[project log] Johannes: Low Information Diet Februar 2020

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Kommentare

  • Gut gemacht !

  • 12.03.2020

    Dieser Log fehlt mir. Aber was genau? Die strikte Low Information Diet? Oder das Loggen selbst? Ich habe meine gewonnene Klarsicht wieder ein bisschen eingebüßt.

    Ich habe in den letzten Tagen versucht, über andere Ziele zu loggen. Ich habe handschriftlich und ohne Veröffentlichungsintention reflektiert. Das war eher kontraproduktiv. Mein Loggen ist produktiver, wenn es auf ein konkretes Ziel ausgerichtet ist und auch, wenn ich es veröffentliche. Mich interessiert, ob es am Medium Notizbuch/Handschrift lag, am Privaten, oder an den zu nebulösen Zielen.

    Mein Medienverhalten verändert sich ohne den Log in ungewollte Richtungen. Ich habe zwar nicht gebinged, aber ab und zu bin ich auf einmal beim Nachtisch schon am Smartphone. Oder ich lese vor dem Schlafen in einem self help Buch. Das Lesen von self help vor dem Schlafengehen wühlt mich auf. Die Informationen und ihre Implikationen schwirren mir dann im Kopf herum. Der Schlaf ist weniger erholsam und ich wache unruhiger auf.

    Am Thema Smartphone knabbere ich momentan noch. Es gibt einen Sensibilitäts-Effekt, der mir im Nachhinein dieses Projektlogs aufgefallen ist. Den habe ich vor zwei Jahren bei meiner Ernährung schonmal bemerkt. Je besser ich mich ernähre, desto mehr wirft mich unverträgliches aus der Bahn. Je weniger Informationen ich konsumiere, desto destabilisierender wirken große Informationsmengen und das Smartphone auf mich. Ich frage mich, ob dieser Effekt eine selbsterfüllende Prophezeihung ist. (Mein Medienkonsum wird kontrollierter und bewusster. -> Ich glaube, dass Smartphones scheiße sind. -> Ich gehe bewusst ans Smartphone. -> Ich überinterpretiere die Effekte und mache mir Sorgen. -> Das Smartphone tut mir nicht gut. Noch weniger, als es ohne diese Voreinstellung getan hätte. Ich verliere sozusagen eine entspannte Haltung gegenüber einer Sache, sei es Essen oder Medien oder XY.) Verhaltensänderungen mit stabilisierenden positiven Effekten fragilisieren mich auf anderen Ebenen.

  • 16.03.2020

    Ablenkung / mein Smartphone
    Mein Umgang mit dem Smartphone ist eines meiner derzeitigen Themen. Es lenkt mich ab. Es lenkt mich ab, wenn ich es benutze, und auch wenn ich es nicht benutze. Zweiteres ist eine innere Ablenkung, die durch den sozialen Reiz salient wird (1). Zu ersterem habe ich eine neue Umgehensweise gefunden. Eine Ablenkung ist nur eine Ablenkung, wenn sie mich von etwas ablenkt. Deswegen teste ich nun, zwischen zwei Aktivitäten neben einer Pause auch eine kleine geplante Smartphone-Zeit wahrzunehmen - ganz bewusst. Ich konzentriere mich dann auf die Nachrichten und die Kontakte, statt nebenbei in Eile schnell ein paar Worte zu tippen. Die ersten Tage nach diesem Prinzip fühlen sich gut an. Ich will damit auch die oben beschriebene selbsterfüllende Prophezeihung durch Schuldgefühle umgehen. In dieser Smartphone-Zeit ist die Smartphone-Nutzung ein akzeptiertes Verhalten.

    Langeweile
    Mich auf gute Art und Weise zu langweilen ist eine ungewöhnliche Erfahrung für mich. Ich erinnere mich aber an dieses Gefühl. Als Kind war Langeweile normal. Wenn ich bei meinem Vater über Langeweile geklagt habe, hat er mir gratuliert: "Genieß es." Damals habe ich gedacht, er sei verrückt. Heute weiß ich es besser (2).
    Bisher habe ich zwei Arten von Langeweile gefunden. Eine ist, nichts zu tun zu haben (3). Die andere ist, etwas langweiliges zu tun. Beide Arten von Langeweile erlebe ich als großartig. Erstere als ungemein produktiv (ja... produktiv), kreativ und erholsam (4). Zweitere als emotionale Schule. Beide als pures Konzentrationstraining! Langeweile zu üben bedeutet, meine Sucht nach Ablenkung zu behandeln.



    1. In meinen 6 Monaten ohne Smartphone und Whatsapp Anfang 2019 habe ich festgestellt, dass innere Ablenkung durch soziale "Gedanken" auch unabhängig von beidem stattfindet. ↩︎

    2. Als ich Ende 2016 bei Cal Newort (Deep Work) über Langeweile gelesen habe, habe ich es zwar für richtig befunden und "verstanden", aber durch eigene Erfahrung verinnerlicht habe ich es erst später. ↩︎

    3. Daraus kann man in der Moderne sogar eine Meditation machen. @Joseph_Bartz verliert in seinem schönen Video There is nothing to do ein paar Worte darüber. Früher - oder auch als Kind - war es aber ganz normaler Teil des Lebens. Da hat die Kontingenz-Erfahrung und das Internet nicht jeden Moment zerfickt. ↩︎

    4. Ruhe ↩︎

  • 22.03.2020

    Ich hatte wegen eines Umzugs drei Tage kein Internet. Es war eine Wohltat. Ich habe geschrieben und gelesen. So will ich auch die Quarantäne verbringen.

    Die oben beschriebene Umgangsweise mit meinem Smartphone funktioniert weiterhin ganz gut.

    Unter starker Erschöpfung tendieren meine Gedanken weiterhin eher zum Negativen und Destruktiven als zum Positiven. Ich habe dann nicht mehr so stark den Betäubungsimpuls, den ich zu Beginn der Low Information Diet hatte. Trotzdem frage ich mich, woher dieses negative defaut kommt. Ich vermute einen genetischen Anteil durch den menschlichen negative Bias und einen Anteil, der von schlechten Glaubenssätzen herrührt, die ich mir im Internet eingefangen habe.

  • bearbeitet 25. März

    25.03.2020

    Konzentrationsübungen lehren mich so viel. Über mich selbst. Über andere. Über die Natur des Lebens. Und natürlich über die Dinge, auf die ich mich konzentriere. Das liegt daran, dass man mit der Zeit die eigenen internen Trigger kennenlernt und übt, mit ihnen umzugehen. Das ist oft auch emotionales Training. Externe Trigger sind teilweise individuell, aber in der digitalen Moderne häufig verbreitete Phänomene.

    Es scheint mir an manchen Tagen, als könne man sich eine Tätigkeit vornehmen, fast egal welche, und an ihr alles lernen, was es auf der Welt zu erlernen gibt. Etwas über lange Zeit hinweg zu tun erfordert Konzentration, Ausdauer, Konfrontation mit dem eigenen Unvermögen, soziale Koorperation und viele weitere Fertigkeiten.

    Ich vermute starke Zusammenhänge zwischen Konzentrationsfähigkeit und emotionaler Resilienz (Ausdauer, Disziplin, Willenskraft, Fähigkeit zu scheitern, Empathie), Selbstwert, Sinn/Bedeutung, Ruhe, Mastery. Wer sich nicht konzentrieren kann, der wird zu Grunde gehen. Er wird nicht nur nicht erfolgreich sein. Er wird zu Grunde gehen. Do or die.

    Low Sugar: Langes Ausdauertraining (1), isometrische Übungen, Bücherschreiben (2), Wandern, Gespräche, dicke Bücher lesen, Langeweile!, körperliche und/oder montone Arbeit, ausschließlich einfaches Essen (3) essen.

    Das Beeindruckende an einem Lebenswandel mit hoher Belastung/hohem Druck ist nicht, wenn jemand trotzdem funktioniert, sondern wenn er Herr im eigenen Oberstübchen bleibt.


    Mein Essen alleine funktioniert inzwischen übrigens wunderbar. Mein Umgang mit der Smartphone gefällt mir auch zusehends. Ich beneide immernoch jeden, der kein Smartphone hat, aber finde langsam zu einem Umgang, der möglichst geringen Schaden verursacht.

    Der Corona Virus ist für meine Low Information Diet eine Prüfsituation.



    1. Intensives Ausdauertraining eignet sich dafür meiner Erfahrung nach weniger. ↩︎

    2. Insbesondere handschriftlich. ↩︎

    3. Kein Zucker, keine Aromen und Chemikalien, wenig Gewürze und Kohlehydrate. ↩︎

  • bearbeitet 28. März

    28.03.2020

    Update
    Meine Low Information Diet läuft weiterhin. Mein Leben ist gut so.

    Mein Umgang mit dem Smartphone geht weiter voran. Dazu schreibe ich demnächst ein ausführlicheres Update.

    Ich mache wieder zu wenige Pausen. Darauf muss ich gezielt achten.

    Es wird im März auf etwa 500 Seiten Belletristik, 100 Seiten Graphic Novel und 300 Seiten Fachbuch hinauslaufen.

    Gedanken
    Ist die Konzentrationsstörung bei psychischen Störungen nur Symptom oder auch Ursache oder aufrechterhaltender Faktor - oder was?

    (Begriffs-)Ebenen von Ablenkung: Tätigkeiten, die irrelevant sind. Externe Ablenkungsreize. Interne Ablenkungsreize: solche die nichts mit der momentanen Tätigkeit zu tun haben; solche die etwas mit der momentanen Tätigkeit zu tun haben, aber nicht zielführend sind (schwer zu erkennen).

    Selbstmitgefühl (1) ist grundlegend für meine Konzentration.



    1. Engl. self-compassion. Ein passendes deutsches Wort fehlt mir. Hat jemand eines? ↩︎

  • bearbeitet 21. April

    Ich schrieb am 2. Februar:
    Ich habe mich heute gefragt: Ist ein Leben der Konzentration in der Moderne überhaupt möglich? (Fühlt sich jemand zu einer Antwort bereit?)

    Dazu heute gelesen:

    "The deep life is not an ambitious one-shot goal, like completing a marathon, that you work hard at until you one day obtain it all at once. It’s a state of being with which you become increasingly comfortable. A process that starts with your mind." -- C. Newport

    Dranbleiben.

  • bearbeitet 23. April

    @Johannes schrieb:
    Ist die Konzentrationsstörung bei psychischen Störungen nur Symptom oder auch Ursache oder aufrechterhaltender Faktor - oder was?

    Quellen, Literaturempfehlung ?

  • bearbeitet 25. April

    Das ist einfach etwas, das ich mich frage. (Und durch die öffentliche Reflexion auch euch.)

  • bearbeitet 27. April

    Es wird im April auf etwa 1000 Seiten Belletristik, 300 Seiten Graphic Novel und 400 Seiten Fachbuch hinauslaufen.

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