Update (Bald kommt wesentlich mehr)

Moin Leute,

wollte nur mal ein kurzes Update geben. Das Einzige, was hier gerade Improved wird, sind mein Hund und meine Klienten. Natürlich mache ich für mich persönlich was, aber mehr -- das seht ihr hier recht deutlich -- passiert gerade nicht.

Ich bin gerade voll eingebunden in das Zettelkastenprojekt. Die zweite Auflage hat ein großartiges Eigenleben entwickelt, die App entwickelt sich hervorragend und der Kurs gewinnt allmählich die Form, in der er veröffentlichungswürdig wird. Es sammelt sich natürlich nebenbei mehr und mehr Material auch für ME-Improved. Aber für Veröffentlichung ist wenig Zeit.

Das ist leider der Nebeneffekt davon, dass ich auch unternehmerisch denken muss. Wenn Geld keine Rolle spielte, würde ich es genau umgekehrt machen. Das Zettelkastenprojekt würde nur nebenbei laufen und ich selten mal einen Artikel veröffentlichen, während der größte Teil meiner Zeit in das Lebenswandelsprojekt fließen würde. Es sind schon viele Dinge, nicht nur geplant, sondern eigentlich auch schon längst soweit fertig, dass sie in ihrer Beta-Phase veröffentlicht werden könnten. Dazu gehören Dinge wie:

  • Heilungsprotokolle für Diabetiker (Typ II)
  • Minimaltrainingsprotokolle für Menschen, die den Lebenswandel möglichst effizient gestalten wollen
  • Lebenslange Trainingsplanung (wann ist die Zeit für Muskelaufbau? Welche Rolle nimmt Functional Training ein? Wann und wie ist allgemeines Bewegungstraining ala Joseph besonders wichtig und nützlich? Was mache ich als erstes, wenn ich 50 bin und meinen Körper habe verwelken lassen? Was mache ich mit 20, wenn ich mein Leben noch vor mir habe? Wann schränke ich hohe Leistungsorientierung ein? usw.)
  • Systematischer Aufbau von Meditation. (Ich denke, man kann nach einigen Jahren vernünftigem Aufbau mit recht wenig Zeit die geistigen Errungenschaften halten).
  • Unterschiedliche Workshops (einige allgemein, andere ganz spezifisch für Männer), die auf transformative Erfahrungen ausgelegt sind. Also: Nicht so ein Hippie-Zeug, wo wir alle Händchen halten und dann auch mal einen Reifen schubsen.
  • Eine "Struktur" (mir fehlt das Wort), um systematische Experimente über die Gemeinschaft zu organisieren.
  • Gestern neu: Genossenschaftlicher Aufbau von so etwas wie Nachhaltigkeitsschläferzellen (Veränderung wird durch uns, die Menschen, vorangetrieben. Nicht durch den Staat). (Ok, das ist gerade nur in der Planung. Aber die ersten Schritte könnte man eigentlich schon jetzt umsetzen)

Zum Vergleich, wie ich das aufbaue, hier ein Aspekt des Zettelkastenprojekts:

Es gibt zwei Elemente. Es gibt einmal die Software und einmal die Methode. Software und Methode sind unabhängig voneinander zu verstehen. Man kann die Methode problemlos mit anderer (schlechterer.. haha) Software als unserer praktizieren. Auch mit Papier. Ist technisch nicht optimal, aber vielleicht liebt man Papier so sehr und hasst Computer entsprechend. Dann ist die Papierversion geiler.

Wir achten bei der Software darauf, dass alle Funktionen, ohne sich das Leben nehmen zu wollen, auch von anderen Texteditoren oder vielleicht sogar Wikis (noch zu testen) übernommen werden können. Das nennt sich Softwareagnostizismus (meine “Erfindung”). Ihre Anlage ist auf eine bestimmten Weise offen (Details bei der Veröffentlichung, weil Konkurrenz und so), dass die Gemeinschaft eigene Funktionen einbauen kann. Wir vereinen gewissermaßen die Vorteile von Open Source mit geschlossenem Code. Ein Ziel ist es Informationsfluss in beide Richtungen zwischen Code und Anwender zu erlauben. Gleichzeitig muss man nicht programmieren können, um die Software (und damit uns) zu informieren.

Gleichzeitig moderiere ich das Forum auf eine Weise, dass ich zwar bestimmte Leitideen fördere. Aber ganz unabhängig und organisch Ideen und Prinzipien weiterentwickelt werden.

Das oben genannte führt zu einer gemeinschaftlichen und organischen Entwicklung von Software und Methode. Ein Beispiel dafür ist die Frage, was überhaupt ein Zettelkasten ist. Meiner Meinung ist kennzeichnende Eigenschaft, dass man genau einen hat, der für alles da ist. Also ähnlich wie das GTD-System für die gesamte Selbstorganisation zuständig sein sollte. Doch ich habe nirgendwo diese Idee wirklich gepusht. Ich habe nur hier und da Impulse gegeben. Allmählich schält sich diese Idee als tatsächlich kennzeichnendes Merkmal heraus. Sie tritt gewissermaßen aus einer Art Gelehrsamkeitskultur der Gemeinschaft hervor.

Es ist ein bisschen schwer zu erklären, was der zu Grunde liegende Mechanismus ist. Aber eine Ahnung kann ich vermitteln: Es gibt einerseits einen Bottom-Up-Ansatz, um über Begriffe, Modelle usw. zu denken. Dann fange ich mit irgendeiner Definition an und teste die. Dann modifiziere ich, wenn ich feststelle, dass Teile von ihr nicht funktionieren. Die Grundanlage ist dabei aber immer, dass ich von den Teilen heraus auf das Ganze schließe. Gesetze definieren beispielsweise so: “Eine rechtliche Person ist,.. Blabla.. ein Haufen von Paragraphen, die man hinzufügen und wieder entfernen kann.” Die Schwäche eines solchen Vorgehens (und übrigens auch eine Schwäche in vieler wissenschaftlicher Praxis) ist, dass man damit im echte Leben nur unbeholfen eine Ahnung hat. Vergleichen wir das mit dem Begriff vom Pferd: Nehmen wir an, ich definiere ein Pferd als ein vierbeiniges Tier mit großem Kopf, Schweif und keinen Hörnern. Was ist, wenn ich einem Pferd ein Bein abhacke? Habe ich das entpferded? Ich glaube, wir sind uns einig, dass nicht. Aber technisch gesehen ist es kein Pferd. Wie ist das Problem zu lösen?

Wittgenstein gibt uns die Lösung. Der frühe Wittgenstein hat im Grunde geglaubt, dass man die Welt mit einem großen analytischen Kalkül begreifen kann. Deswegen hat er auch, dicke Eier-Move btw., seine Tractatus geschrieben und dann gesagt: “So, ich habe alle philosophischen Probleme gelöst. Jetzt geh ich angeln.” Der späte Wittgenstein war dann nicht mehr dickeierig, sondern etwas weiser. Er hat dann von Familienähnlichkeit geschrieben. Begriffe sind eben nicht klar.

Eine Frage von Erkenntnistheorie ist beispielsweise, was Wissen ist. Dabei wird vorgegangen, als ob man nur solange rechnen muss, bis man die korrekte Definition hat. Doch in Wirklichkeit ist Wissen ein ungefährer Alltagsbegriff und da kann man sich eine genaue und klare Definition abschminken. Daher ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Meiner Meinung nach ist der letzte Satz falsch. Das analytische Projekt von Erkenntnistheorie ist zum Scheitern verurteilt. Doch das liegt am falschen Werkzeug, um sich dieser Frage zu widmen. Wenn man sich “weicher analytischer” Methoden bedient, dann kommt man auf ein brauchbares Ergebnis. (Das basiert auf meiner eigenen Arbeit. Ich weiß aktuell nicht, was in der universitären Philosophie gespielt wird. Kann auch gerne sein, dass mir die analytischen Philosophen dafür ins Gesicht treten wollen. Haben die übrigens -- metaphorisch -- in der Uni versucht und sind gescheitert.. Ha!)

Was heißt das auf das Zettelkastenprojekt übertragen? Anstatt nur (natürlich mache ich das auch) mit harten, analytischen Methoden eine Art Zettelkastentheorie zu formulieren und dann irgendwelche Empirie (Tests, Erfahrungsberichte, Experimente) zu benutzen, gehe ich gleichzeitig so vor, dass ich mehr oder weniger ein paar Aspekte der Umwelt gestalte und sich dann auf natürliche Weise Erkenntnisse und Begriffe hervortun. Es geht in die Richtung, was Nassim Taleb begrüßen würde (organisches Realworld Wachstum mit Skin in the Game usw.), was Anthropologen machen, wenn sie versuchen Kulturen zu beschreiben usw.

Das Gleiche kommt für das Lebenswandelsprojekt. Doch dafür muss ich mir materielle Luft verschaffen. Das ist auch insofern wichtig, dass ich nach und nach das Lebenswandelsprojekt der Gemeinheit übergeben will. Der erste Schritt ist übrigens schon getan. Das öffentlich verfügbare Bild- und Tonmaterial (Sprich: Livestream und Videos) ist von mir für gemeinfrei erklärt. Vielleicht muss ich das nochmal mit einer Creative Commons Lizenz ausstatten, aber das ist nur eine technische Feinfrage. Das Fernziel ist, dass ich alles, was Teil des Lebenswandelsprojekts ist, gemeinfrei ist. Das Lebenswandelsprojekt wird gewissermaßen Open Source sein. Auch Dinge, wie beispielsweise die Bücherpreise richten sich danach. Der Buchpreis soll möglichst gering sein. Es sind meine Möglichkeiten.

Momentan halte ich es für die beste langfristige Lösung, das Zettelkastenprojekt voranzutreiben, weil hier einfach mehr Geld zu holen ist. Das heißt eben auch, dass es hier noch für eine kleine Weile ruhiger sein wird. Das ist noch der Nebeneffekt, dass ich von Anfang an, die Entscheidung getroffen habe, Monetarisierung zurückzustellen (z.B. Yt-Werbung, die ich jetzt nur moderat schalte, damit Google mich nich abstraft) und nicht laufend zu sagen (“LIKEN, TEILEN, BLABLABLA”).

@Nackengeist Ein Blogartikel zu dem Thema der Vergemeinschaftung des Projekts ist schon fertig in Rohfassung fertig. Da wollte ich noch etwas durchdachter als so erklären, was es damit auch sich hat. Auch das muss leider warten.

Viele Grüße
Sascha

Kommentare

  • @Sascha
    Erzähl doch bitte mal etwas genauer von den Nachhaltigkeits-Schläferzellen!
    Wie könnte man die ersten Schritte umsetzen?

  • @Jost schrieb:
    @Sascha
    Erzähl doch bitte mal etwas genauer von den Nachhaltigkeits-Schläferzellen!
    Wie könnte man die ersten Schritte umsetzen?

    Ah, so war das nicht gemeint. Die ersten Schritte wären schon ganz konkret. Aber insgesamt ist noch viel schwammig. Also: Nichts, was ich jetzt schon in die Öffentlichkeit entlassen könnte. Ist eigentlich ärgerlicher, als es scheint.

    Im Grunde entscheide ich, dass mich für das Zettelkastenprojekt und dagegen beispielsweisen Diabetikern zu helfen, dass ihr Füße nicht abgeschnitten werden müssen.

  • Gefällt mir

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.