Neigung und Fähigkeit in Persönlichkeits- und Temperamentarbeit | ME Improved

bearbeitet 15. Juni in Projekt: ME-Improved

Neigung und Fähigkeit in Persönlichkeits- und Temperamentarbeit | ME Improved

Eine schwierige Unterscheidung bei der Analyse von und der Arbeit mit der Persönlichkeit und dem Temperament liegt zwischen der Neigung und der Fähigkeit.

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Kommentare

  • Was verstehst du unter Schmerzarbeit?

  • bearbeitet 16. Juni

    Ein Beispiel aus meinem Zettelkasten:

    (Uneditiert, ungefiltert, Teil des Manuskripts für Selbstentwicklung)

    201807221130 Entschuldigung als Schmerzarbeit
    #Schmerzarbeit #Entschuldigung

    Schmerzarbeit ist Selbsterkenntnis mit Skin in the Game.[[201804110905]] Das heißt, dass man Kosten in den Selbsterkenntnisprozess einbaut, wenn er schief geht. Es muss weh tun, wenn man sich selbst belügt.

    Eine Entschuldigung tut weh. Aber sich zu entschuldigen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, mit Skin in the Game anderen Menschen zu begegnen. Was bleibt, wenn wir uns nicht entschuldigen? Wir finden ausreden. Wir beharren auf unseren Gründen. Wir geben dem anderen Recht, nur um der Situation entfliehen zu können. Wir fühlen uns weiterhin schlecht, doch wir haben nicht das getan, was wir tun müssen.

    Das Wesen der Entschuldigung steckt in ihrem Wortlaut. Wir Entschuldigen uns. Doch wir können nicht einfach die Schuld auflösen.

    Stell dir vor, dass durch eine unrechte Tat deine Lebenswelt sich im Gleichgewicht halten muss. Deiner unrechten Tat wird deine Schuld gegenüber gestellt. Sie halten sich die Waage. Deine Schuld hat genau das Gewicht der unrechten Tat, die du hervorgebracht hast. Willst du deine Welt im Gleichgewicht halten, musst du sie durch etwas ersetzen: Durch Verantwortung.

    Deswegen tut eine Entschuldigung weh und deswegen vermeiden so viele Menschen, diese einfachen Worte. Es gibt zu viele Menschen, die den Schmerz scheuen. Es sind Hedonisten. Kinder, die natürlichen Hedonisten, die zwingen wir sich zu entschuldigen. Tief in unserer Seele wissen wir um die Wichtigkeit der Entschuldigung, denn unsere Seele weiß, dass Unrecht nur dann im Schach gehalten wird, wenn es genügend Verantwortung in der Welt gibt, die dem entgegen steht.

    Das spiegelt sich unmittelbar in unserem Alltag wieder. Kinder, die sich nie entschuldigen müssen, die nie für etwas gerade stehen, tanzen ihren Eltern auf der Nase herum. Sie werden Bullies, werden die verzogenen Einzelkinder, deren Ego zur Götze geworden ist, die sie zum Rest ihres Lebens anbeten.

    Doch es spiegelt sich auch in brutalen und egomanischen Eltern wieder: Wo es Gerechtigkeit gibt, da gibt es Sadismus.[[201504081126]] Wo Egomanie und Macht aufeinandertreffen, wird Gerechtigkeit zur Waffe, zur Ausrede, zur Axt in der Hand eines Henkers, der beginnt seine tödliche Arbeit zu lieben.

    Manche Eltern zwingen ihre Kinder sich zu entschuldigen, weil sie glauben, dass sie so ihre Kinder psychisch bestrafen können. In den sozialen Medien gehen Mobs auf Streife wie die Hyänen -- hungrig nach dem sadistischen Machtgefühl, wenn sie eine Entschuldigung für irgendeine Äußerung verlangen können.

    David Goggins

  • @Sascha schrieb:
    Das Wesen der Entschuldigung steckt in ihrem Wortlaut. Wir Entschuldigen uns. Doch wir können nicht einfach die Schuld auflösen.

    Interessant ist in dem Kontext, dass "sich entschuldigen" eine sehr moderne Verwendung des Ausdrucks ist.
    Früher hat man nur um Entschuldigung gebeten.
    "Würden Sie mich bitte entschuldigen?" / "Entschuldige bitte." / "Ich bitte um Verzeihung."

  • Und früher konnte man das nicht im gewöhnlichen Text verwenden?

  • Ich wollte damit sagen, dass sprachlich der selbst-Bezug recht neu ist: das sich-selber-Entschuldigen. Früher wurde diese Verwendung als falsch angesehen, während es heute soviele Leute falsch machen, dass es als korrekt gilt.

    Gut auf den Punkt gebracht ist das in Kürze hier.
    Der Autor schreibt - wie du - dass die Schuld nicht aufgelöst werden kann.
    Daraus folgert er:

    Inhaltlich stellt also die Bitte um Entschuldigung im Grunde eine Bitte um Verzeihung dar, womit die Bitte um Wiederherstellung des sozialen Gefüges, Nachsicht und den Verzicht auf Rache und Vergeltung gemeint ist.

    Bei dieser Bitte um Verzeihung/Nachsicht/etc. ist ja zwangsweise immer eine andere Partei involviert, der man durch die Bitte eine gewisse Macht über einen selbst einräumt. Daher kommt auch das unangenehme Gefühl. Man unterwirft sich dem Urteil eines anderen, liefert sich aus.
    Wenn man "entschuldigen" reflexiv verwendet, unterschlägt man diesen sehr wichtigen Aspekt.

  • Ich wollte damit sagen, dass sprachlich der selbst-Bezug recht neu ist: das sich-selber-Entschuldigen. Früher wurde diese Verwendung als falsch angesehen, während es heute soviele Leute falsch machen, dass es als korrekt gilt.

    Naja, das ist eine etymologische Aussage. Der Erlinger gibt selbst im Artikel keinerlei gute Gründe für seine Meinung, sondern präsentiert nur die Meinung an sich. Es gibt einen Klassiker meines Vaters, den er immer gebracht hat, als meine Tante ihn mal platt gemacht hat:

    In Babybrei ist kein Baby drin.

    Es ging um das Verhältnis von Sprache und Realität: Was kann man eigentlich aus Begriffen schließen. Mein Vater hat behauptet, irgendwas läge ja schon im Begriff. Da hatte meine Tante recht. Das Verhältnis von Begriff und Realität ist schon etwas schwieriger.

    Ebenso begeht Erlinger einen Fehler, der auch bei Precht tausendfach vorkommt:

    Moralphilosophisch unterscheidet man zwischen göttlicher Vergebung und zwischenmenschlicher Verzeihung.

    Nein! Moralphilosophie hat sicherlich nicht diese beiden Konzepte in Bezug auf eine Entschuldigung. Und wenn ich hier eine weitere schreibe, ist das dann keine Moralphilosophie?

    Etymologisch ist ein weglassen von Stellen dependenzgrammatisch (Wenn man Dependenzgrammatik als Modell verwendet) sehr häufig, weil bestimmte Teile impliziert sind, wenn sie immer vorkommen. Das heißt, dass die Unterschlagung, die Erlinger behauptet, nicht nur falsch sein kann, sondern sogar das Gegenteil der Fall: Das, was fehlt, wird nicht unterschlagen, sondern garantiert impliziert und für selbstverständlich angenommen.

  • Ergänzung: Der Erlinger sollte eigentlich eigentlich mitberücksichtigen, weil es grundlegende ontologische Positionen sind:

    1. Die sprachkonstruktivistische Grundhaltung: Die Strukturen des Seins werden durch sprachliche Kategorien konstruiert. (Man wirft gewissermaßen die begrifflichen Kategorien in die Welt und was hängen bleibt, versteht man)
    2. Die realistische Grundhaltung: Die Strukturen des Seins schlagen sich in den Strukturen unserer Sprache nieder und in der Untersuchung unserer sprachlichen Konstruktion finden wir Erkenntnis über das Sein, wie es ist.

    Übertragen auf das Beispiel: Der Sprachgebrauch könnte nur korrekt abbilden, was das tatsächliche Verhalten ist. Änderung am Sprachgebrauch wäre dann nicht nur nicht geboten, sondenr wäre geradezu Heuchelei.

  • Verstehe. Laut Dependenzgrammatik ist also implizit alles an Bedeutung vorhanden, egal wie sehr der Ausdruck um seine immer vorkommenden Teile verkürzt wird.

    Allerdings haben wir es hier ja nicht mit einem einfachen Weglassen zu tun, sondern mit dem Austausch des Bezugspunktes. Das findet explizit statt (von "jemanden um Entschuldigung bitten" zu "sich entschuldigen").
    Diesen Umstand kann man nur beiseite wischen, wenn man konsequent die realistische Grundhaltung einnimmt - nach der sich durch diese sprachliche Neuausrichtung an den Strukturen des Seins nichts ändert.

    Wenn man aber kein 100% gefestigter Vertreter dieser realistischen Grundhaltung ist, dann ist es die risikoärmere Variante, den Ausdruck konsequent in seiner älteren, unveränderten Form zu nutzen.
    Ich gehe ja in diesem Fall zumindest von der Möglichkeit aus, dass sprachliche Kategorien durchaus einen Einfluss auf die Strukturen des Seins haben könnten.
    Der Vorteil, den ich mir von der Nutzung der verkürzten/veränderten Form des Ausdrucks erkaufe, ist lediglich sprachliche Bequemlichkeit.
    Der Nachteil ist die Möglichkeit der durch die Verzerrung der Bedeutung eventuell entstehenden schädlichen Folgen für mich und meine Mitmenschen.

    Übertragen auf das Beispiel: Der Sprachgebrauch könnte nur korrekt abbilden, was das tatsächliche Verhalten ist. Änderung am Sprachgebrauch wäre dann nicht nur nicht geboten, sondenr wäre geradezu Heuchelei.

    Wo zieht man dann die Grenze zwischen heuchlerischem Eingriff in den Sprachgebrauch und Korrektur von Fehlern? Gibt es unter dieser Annahme überhaupt Fehler im Sprachgebrauch, wenn dieser doch nur korrekt abbilden kann, was das tatsächliche Verhalten ist?

  • @Balivo schrieb:
    Verstehe. Laut Dependenzgrammatik ist also implizit alles an Bedeutung vorhanden, egal wie sehr der Ausdruck um seine immer vorkommenden Teile verkürzt wird.

    Nein. Es kommt nur häufig in der Form zu Verkürzungen. Keine Strohmänner hier. :smile:

    Allerdings haben wir es hier ja nicht mit einem einfachen Weglassen zu tun, sondern mit dem Austausch des Bezugspunktes. Das findet explizit statt (von "jemanden um Entschuldigung bitten" zu "sich entschuldigen").

    Es heißt vollständig "sich bei jemanden entschuldigen." Es gibt immer zwei Stellen.

    Diesen Umstand kann man nur beiseite wischen, wenn man konsequent die realistische Grundhaltung einnimmt - nach der sich durch diese sprachliche Neuausrichtung an den Strukturen des Seins nichts ändert.

    Wenn man aber kein 100% gefestigter Vertreter dieser realistischen Grundhaltung ist, dann ist es die risikoärmere Variante, den Ausdruck konsequent in seiner älteren, unveränderten Form zu nutzen.
    Ich gehe ja in diesem Fall zumindest von der Möglichkeit aus, dass sprachliche Kategorien durchaus einen Einfluss auf die Strukturen des Seins haben könnten.
    Der Vorteil, den ich mir von der Nutzung der verkürzten/veränderten Form des Ausdrucks erkaufe, ist lediglich sprachliche Bequemlichkeit.
    Der Nachteil ist die Möglichkeit der durch die Verzerrung der Bedeutung eventuell entstehenden schädlichen Folgen für mich und meine Mitmenschen.

    Übertragen auf das Beispiel: Der Sprachgebrauch könnte nur korrekt abbilden, was das tatsächliche Verhalten ist. Änderung am Sprachgebrauch wäre dann nicht nur nicht geboten, sondenr wäre geradezu Heuchelei.

    Wo zieht man dann die Grenze zwischen heuchlerischem Eingriff in den Sprachgebrauch und Korrektur von Fehlern? Gibt es unter dieser Annahme überhaupt Fehler im Sprachgebrauch, wenn dieser doch nur korrekt abbilden kann, was das tatsächliche Verhalten ist?

    Ich habe jetzt bei diesem Sprachgewerkel mitgemacht, weil der Erlinger handwerklich schon sehr schlampig ist. (Der ist schließlich nicht einfach nur irgendein Jupp, sondern publiziert und versucht öffentlich Meinung zu beeinflussen. Da muss man schon etwas sorgfältiger sein).

    Aber schlussendlich ist das keine theoretische Frage, die man theoretisch ausdiskutieren will, sondern eine empirisch-sachliche: Was machen die Leute tatsächlich? Will man das soziologisch untersuchen, sollte man Feldforschung betreiben und Experimente machen. Will man sich selbst verbessern, sollte man entsprechend handeln. Eine Entschuldigung ist ein öffentliches Eingeständnis von Schuld mit anschließendem Ändern des Verhaltens. Der Wortlaut kann ja ruhig ganz unterschiedlich sein. Wichtig ist, was man tut. Nicht, was man sagt.

  • Will man sich selbst verbessern, sollte man entsprechend handeln. Eine Entschuldigung ist ein öffentliches Eingeständnis von Schuld mit anschließendem Ändern des Verhaltens. Der Wortlaut kann ja ruhig ganz unterschiedlich sein. Wichtig ist, was man tut. Nicht, was man sagt.

    Recht hast du! Als normaler Jupp lässt man sich von diesem Sprachgewerkel zu oft verwirren.

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