Ernährung und Bewegung im Rythmus der Jahreszeiten

Hallöchen an alle Leser,

ich möchte mal in die Runde fragen, ob jemand von euch sein Ernährungs- und Bewegungsverhalten bewusst an die jeweilige Jahreszeit anpasst. Mir selbst ist jetzt im Sommer auch wieder aufgefallen, dass ich an warmen Tagen einfach keine Lust auf fettige Speisen habe, auch wenn ich mich mit Keto grundsätzlich gut fühle. Nach kurzer Recherche dazu bin ich auf diesen Artikel gestoßen:

https://sport-fuer-sachsen.de/sportnachrichten/detail/ernaehrungsweise-im-verlauf-der-jahreszeiten/

Dort wird erwähnt, dass laut einer Studie die Jarheszeit Einfluss auf über 4000 protein-kodierte Gene haben. Hier auch gleich der Link zu dieser Studie:

https://nature.com/articles/ncomms8000

Ich habe mir die Studie nicht angeschaut. Konkrete Empfehlungen werden dort nicht gegeben und offensichtlich merke ich ja selbst, dass die Jahreszeiten einen Einfluss ausüben. Meine Neugierde wurde dadurch aber nochmal verstärkt und ich möchte selbst testen, wie mein Körper reagiert, wenn ich meine Verhaltensweisen bewusst den Jahreszeiten anpasse.

Dazu muss ich jetzt erstmal herausbekommen, wie sich die Steinzeitmenschen in Abhängigkeit von den Jahreszeiten verhalten haben. Meine ersten Gedanken hierzu:

Ernährung
Bezüglich der pflanzlichen Nahrung brauche ich nur zu schauen, was der Saisonkalender alles so hergibt. Tiere fressen sich von Ende Sommer bis Ende Herbst ein Fettpölsterchen an und zehren von Anfang Winter bis Anfang Frühling davon. Im Frühling und Sommer können sie sich gut verstecken und sind aufgrund ihres geringen Fettanteils auch agiler. Die Brutzeiten der Vögel beginnen im Frühling und Enden zum Ende des Sommers.

Daraus ableitend ernährten sich die Steinzeitmenschen im Frühling und Sommer viel vegetarisch. Im Frühling dürfte die Jagd bereits öfters unerfolgreich verlaufen sein, während gleichzeitig ein nur kleines pflanzliches Angebot vorhanden war. Der Steinzeitmensch zehrt hier am meisten von seinen aufgebauten Reserven. Im Sommer ist das Angebot an Beeren und stärkehaltigem Gemüse größer und die Kalorienzufuhr hält sich mit dem Kalorienverbrauch in etwa die Waage. Über den Herbst ist das Angebot an Obst, Nüssen und stärkehaltigem Gemüse groß. Die Tiere haben bereits ein wenig zugelegt und die Möglichkeiten, sich zu verstecken, sinken. Im Verlaufe des Herbstes werden Reserven aufgebaut, da eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen möglich ist. Im Winter ist das pflanzliche Angebot klein und die Tiere sind fett. Es wird sich hauptsächlich von Fleisch ernährt.

Also nochmal zusammengefasst:

  • Frühling = hungern, von allem zu wenig
  • Sommer = kohlenhydratlastiger
  • Herbst = Wohlstandswampe aufbauen, von allem zu viel
  • Winter = sehr fettlastig

Bewegung
Vor allem bei diesem Teil bin ich mir sehr unsicher. Sind Steinzeitmenschen mehr gewandert, wenn sie abhängiger von pflanzlicher Nahrung waren? Die Quellen sind ja irgendwann erschöpft. Andererseits ist auf der Jagd ja auch ordentlich Weg zurückgelegt worden. Körperlich anstrengender dürfte dann aber doch die Jagd gewesen sein.

Mein vorzeitiger Plan schaut folgendermaßen aus. Pflanzlich gibt es das, was die jeweilige Saison in der Heimat hergibt. Im Frühling und Sommer sind Eier, Fisch und mageres Fleisch die Proteinlieferanten. Der Frühling ist die katabole Jahreszeit, in welcher ich mich unterkalorisch ernähre. Ab Herbst wird der Fettanteil nach und nach hochgeschraubt und somit an Gewicht zugelegt. Zum Winter hin sinkt der Kohlenhydratanteil, sodass ich dort die ketogene Ernährung fahren werde.
In Sachen Bewegung werde ich im Frühling und Sommer den Fokus mehr auf die Ausdauer mit langen Spaziergängen legen. Im Herbst und Winter liegt dieser mehr auf dem Muskelaufbau. Komplett vernachlässigt wird hier zu keiner Zeit etwas.
Mit dem Kältereiz werde ich auch arbeiten, indem ich leicht bekleidet spazieren gehe. Beginnen möchte ich mit dem Experiment im September.

Hat jemand von euch Erfahrungen diesbezüglich oder Informationsquellen für mich? Vor allem der Teil mit der Bewegung scheint mir nicht ausreichend durchdacht zu sein. Und wie sieht es eigentlich mit dem Kältereiz aus? Ist spazieren gehen mit leichten Klamotten mit dem Kältetraining in der Tonne vergleichbar, wenn die Dauer verlängert wird? Gibt es vielleicht auch noch ganz andere Faktoren, auf welche ich nach eurer Meinung auch achten sollte? Falls Interesse besteht, kann ich gerne einen life log aus dieser Geschichte machen.

Viele Grüße

Alex

Kommentare

  • bearbeitet 31. Juli

    @Alex fragte: Ist spazieren gehen mit leichten Klamotten mit dem Kältetraining in der Tonne vergleichbar, wenn die Dauer verlängert wird?

    Hier habe ich über Kältespaziergänge gelogt und bin am Ende auch im Bach baden gegangen. Sagen wir so: Nach meiner Erfahrung ist es vergleichbar, weil beides ein Kältereiz ist und die mentalen (und sicherlich auch körperlichen) Mechnismen ähnlich sind, aber das Kältebad ist ein massiv intensiverer Reiz. Vielleicht wie mit dem Unterschied zwischen Spazieren gehen und einem 400m Sprint. Irgendwie vergleichbar also schon, aber so wie ich deine Frage verstehe, besagt sie vielmehr: "Hat Spazieren mit leichten Klamotten - solange ich lange genug draußen bin - die gleichen Effekte wie ein Kältebad?" Und darauf würde ich "Nein" antworten. Ich bin aber gespannt, ob sich die erfahreneren Kältebader dazu noch melden. Bei mir geht's erst dieses Jahr so richtig los mit der Eistonne und dem Baden.

    Ansonsten, Alex, gerne immer her mit deinem Log. Ich werde ihn aufmerksam lesen.

  • bearbeitet 31. Juli

    Du schreibst von 'den Steinzeitmenschen'. Das ist ein Problem, da es eben nicht die einen Steinzeitmenschen gibt. Hinzu kommt noch, dass da sowieso viel Interpretation mitreinspielt, da niemand von uns vor 3 Millionen Jahren+ gelebt.

    Ich beschäftige mich jetzt schon ne ganze Weile mit den letzten verbleibenden indigenen Völker der Erde (sind echt nicht mehr viele und es werden immer weniger), da diese wahrscheinlich noch das Nächste sind, was man mit Jägern und Sammlern gleichsetzen kann.

    Beispiele:
    In Ecuador gibt es noch ein Jäger&Sammler Volk (Waorani) das von wenigen Personen erforscht wird. Dieses Volk meidet fast alle grüne Vegetation - vor allem Blätter und die Stängel von Pflanzen, weil sie über die Gifte und generellen Abwehrstoffe in Pflanzen bescheid wissen. Und das obwohl die buchstäblich im Urwald leben und es grüne Vegetation überall gibt. Die essen hauptsächlich Fleisch und Früchte. Die ratio ist ca. 55/45 tierisch zu pflanzlicher Nahrung nach GEWICHT. Also kalorienweise ist die Ratio noch heftiger Richtung tierischer Produkte. 500g Gramm Äpfel haben ca. 250kcal - 500g mageres Fleisch haben über 850 kcal. Fleisch wird roh gegessen.
    Und das ist ein indigenes Volk, welches am Äquator lebt. Die Vegetation dort ist ein Traum.

    Gehen wir in den Norden nach Sibirien: Dort gibt es ein indigenes Volk (Nenets) die sich quasi nur von tierischen Produkten ernähren.
    Hauptsächlich Rentierfleisch und Fisch wird dort verzehrt. Alles roh mit frischem warmen Blut.

    Gibt noch wenige andere echte indigenen Völker. Manche halten sich auch Milchvieh.

    Man muss von dem Gedanken wegkommen, dass unser Obst und Gemüse, dass man im Supermarkt kaufen kann, was mit echter Natur zu tun hat. Nichts davon ist natürlich und wächst so in der Natur. Nüsse sind auch eher ein Meme als ernsthafter Bestandteil der Ernährung von indigenen Völkern.

    Aber meiner Meinung nach lohnt es sich nicht nur indigene Völker anzuschauen. Man kann auch einfach schauen, wie sich die Urgroßmütter und Urgroßväter (und die Generationen davor) ernährt haben.
    Das Video hier von Weston Price gibt einen guten Einblick. Der Typ war Zahnarzt und wollte der Degeneration von Zähnen in der westlichen Welt auf den Grund gehen. Er bereiste deshalb die Welt und suchte anschauliche Beispiele von Generationen, die den westlichen Ernährungsstil adaptiert haben und verglich diese mit der vorhergehenden Generation.

  • Danke für eure Kommentare, Johannes und Dogmeat.

    @Johannes: Dann werde ich wohl, anstatt kalt zu duschen, morgens in den See hüpfen. Mich stört ein bisschen daran, dass es wesentlich mehr Zeit kostet, als zwischendurch auf den Wegen, die ich sowieso zurückgelegt hätte, mit kurzen Sachen unterwegs zu sein. Andererseits ist der Reiz vielleicht doch ausreichend, um dem Körper zu signalisieren, dass jetzt Herbst/Winter angesagt ist. Mal schauen, ob es mich in anderen Bereichen zu stark ausbremst aufgrund des Zeitverbrauchs. An dieser Stelle habe ich auch gleich die nächste Frage: Wenn ich im See mein Kältetraining durchziehe, sollte eine zweite Person mitkommen? Das habe ich irgendwo mal aufgeschnappt, ich glaube sogar mehrere Male. Aber eigentlich müsste es doch alleine auch gehen. Vorrausgesetzt, die Selbsteinschätzung stimmt.

    @Dogmeat: Da hast du natürlich Recht und des Problems bin/war ich mir durchaus bewusst. Das sich die Ernährungsweise über das Jahr geändert hat scheint mir erstmal grundsätzlich wahrscheinlich. Wenn ich in diese Richtung jetzt ein Experiment starten möchte, muss ich gewisse Gegebenheiten annehmen. Die indigenen Völker, die du angesprochen hast, stellen erstmal einen guten Anhaltspunkt dar. Besser wäre es natürlich, wenn das indigene Volk in einer Umgebung mit ähnlicher Flora und Fauna lebt. Da schaue ich nochmal nach. Was die Ratio von tierischer zu pflanzlicher Nahrung anbelangt, wollte ich jetzt nicht zum Highcarber mutieren. Mit den Kohlenhydraten hatte ich vor bis 150g zu gehen und damit noch Lowcarb zu sein. Das Protein bleibt relativ gleich und das Fett wird gesenkt. Ich ernähre mich unterkalorisch, sodass ich im Vergleich zum Winter nur noch die Hälfte an Fett zu mir nehme. Und in dem Fall ist meine Ratio mit deinem Beispiel vergleichbar. Die maßgeblichen Faktoren sind also eigentlich das Fett und die Kalorienzufuhr. Vielleicht ist da etwas nicht gut rübergekommen von meiner Seite aus.

    Zum Schluss noch ein paar Gedanken von mir. Auslöser dieser Idee war die Erkenntnis, dass sich mein Verlangen nach gewissen Lebensmitteln in Abhängigkeit vom Wetter ändert. Bisher habe ich meine Ernährungs- und Bewegungsverhalten über das gesamte Jahr ziemlich konstant gehalten. Ich erhoffe mir durch die Änderung meine Leistungsfähigkeit zu verbessern. Aber was genau meine ich mit Leistungsfähigkeit? Wenn ich die Kalorien zum Frühling hin senke, wird meine körperliche Leistungsfähigkeit definitiv sinken. Es geht mir eigentlich darum, meine Mission, die Aufgabe, der ich mein Leben widme, optimal verfolgen zu können. Ist das eigentlich noch der Fall, wenn ich im Herbst/Winter anfange so viel zu essen? Irgendwie ist doch alles sehr wage. Lust habe ich aber trotzdem weiterhin. Vielleicht gibt es ja spannende Erkenntnisse. Und abgesehen davon, gefällt mir auch irgendwie die Vorstellung einen Jahresrythmus ins Leben zu integrieren. Dann hat man Abwechslung und immer etwas, worauf man sich freuen kann.

    Des Weiteren: Wie bewerte ich die Ergebnisse des Experiments? Wahrscheinlich über meinen Gemütszustand. Auf den üben zwar viele Faktoren Einfluss aus, aber über einen längeren Zeitraum gemittelt sollte dieser aussagekäftig genug sein.

    Über weitere Kommentare zum Vorhaben freue ich mich.

  • bearbeitet 2. August

    @Alex schrieb:

    @Johannes: Dann werde ich wohl, anstatt kalt zu duschen, morgens in den See hüpfen. Mich stört ein bisschen daran, dass es wesentlich mehr Zeit kostet, als zwischendurch auf den Wegen, die ich sowieso zurückgelegt hätte, mit kurzen Sachen unterwegs zu sein. Andererseits ist der Reiz vielleicht doch ausreichend, um dem Körper zu signalisieren, dass jetzt Herbst/Winter angesagt ist. Mal schauen, ob es mich in anderen Bereichen zu stark ausbremst aufgrund des Zeitverbrauchs. An dieser Stelle habe ich auch gleich die nächste Frage: Wenn ich im See mein Kältetraining durchziehe, sollte eine zweite Person mitkommen? Das habe ich irgendwo mal aufgeschnappt, ich glaube sogar mehrere Male. Aber eigentlich müsste es doch alleine auch gehen. Vorrausgesetzt, die Selbsteinschätzung stimmt.
    ....

    Des Weiteren: Wie bewerte ich die Ergebnisse des Experiments? Wahrscheinlich über meinen Gemütszustand. Auf den üben zwar viele Faktoren Einfluss aus, aber über einen längeren Zeitraum gemittelt sollte dieser aussagekäftig genug sein.

    Über weitere Kommentare zum Vorhaben freue ich mich.

    Unter dem Link findest du ein paar Anregungen wie du messen könntest. Ich hatte mal einen Beitrag zum Thema Monitoring & Tagebuch gepostet.
    https://forum.me-improved.de/discussion/192/was-monitore-ich-wie-viel-und-warum#latest
    Also bei denen die eine Möglichkeit haben eine Kältetonne zuzulegen ist das anscheinend "the way to go" wenn man eine gewisse Kältetoleranz aufgebaut hat (meine Beobachtung der Leute im Forum hier).
    In der Tonne würdest du zumindestens nicht absaufen :smiley: .

  • Hallo,

    ernähre mich schon seit ein paar Jahren relativ saisonal, heißt Jahreszeitenabhängig. Habe einfach aufgehört Nahrungsmittel aus dem Ausland zu konsumieren ausgenommen Fisch, prinzipiell geht es da eher um Gemüse und Obst. Fleisch gibt es ja von hier, also aus der Region, ebenso manchen Fisch. Es ist nicht eine reine Verstandessache, es sollte ja eigentlich logisch und ökologisch erscheinen recht regional zu essen. Saisonal bedeutet dann eben, dass es im Winter wenig Gemüse und dann meist Kohl, eingemachtes und Lauch gibt.
    Stark merke ich das Bedürfnis leichter zu essen im Sommer, da esse ich tagsüber oft gar nix oder nur Beeren und erst abends dann etwas mehr, aber ich nehme vom Frühjahr zum Hochsommer meist viel ab, am schwersten bin ich ende des Herbstes/ Anfang Winter.
    Wenn man bei der Ernährung nur auf sein Gefühl hört pendelt sich das eigentlich von allein ein, vorausgesetzt man ist vorher quasi "clean", also Zuckerfrei z.B., da das ja genaugenommen abhängig macht und man kein natürliches Hungerbedürfnis mehr hat.
    Was die Makronährstoffe angeht bleibt mein Protein relativ konstant, im späten Sommer dürfte es fast schon HighCarb sein im Winter dagegen ketogen. Mache da aber keine Wissenschaft draus, solange es mir gut geht und meine Leistung stimmt wird das schon passen denke ich.
    Auch die Zubereitungsform ändert sich etwas, im Winter mache ich mir oft sehr fleischlastige Eintöpfe, im Frühjahr esse ich viel Wildkräuter oft roh oder als Suppe und ebenfalls recht viel Fleisch aber vorallem Fisch, Sommer gibt es extrem viele Beeren, Fisch, Milchprodukte, Fleisch und Gemüse was es halt gerade gibt also aktuell Tomaten, Paprika, auch gerne roh alles. Im Herbst ist dann viel Stärke dabei Kürbis, Kartoffeln, Äpfel, Birnen, im Prinzip wird da richtig geschlemmt und schwer gegessen und es fühlt sich einfach gut an.
    Stetige Konstante ist eigentlich, das mein Fleischanteil recht hoch ist, im Sommer am niedrigsten, aber immernoch schätzungsweise 50% (von der Masse nicht den Kalorien).
    Viele kleinere Bauern schlachten auch vornehmlich im Herbst und Winter, nicht im Sommer. Und das Vieh ist auch viel fetter im Herbst als im Sommer.

    Was Bewegung angeht: Hier ist es nicht so eindeutig, aber meine Krafttrainingsphasen fallen merklich oft in den Herbst. Ausdauer eher ins Frühjahr. Im Sommer mache ich gerne einfach das worauf ich Lust habe, viele Zirkel, viel Explosivkraft, eher Körpergewichtsübungen. Vielleicht ist es Zufall, aber vielleicht auch einfach so kongruent mit meinem Bedürfnis.

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