Absoluter Filmtipp: Der Schacht

Kommentare

  • ENTHÄLT SPOILER

    Gestern gesehen. Mit eingebautem Blaulichtfilter, schöne Sache! :D Ist sicher eine nette Idee, mir kamen an vielen Stellen Gedanken zu Interpretationsansätzen. Wer ist die Verwaltung? Eigentlich niemand, spielt keine wirkliche Rolle - vielleicht der Zufall selbst, die Welt und das, was wir durch sie erhalten. Oder es sind die Unbewussten, also die, verkörpert durch die Frau mit Hund, die gar nicht wissen, dass es da draußen Leute gibt, denen ein Haar in der Nachspeise herzlich egal ist oder dass es Menschen gibt, die es wissen und böswillig mit einem Lächeln akzeptieren. Mit dem an sie gerichteten "Symbol" und der Tatsache, dass es die Verwaltung ist, die das Essen bereitstellt, kommt diese Metapher aber wohl an ihr Ende. Die Verwaltung wird so eher zu etwas Göttlichem.
    Es sei denn, man betrachtet den Schacht nicht als Teil unseres westlichen Systems, sondern vollständig als 3. Welt. Unterstützt wird dieser Ansatz dadurch, dass es außer dem Essen nichts gibt, was relevant wäre. Die Verwaltung wäre so der gönnerhafte Moralapostel, verkörpert durch die Frau, der den Afrikanern etwas Kleidung, Essen, Trinkwasser und Ähnliches gibt, sich selbst entgegen den eigenen Predigten aber nur nach Lust und Laune einschränkt; musste bei der Frau ständig an irgendwelche Promis denken, die sich in afrikanischen Dörfern mit armen Kindern fotografieren lassen. Letzten Endes ist es aber die Verwaltung, die das System "Schacht" überhaupt erst geschaffen hat. Die Oberen haben einfach das Glück, etwas besser dazustehen; trotzdem ist um sie herum das Leid und die Armut sowie die Angst vor dem Ende dieses Lichtblicks.
    Noch ein paar lose Gedanken, weil ich zum Ende kommen muss...
    Der Symbolcharakter - wenn die 1. Welt sieht, wie ein Kind angespült wird, ändert sich plötzlich alles, obwohl nichts wirklich Neues passiert ist; offen bleibt, ob sich diese Veränderung nur in einem kurzen Aufschrei und einigen Neubesetzungen innerhalb der Verwaltung äußert, ob diese den Insassen ein paar Zugeständnisse macht oder ob sie das ganze System tatsächlich überdenken.
    Das Buch, das der Protagonist mitgenommen hat, wird schließlich von ihm gegessen; hier lohnt es sich wohl, die Maslowsche Bedürfnispyramide anzulegen - genau wie auch bei den oberen Ebenen mit ihrem scheinbaren Reichtum; letzten Endes geht es nur um das Überleben und das wars, bei den einen mehr, bei den anderen weniger, mehr ist da nicht.
    Was ich auch interessant fand: das Essen reicht de Facto nicht. Es ist bei Weitem nicht genug.
    Aber es geht nicht nur um Essen - warum nicht das Festmahl als intakte Umwelt betrachten und die unteren Ebenen als die nachfolgenden Generationen?

    Anmerkung: Ich denke nicht, dass irgendwer plötzlich zum Öko-Hippie wird, weil er den Film gesehen hat. Und ich habe mir gestern durch das Anschauen den Nachmittag verhagelt, weil allein schon durch die Stimmung eine miese Laune hervorgerufen wird; habe Stunden gebraucht, um wieder in die Realität zurückzufinden - war jedenfalls erstmal wieder mein letzter Thriller, Horror-, Psychofilm...

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