als Videos oder Buch.

    Meine persönliche kurze Meinung:
    -Vieles ausprobieren wenn man noch jung ist (also viele Praktika, auch in den Schulferien)
    - individuelle Berufsberatung (z.B. bei der Agentur für Arbeit oder einem privaten Anbieter)
    -Sich anschauen, was Personen machen die einem von der Persönlichkeitsstruktur, Intelligenz etc. ähnlich sind und dann schauen ob die ihre Arbeit mögen und vor allem gut darin sind
    -Standardisierte Eignungsdiagnostik machen lassen um herauszufinden wo für man geeignet ist (da schickt einen dann oft die Agentur für Arbeit hin, wenn die teurere Weiterbildungen / Umschulungen finanzieren soll)
    -Auf die Passung von eigener Persönlichkeit, Intelligenz und Job achten, so dass man nicht dauerhaft überfordert und nicht unterfordert wird

    - Lässt sich durch Disziplin und Fleiß ein Handwerk (kann auch ein Studium sein) in eine "Bessenheit" (d.h extrem hohe intrinsische Motivation) umwandeln?

    Ja, dass denke ich schon. Oftmals weiß man über ein Feld so wenig, dass man erst nicht glaubt, dass einem das gefallen könnte. Je mehr dann weiß und je besser man wird, kann es zur ,,Bessenheit'' werden. Ist jetzt aber nur meine Meinung. Finde dazu passt das Buch von Cal Neport gut ,,So Good They Can't Ignore You: Why Skills Trump Passion in the Quest for Work You Love''. Ich glaube das hatte @Sascha auch mal in einigen Livestreams besprochen, wenn ich micht nicht täusche.

    - Sollte in einer Gesellschaft überhaupt jeder das machen was er will?

    Nein, denke ich nicht. Dann würden viele Menschen den Weg des geringsten Widerstands gehen und gesellschafts- und oder selbstschädigenden Tätigkeiten nachgehen.

  • @jkarl Vielen Dank für den Link! Werde ein paar Artikel davon demnächst etwas genauer durcharbeiten und eventuell hier davon berichten.

  • bearbeitet 2. Juni

    Ich beantworte die Fragen mal aus meiner persönlichen Erfahrung, vielleicht nützt dir das n+1 ja was.

    - Wie findet man heraus was man den Großteils seines Lebens beruflich machen soll/machen will?

    Meiner Meinung nach ist nicht die Zeit da, um viele verschiedene Sachen auszuprobieren. Sicher ist es gut, in 2-3 Sachen hineinzuschnuppern. Dadurch erhält man einen (exemplarischen) Eindruck davon, was wirklich Inhalt und Alltag dieser Beschäftigung ist. In den meisten Jobs steckt tatsächlich doch mehr öde Routine und langweilige Bürokratie, als uns in unseren naiven Vorstellungen bewusst ist.
    An welchen Faktoren sollen wir uns orientieren? An einer für uns geeigneten Mischung aus allen Faktoren. Nur nach Leidenschaft zu wählen, kann nach hinten losgehen. Genauso nur auf das Geld zu schauen. Du musst dir ganz ehrlich beantworten, wie wichtig dir die einzelnen Faktoren sind und das bei deiner Wahl berücksichtigen. Dann wählst du etwas und ziehst es durch. Dazu kommt mir Jordan Petersons Regel 7 aus seinem neuen Buch in den Sinn: "Work as hard as you possibly can on at least one thing and see what happens.". Dazu habe ich zwei entscheidende Erfahrungen gemacht: 1) Dinge werden umso interessanter, je tiefer ich darin einsteige und mehr ich darüber weiß. 2) Wenn du wirklich gut in etwas bist, musst du dir über den Rest keine Gedanken machen (siehe auch Cal Newport "So Good They Can't Ignore You").

    - Lässt sich durch Disziplin und Fleiß ein Handwerk (kann auch ein Studium sein) in eine "Bessenheit" (d.h extrem hohe intrinsische Motivation) umwandeln?

    Ja, bei mir war das der Fall. Ich bin allgemein eher der wenig enthusiastische Typ und dennoch hat das bei mir sehr deutlich funktioniert.

    - Sollte in einer Gesellschaft überhaupt jeder das machen was er will?

    Klingt unrealistisch. Wer weiß schon, was er wirklich will?

    Mit freundlichen Grüßen

    Mahlzeit.

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