Körpergeruch

Im letzten Sommer habe ich für etwa vier Monate kein Deo benutzt. Ich wollte damit meine Berührungspunkte mit Chemikalien reduzieren. Nach etwa 5 Tagen ohne Antitranspirant haben meine Achseln nach der Arbeit auf dem Bau wieder nach Schweiß gerochen. Nach etwa einer Woche ist mein Körpergeruch zurückgekehrt. Ich hatte vergessen, wie ich eigentlich rieche (1). Es war erst komisch, aber nicht wirklich eklig, sondern verboten. Körpergeruch ist tabuisierst. Doch ich nahm das nicht eklig wahr. Mich wieder zu riechen... das war animalisch. Ich hätte ich darin suhlen können. Und ich habe mich danach gesehnt, auch den echten Körpergeruch anderer zu riechen. Den von Männern auf der Arbeit, und ganz besonders den von Frauen.

Ich benutze aufgrund einer veränderten sozialen Situation wieder Deo. Aber seit dem denke ich darüber nach. Mir ist inzwischen wieder eingefallen, dass Prof. Dr. Ursula Stockhorst in einem Seminar mal erwähnt hat, dass das Pheromon-System des Menschen in seiner Relevanz vielleicht unterschätzt wird. Als Beispiel zitierte sie eine Studie, in der sich die Periode von Frauen, die in einer WG wohnten, mit der Zeit anglich. Und eine, in der Männer "spüren" konnten, ob eine Frau empfängnisbereit war (2). Meine Forschung zu Licht, Temperatur und anderen Taktgebern und Umwelteinflüssen hat mich überzeugt, dass diese Systeme sensibler sind, als wir vermuten.

Was macht es mit uns, dass wir unseren Geruch tabuisieren und deshalb neutralisieren? Sei es durch häufiges duschen oder Duftstoffe. Könnte es zum Beispiel einen Zusammenhang mit dem zurückgehenden Interesse an Sex geben (3)? Zu welchen Konsequenzen könnte das noch führen?

Habt ihr darüber schonmal nachgedacht? Erfahrungen gemacht, die ihr teilen wollt? Studien oder gute Artikel gelesen?



  1. In meiner Jugend haben wir meist nur so oberflächliche Deos genutzt, die nach ein bisschen Bewegung schon den Dienst versagt haben. Die Deos heute sind dagegen wirklich krass. ↩︎

  2. Leider fehlt mir auch hier die Literaturangabe. Wenn ich mich richtig erinnere, sollten bei dieser Studie Männer aus X aufgereihten Frauen eine Sexualpartnerin für ein One Night Stand wählen und unabhängig von deren Attraktivität häufiger die Frauen ausgewählt, die in ihrem Zyklus an den fruchtbaren Tagen waren. Als hätten sie es "riechen" können. ↩︎

  3. Zum Beispiel: sekkusu shinai shōkōgun (engl. Celibacy syndrome) in Japan. Betrifft aber wohl auch die USA und andere Staaten. ↩︎

Kommentare

  • Dazu möchte ich mich dann doch mal äußern. Ich leide seit etwa 10 Jahren unter vermehrtem Schwitzen unter den Achseln - ein anständiges Antitranspirant (das im Geruch neutral sein dürfte) hilft da nur geringfügig. Heißt: Mein Geruch liegt mir dauernd in der Nase. Und ich finde es eklig. Mein Vater hat übrigens das selbe Problem; der ist über den Tag auch lange Zeit auf dem Bau gewesen und hat sich dann meistens erst vor dem Zubettgehen wieder zum Duschen aufgerafft - der Geruch ist mir nie negativ aufgefallen. Meine These: Zum einen gibt es sicherlich diese unbewusste Wahrnehmung eines passenden Partners, sexualer Bereitschaft im allgemeinen, Angst bei Gruppenmitgliedern etc. Aber wie jede Information, die wir so aufnehmen, kann auch der Geruch erstmal eine direkte, relativ bewusste Assoziation hervorrufen. Der gehört zur Gruppe, alles gut. Den habe ich noch nie gerochen, ein Fremder. Hier ein Beispiel aus meiner Schulzeit: Für gewöhnlich kommt die Klasse während des Schulsport nicht ins Schwitzen, so zumindest meine Erfahrung. In der Oberstufe hatten wir Kämpfen mit dem Schwerpunkt Bodenkampf. Hier wurde geschwitzt und es wurde gerochen, beides nicht zu knapp. Das Besondere dabei war, dass ein Großteil des Kurses aus dem höheren Jahrgang kam, mit denen ich sonst nichts am Hut hatte. Auch ging es hier um eine Kampfsimulation. Die Gerüche empfand ich tatsächlich als sehr befremdlich, ich habe eine vorsichtigere Haltung eingenommen. Aber es war nicht eklig! Mit der Zeit lernte man sich kennen, der Geruch war einem vertraut und ich habe mich in der Gruppe wohlgefühlt. Insofern denke ich, auf mehr oder weniger bewussten Ebene sagt uns der Geruch nur, wer einem hier gegenüber steht und unser Gehirn knüpft eben an unsere Erfahrungen mit dieser Person an. Mich belastet mein Geruch häufig, deshalb kann ich mich "schlecht riechen". Es gibt aber nicht den einen schlechten oder den einen guten Geruch; genauso wenig ist ein aufdringlicher, unangenehmer Geruch gleichzeitig auch eklig.
    Zum Thema Bedeutung für die Gesellschaft: Viele Menschen wollen dieses Maß an Intimität mit Fremden nicht. Mir war dieser Reichtum an fremden Gerüchen beim Sport unangenehm. Es ist wahrscheinlich zu viel verlangt, in der Moderne nicht nur ständig neuen Menschen zu begegnen bzw. auch noch dauernd mit Leuten zutun zu haben, die wir nicht leiden können UND diese zusätzlich noch riechen zu müssen. Und ja, ich glaube auch, dass wenn wir jemanden riechen und eine feindliche Haltung gegenüber generellen Körpergeruch haben, also verurteilen, dass andere uns damit potenziell belasten, dann duftet es nicht, es stinkt. Frauen z.B. schwitzen weniger - um so mehr werden sie verurteilt, wenn sie es außerhalb eines sportlichen Kontextes doch tun. Im Hochsommer der letzten Jahre hat mich an öffentlichen Verkehrsmitteln eigentlich nur gestört, dass alles so klebrig war; der Geruch war weniger das Problem - denn das konnte ich bei solchen Temperaturen ja schlecht verurteilen. Das Arbeiten als Tischler bei 35°C war unproblematisch, innerhalb der Belegschaft wie auch gegenüber dem Kunden, wenn man zusätzlich gerade auch noch seinen neuen Kleiderschrank ins nächste Stockwerk befördert hat. Aber wehe, der Typ mit den Rastalocken in 5m Entfernung gibt im Winter irgendeinen Geruch ab! Apropos Hippie: Marihuana stinkt für manche ganz entsetzlich, für andere ist es eine olfaktorische Wohltat...

  • Habe mir darüber auch schon öfters Gedanken gemacht und ich denke, bei diesem Thema tritt das moderne gestörte Verhältnis zum eigenen Körper in reiner Form hervor.
    Auffallend bei diesem Eigengeruchvermeidungswahn ist nämlich seine Totalität in der Umsetzung. Eigengeruch wird komplett verhindert und ersetzt durch künstliche Gerüche, die man so intensiv sonst selten bis nie wahrnehmen würde (eine Art Geruchsporno). Also kein Betonen von positiven und Kaschieren von negativen Eigenheiten (wie z.B. beim Schminken), sondern 'tabula rasa' und eine komplett künstliche neue Geruchsidentität.
    Dementsprechend enttäuschend finde ich es auch, wenn andere Menschen nur künstlich riechen. Bei Alltagsbegegnungen ist das noch in Ordnung (aber schade). Freunde hingegegen verwehren mir dadurch ja gewissermaßen einen Teil ihrer selbst. Am gravierendsten ist das wohl beim Zusammentreffen der Geschlechter, wie du ja auch schon schreibst.

    Analog zu den sonstigen Verschmutzungen (Luft, Licht, etc.) gibt es ganz allgemein auch eine Art Geruchsverschmutzung, die uns daran hindert, mit einem gut eingestellten Geruchssinn durchs Leben zu gehen (kann man bei den Geruchskeulen, mit denen man täglich erschlagen wird, überhaupt eine feine Nase entwickeln?).

    Ich selber benutze u.a. aus diesen Gründen weder Deo, Parfum noch Duschkram und habe damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht.
    Hast du "präventiv" wieder angefangen, Deo zu benutzen, oder hast du (jemals?) handfeste negative Rückmeldung zu deinem Körpergeruch bekommen?

    Interesant wäre es, seit wann eigentlich Dinge wie Deo/Parfum/geruchsintensives Waschmittel von der breiten Bevölkerung genutzt werden.

  • @LeoMe schrieb: Es ist wahrscheinlich zu viel verlangt, in der Moderne nicht nur ständig neuen Menschen zu begegnen bzw. auch noch dauernd mit Leuten zutun zu haben, die wir nicht leiden können UND diese zusätzlich noch riechen zu müssen.

    Du hast also die These, dass Körpergeruch auf Herdenebene gut und wichtig war und heutzutage bei so vielen Kontakten eine Überladung wäre?

    @LeoMe: Den Geruch anderer (dein Vater, deine Arbeitskollegen, die Jungs beim Sport) findest du nicht abstoßend, deinen eigenen aber schon? Ich frage mich, ob das dann etwas erlerntes ist und mit Scham zusammenhängt? (@Balivo) Ich habe nämlich bei anderen auch (fast (1)) nur gute Erfahrung mit natürlichem Körpergeruch gemacht, aber selbst präventiv aus Angst vor Ablehnung (=Scham) wieder angefangen, Deo zu benutzen, ohne jemals explizit negative Rückmeldung erhalten zu haben.
    @Balivo Hast du schonmal explizit positive Rückmeldung dafür bekommen oder mit Menschen in deinem Umfeld darüber geredet?

    @Balivo schrieb: Auffallend bei diesem Eigengeruchvermeidungswahn ist nämlich seine Totalität in der Umsetzung.

    Gute Beobachtung.

    @Balivo schrieb: Analog zu den sonstigen Verschmutzungen (Luft, Licht, etc.) gibt es ganz allgemein auch eine Art Geruchsverschmutzung, die uns daran hindert, mit einem gut eingestellten Geruchssinn durchs Leben zu gehen (kann man bei den Geruchskeulen, mit denen man täglich erschlagen wird, überhaupt eine feine Nase entwickeln?).

    Geruchsverschmutzung ist ein guter Begriff. Das ähnelt dem Konsum von Pornografie, wie du sagst, und auch dem ständigen Beisetzen von Zucker und Aromen in Nahrungsmittel: Man wird überstimuliert, sodass der natürliche Reiz kein Reiz mehr ist. Dann ist eine gewöhnliche Frau nicht mehr anturnend und Fleisch mit Gemüse schmeckt langweilig.

    @Balivo schrieb: Interesant wäre es, seit wann eigentlich Dinge wie Deo/Parfum/geruchsintensives Waschmittel von der breiten Bevölkerung genutzt werden.

    Finde ich auch interessant. Mein Opa (*1926) und seine Freunde haben schwer körperlich gearbeitet. Trotzdem galt für sie das gleiche wie für die Frauen und Kinder: Gebadet wurde einmal in der Woche. Das müssen Körpergerüche gewesen sein! Für mich unvorstellbar. Die Generation meiner Eltern kannte zwar Deos, aber die waren nicht so wirksam wie heute. Jedenfalls berichten sie von Körpergerüchen als etwas normales.



    1. Jetzt mal abgesehen von Menschen, die ihre Körperhygiene grob vernachlässigt haben. ↩︎

  • Interesant wäre es, seit wann eigentlich Dinge wie Deo/Parfum/geruchsintensives Waschmittel von der breiten Bevölkerung genutzt werden.

    Irgendwelche Stäbchen zu verbrennen oder Ähnliches ist und war Teil von religiösen Riten - sicher auch in primitiven Kulturen; und die Idee, sich das Zeug auf die Haut zu schmieren ist da ja gar nicht so weit entfernt. Insofern halte ich es für gut möglich, dass schon der frühe Mensch sowas genutzt hat, sobald er dazu imstande war. Parfum wird schon seit Ewigkeiten benutzt; insbesondere im Orient. Auch im alten Rom, sicher auch in Ägypten. Galt häufig als ein Zeichen von Reichtum, war also weniger was für die breite Bevölkerung, aber immerhin Bestandteil einer Gesellschaftsklasse und dem Status deren Vertreter.
    Die Verwendung von geruchsmanipulierenden Methoden scheint in dem Maße zugenommen zu haben, wie sich auch dessen Erschwinglichkeit und Praktikabilität verbessert haben - heute muss man davon ausgehen, dass es jedem prinzipiell möglich ist, sich selbst zumindest zu neutralisieren, daher ist es nicht mehr ein Zeichen von "Klasse", sondern Selbstverständlichkeit. Ansonsten ist man ein sozialer Sonderling.

    bei diesem Thema tritt das moderne gestörte Verhältnis zum eigenen Körper in reiner Form hervor.

    Ich denke, es gibt einen Unterschied zwischen Neutralisation und dem Einnebeln - trägt jemand ein aufdringliches Parfum, tut er das in der Hoffnung, besser wahrgenommen zu werden. Er will mit seinem Moschusduft Eindruck schinden und besonders sein. Oder eben durch die große Wolke, die er so hinterlässt, die Aufmerksamkeit gleich im ganzen Raum für sich gewinnen. Er will attraktiver erscheinen, will manipulieren - er tut das aber doch nicht, weil er von seinem eigenen Geruch so wenig hält.
    Die Neutralisation hingegen ist ein gesellschaftliches Phänomen; geruchsneutral, an allen möglichen Stellen rasiert oder auch höfliche und politisch korrekte Sprache im Umgang mit Fremden - alles Maßnahmen, um sich als Kultur auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auch hier muss es nicht unbedingt Ausdruck eines gestörten Verhältnisses sein. Wer sich duscht, tut dies doch vor allen Dingen aus sozialen Gründen; man will nicht von sich ablenken, sondern gesellschaftlich akzeptiert werden.

    Du hast also die These, dass Körpergeruch auf Herdenebene gut und wichtig war und heutzutage bei so vielen Kontakten eine Überladung wäre?

    Nicht im Sinne einer biologischen oder psychologischen Überladung - die künstlichen Dunstwolken zu verarbeiten ist womöglich die größere Herausforderung. Aber Gerüche sind etwas sehr Aufdringliches. Im Bus habe ich kein Interesse, mich mit all diesen Fremden dort zu unterhalten - muss ich ja auch nicht. Mit deren Körpergerüchen quatschen die mich aber alle gleichzeitig ungefragt von der Seite an. Das ist der Punkt, um den es mir geht. Daher ist sich zu waschen ein Zeichen von Rücksichtnahme.
    Dazu kommt: In einer kleinen Gemeinschaft kenne ich alle Gerüche, ich spreche die Sprache, um sie zu verstehen und verbinde sie eben mit Familie, Sicherheit oder Intimität(...). Mit was verbindest du die Gerüche in der Gesellschaft @Johannes? Es hängt wahrscheinlich mit der allgemein empfundenen Verbundenheit zu Fremden ab. Ich selbst habe ein relativ negatives Gesellschaftsbild und meide Menschenmengen. Nicht auf krankhafte Weise. Doch die Vielzahl der heutigen Kontakte ist ein Problem und meiner Meinung nach tuen wir gut daran, uns davon soweit zu isolieren wie es möglich ist. Einen Informationskanal zu schließen, ist eine Möglichkeit dabei.

    Mein Opa (*1926) und seine Freunde haben schwer körperlich gearbeitet. Trotzdem galt für sie das gleiche wie für die Frauen und Kinder: Gebadet wurde einmal in der Woche. Das müssen Körpergerüche gewesen sein! Für mich unvorstellbar.

    Dein Opa, seine Freunde und Familie sind ein kleiner Kreis. Und wenn dann wer zum Einkaufen in den Tante-Emma-Laden bei sich im Dorf geht, dann ist das auch noch eine recht alltägliche Begegnung. Darüberhinaus sind es eigentlich immer die Alten, die Besoffenen oder die Spinner, die einfach so Fremde mit ihren eigenen Problemen anfallen. Diese Generation scheint nach wie vor die damalige Lebenswelt im Herzen zu tragen. Es ist eine kleine, empathischere Welt, wo jeder jeden kennt.

    Den Geruch anderer (dein Vater, deine Arbeitskollegen, die Jungs beim Sport) findest du nicht abstoßend, deinen eigenen aber schon? Ich frage mich, ob das dann etwas erlerntes ist und mit Scham zusammenhängt?

    Ja, ist es. Daher nehme ich selbst in meiner Geruchswelt eine Sonderstellung ein.

  • @Johannes schrieb:
    Hast du schonmal explizit positive Rückmeldung dafür bekommen oder mit Menschen in deinem Umfeld darüber geredet?

    Habe über die Jahre ein paar wenige Male explizit positive Rückmeldung von Frauen bekommen. Aus dem sonstigen Umfeld wurde mir öfters ein neutraler Geruch bescheinigt, als Körpergeruch zur Sprache kam. Solange du regelmäßig duschst, würde ich mir da keine Sorgen machen.

    @LeoMe schrieb:
    Die Neutralisation hingegen ist ein gesellschaftliches Phänomen; geruchsneutral, an allen möglichen Stellen rasiert oder auch höfliche und politisch korrekte Sprache im Umgang mit Fremden - alles Maßnahmen, um sich als Kultur auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Auch hier muss es nicht unbedingt Ausdruck eines gestörten Verhältnisses sein. Wer sich duscht, tut dies doch vor allen Dingen aus sozialen Gründen; man will nicht von sich ablenken, sondern gesellschaftlich akzeptiert werden.

    Korrekt. Das gestörte Verhältnis zum eigenen Körper ist eben einfach ein gesellschaftliches Phänomen. Sehe also nicht ganz, was das an der Störungsdiagnose ändert.

  • Sehe also nicht ganz, was das an der Störungsdiagnose ändert.

    Ist das Tragen von Schuhen in der Öffentlichkeit eine Störung, auch wenn man um deren Nachteile weiß? Ist es eine Störung, seine Blähungen im Kundengespräch oder während einer Vorlesung zurückzuhalten?
    In meinem Sportverein gab es ein Mädchen, dass hat sich während der Spielpause erstmal ordentlich eingesprüht unter den Achseln (keine Ahnung, ob ihr Eigengeruch so übel ist, bin noch nie zu ihm durchgedrungen...) - das ist unter Umständen eine Störung, weil die gesellschaftliche Regelung zum Schwitzen für den Sport gemeinhin aufgehoben ist. Hier dreht sie womöglich einfach durch.

    bei diesem Thema tritt das moderne gestörte Verhältnis zum eigenen Körper in reiner Form hervor.

    In meinen Augen ist das einfach eine viel zu scharf formuliert für einen so schwammigen Begriff wie den der 'Störung'. Die meisten Menschen hier im Westen haben wohl in der Folge ihrer Anpassung den Kontakt zum eigenen Körper verloren, das ist aber ein Preis, den die meisten bereit sind zu zahlen. Gestört bin ich hingegen dann, wenn ich einen Reinigungszwang habe oder Ähnliches. Sich dem persönlichen Verständnis der gesellschaftlichen Erwartungen zu unterwerfen ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung - um die Vorteile genießen zu können, die die Anpassung eben bietet.

  • Sich dem persönlichen Verständnis der gesellschaftlichen Erwartungen zu unterwerfen ist kein Zwang, sondern eine Entscheidung - um die Vorteile genießen zu können, die die Anpassung eben bietet.

    Es sind nciht die Individuen gestört, weil sie sich an die Erwartungen halten, die an sie gestellt werden. Die Erwartungen sind gestört. Auf individueller Ebene ergibt es Sinn, den gestörten Erwartungen zu entsprechen, da hier die Kosten einer Nicht-Entsprechung oft tatsächlich höher sind als der Nutzen.
    Insgesamt wären aber doch in gewissen Fällen (ich behaupte: u.a. beim Thema Geruch) alle einfach besser dran, wenn diese Erwartungen nicht (oder nur stark abgemindert) vorhanden wären.
    Zu den Schuhen & Blähungen: die von dir geschilderten Situationen finde ich noch in Ordnung. Wenn aber Leute anfangen, nackte Füße generell als "eklig" zu beschreiben (habe ich schon gehört) und sich womöglich auch alleine im Park für ihre Blähungen schämen, kann man doch von einer Störung sprechen.
    Ich will mich aber nicht an dem genauen Wortlaut aufhängen und bin gewillt, auch "problematisch" zu akzeptieren. :)

    Die meisten Menschen hier im Westen haben wohl in der Folge ihrer Anpassung den Kontakt zum eigenen Körper verloren, das ist aber ein Preis, den die meisten bereit sind zu zahlen.

    Natürlich müssen wir einen gewissen Preis zahlen für unsere moderne Lebensweise. Aber vielleicht zahlen wir einfach viel zu viel. Vielleicht können wir uns dieselben Vorzüge mit weniger Nachteilen erkaufen.
    Ich glaube nämlich nicht, dass unser großes Miteinander heutzutage aufhören würde zu funktionieren, sollten wir aufhören mit Eigengeruchsverleugnung und Deo-Orgien oder ähnlich kuriosen Dingen.

    Das Problem ist zusätzlich (wie schon Johannes in der Eröffnung geschrieben hat), dass wir überhaupt nicht wissen, wie wichtig oder unwichtig diese ganze natürliche Geruchswelt für uns ist. Wie können wir also damit überhaupt einen vernünftigen Handel eingehen?

  • Die Erwartungen sind gestört. Auf individueller Ebene ergibt es Sinn, den gestörten Erwartungen zu entsprechen, da hier die Kosten einer Nicht-Entsprechung oft tatsächlich höher sind als der Nutzen.
    Zu den Schuhen & Blähungen: die von dir geschilderten Situationen finde ich noch in Ordnung. Wenn aber Leute anfangen, nackte Füße generell als "eklig" zu beschreiben (habe ich schon gehört) und sich womöglich auch alleine im Park für ihre Blähungen schämen, kann man doch von einer Störung sprechen.

    So kommen wir ja doch noch zusammen! :smile:

  • Zwischen-Update: Ich habe am 22.03. zuletzt Deo benutzt. Heute ist mein Körpergeruch wiedergekehrt. Gestern Abend deutete er sich erstmals wieder an. Das sind vier bis fünf Tage.

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