SPIEGEL-Artikel "Mein bestes Ich"

Der neue SPIEGEL titelt "Raus aus der Ehrgeiz-Falle. Gut, besser, Burn-out: Warum man es mit der Selbstoptimierung nicht übertreiben sollte." Der Leitartikel heißt Mein bestes Ich und ist von Katja Thimm geschrieben. Der Untertitel lautet "Erfolg. Schöner, schlanker, schlauer - noch nie war der Druck, sich zu optimieren, so stark wie heute. Doch viele überfordert der ständige Wettkampf mit anderen und sich selbst."

Das habe ich zum Anlass genommen, mir die Zeitschrift zu kaufen. Wenn der SPIEGEL einen Leitartikel zu einem psychologischen Thema oder einem anderen für mein Lebenswandel relevanten Thema schreibt, lese (und archiviere) ich den in der Regel. Erstens, weil ich manchmal auf eine Quelle gestoßen werde, die ich noch nicht kannte. Zweitens, und das ist entscheidender, weil ich wissen will, wie man inzwischen über das Thema denkt, an dem ich meist schon länger forsche und beobachte. Denn was im SPIEGEL erscheint, so meine These, ist langsam im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit angekommen und kommt es zumindest dann durch den Artikel.

Ich habe den Artikel gescannt und würde ihn gerne zu Diskussionszwecken mit euch teilen. @Sascha, darf ich das rechtlich? Ansonsten könnte sich jeder, der den Artikel haben und mitreden möchte, kurz melden, dann verschicke ich das .pdf einzeln. Auch kein Problem.

Meine eigenen Thesen zum Artikel kommen in Kürze.

Kommentare

  • Leider nein. Das ist ein öffentlich zugängliches Forum. Privat darf man das allerding. Melde mich aber hiermit schon mal als Interessent.

  • Wer Interesse hat schreibe einfach kurz! :smile:

  • Interesse

  • Ich habe auch Interesse!

  • Spoiler-Alert! Lieber erst den Artikel selbst lesen, dann meine Meinung dazu.

    Ich finde den Artikel besser als die vorigen Leitartikel zu psychologischen Themen. Es scheint beim SPIEGEL einen Blueprint zu geben, um diese Artikel zu schreiben: Man wird durch ein literarisch beschriebenes Schicksal einer Person, die ihren echten Namen nicht nennen will, in die Abgründe der Thematik eingeführt. Dann wird man theoretisch aufgeklärt. Es äußern sich Experten im Wechsel mit Opfern. Am Ende gibt es eine lasche Handlungsempfehlung. Aber man hat darüber gesprochen! Und, nebenbei, nehmen sicherlich viele Leser (die noch nie darüber nachgedacht haben) wirklich eine Menge mit! Nur den Blueprint bin ich leid. Mein bestes Ich geht eigentlich den gleichen Weg, aber diesmal etwas weniger flach. Ein paar Anregungen waren für mich dabei. Die möchte ich euch nennen, ebenso meine Kritik und weiterführende Gedanken. Ich hoffe auf rege Beteiligung und freue mich auf eure Meinungen.

    Wie der Titel vermuten lässt, geht es um die Schattenseiten der Selbstoptimierung. Das Potential, die Entfaltung und Emanzipation kommt nur zweimal kurz zu Wort; es geht um die Pathologien, die mit Selbstoptimierung assoziiert werden. Das hat mich etwas enttäuscht, aber ich kann es der Autorin nicht vorwerfen, weil es eben ihre Agenda war und sie das auch im Titel kommuniziert hat. Mehrfach wird auch deutlich gemacht, dass Selbstoptimierung nicht per se schlecht sei oder krank mache, sondern dass es auf den Einzelfall ankäme und auf die Disposition.

    Richtig whack finde ich die 5 Handlungsempfehlungen "Wege aus der Selbstoptimierungsfalle - was Experten raten." Dieser VT-Scheiß und die Wortwahl der Selbstliebeyogaveganinstagrammer*innen triggert mich. Das geht am Problem vorbei. Das kratzt an der Oberfläche. Das ist keine Ursachenforschung. Um das Problem zu verstehen und lösen zu können, muss man Ursachenforschung betreiben. Vielleicht bin ich an dieser Stelle aber auch zu grumpy. Ich hasse es, dass die Leute, die Selbstfürsorge NICHT begriffen haben, die gleichen Begriffe und Worte als leere Hülsen missbrauchen, die man auch braucht, um vernünftig darüber zu reden, was man dadurch aber nicht mehr kann. Wichtige Fragen sind: Weshalb werden manche Menschen durch Selbstoptimierung krank und andere nicht? Woher kommt der Drang und die Motivation zur Selbstoptimierung?

    Es werden einige Ideen als Antworten auf diese Fragen präsentiert. Der Wandel der Arbeitswelt und der dort herrschende Konkurrenz- und Leistungsdruck sei schuld. Die Digitalisierung und Medialisierung, vor allem Bilder und Botschaften in sozialen Netzwerken. Fehlende Bindung im Kindesalter. Ein niedriger Selbstwert. Ein schwaches Ich. Das Bedürfnis nach Anerkennung. Fehlende Balance zwischen Verbesserung und Genugsein. Hm. Das alles sind ernst zu nehmende Thesen. Natürlich hört der Artikel dann aber dort auf, wo es spannend wird. Das ist nicht schlimm, denn es ist ein kurzer Artikel und er hinterlässt Fragen. Das ist viel wert. Was ist da Henne, was ist Ei? Woher kommt diese Verunsicherung der Menschen? Das schwache Ich? Diese Vulnerabilität? Der Verbindungsverlust zu sich selbst?

    Mir fehlt ein Bezug zur protentantischen Arbeitsethik und der Erbsünde, also den kulturellen Grundlagen eines Schuld- und Wertlosigkeitgefühls, das nur durch Frömmigkeit und Arbeit zu mindern ist. Und der Moralismus: Warum denken Menschen denn, sie müssten? Warum denken Menschen dieses oder jenes Programm sei moralisch so bindend, dass sie ihr Leben gewissermaßen dafür aufgeben, anstatt selbst nachzudenken und auf sich selbst zu hören? Wann verliert man derart die Verbindung zu sich selbst, dass man blind weitermacht, auch wenn alles in einem Aufhören schreit?

    Spannend waren für mich noch folgende Aspekte: Die erwähnten Bücher. Zum Beispiel hat Dagmar Fenner offenbar ein Buch über die ethischen Implikationen der Selbstoptimierung geschrieben. Vivien Suchert schrieb eines über Tracking.
    Der DAK-Report Doping am Arbeitsplatz hat verblüffende Zahlen genannt (730.000 Beschäftigte nutzen Stimulanzien wie Amphetaminderivate oder Amphetamine bei der Arbeit).
    Dann wird an einer Stelle erwähnt, dass zur Stabilisierung des Selbstwerts Diversifikation und Gleichgewicht wichtig ist. Das kannte ich bisher nur aus dem Stressmanagement, aber ich finde es einen spannenden Gedanken.
    Und zwei Begriff bleiben mir hängen. "Optimierungsfreie Zone". Das ist wichtig. Ebenso das "Schwache Ich" als moderner Trend.

    Aus der Metaperspektive betrachtet finde ich den Artikel spannend. Man blickt offenbar kritisch auf diesen Trend und fordert implizit dazu auf, sich mal ein bisschen locker zu machen.

  • @Johannes
    ich habe auch Interesse an dem Artikel ;)

    Danke

  • Ich habe den Artikel nicht über 2 Seiten hinauslesen können. Zu viel Laberrhabarbar. Das Skript, von dem Johannes geschrieben hat, nervt mich ohnehin über alle Maßen.

  • bearbeitet 13. Januar

    Noch habe ich den Artikel nicht gelesen, dafür aber den Spoiler (ich habe nichts gegen gute Spoiler).

    Zum Laberrhabarbar-Skript: Das gibt es nicht nur beim SPIEGEL. Das ist Storytelling und gilt seit einigen Jahrzehnten schon als der state of the art im Journalismus. Leitende Redakteure nehmen schon lange gar keine Artikel mehr an, wenn nicht mindestens ein bisschen Storytelling gemacht wird (und dann wird noch ein bisschen mehr reinredigiert). Selbst in den Redaktionsrichtlinien von Kundenzeitschriften von Baumärkten steht die Anweisung "Nehmen Sie den Leser mit. Erzählen Sie eine Geschichte." Ist leider so. Vor einem Jahr noch habe ich gehofft, dass diese Relotius-Geschichte1 daran etwas ändert, weil ich das Ausmaß dieser "Verständlichkeitsinseln", wie Lampert und Wespe das in ihrem Standardwerk Storytelling für Journalisten 2 nennen, manchmal auch für stark übertrieben halte. Aber leider ist das nicht passiert.

    Mal abseits vom Thema und aus fachlichem Interesse:

    Wie würdet denn ihr, @Johannes und @Sascha, einen Artikel zu diesem Thema angehen, statt den Storytelling-Ansatz zu wählen? Eher essayistisch? Historisch? Ganz anders? Und wie würde das aussehen?


    1. Damit meine ich Claas Relotius, den Journalisten, der das mit dem Storytelling ein bisschen zu bunt getrieben hat und im Dezember 2019 damit aufgeflogen ist. ↩︎

    2. Lampert, M., & Wespe, R. (2017). Storytelling für Journalisten. Wie baue ich eine gute Geschichte? (4. Auflage). Köln: Herbert von Halem Verlag. ↩︎

  • Interesse.

  • Habe auch Interesse an dem Artikel.
    Danke für dein kümmern.

  • Habe auch Interesse an dem Titel :smile:

  • Ok. Johannes hat sich Mühe gemacht. Da will ich mal nicht so sein und etwas mehr als nur meine Genervtheit investieren:

    Das Grundproblem solcher Artikel ist, dass es eine ganze Reihe von unausgesprochenen Axiomen gibt, die der Bewertung zu Grunde liegen. Dass der eine Typ sich da so überlastet hat, ist erstmal interessant. Die Frage ist nicht, warum es manche Menschen gibt, die über sich hinaus wachsen und andere nicht. Aber das zu Grunde liegende Modell ist einfache Küchenpsychologie (die aber auch von vielen Psychologen betrieben wird. @Tobias Alltagsbegriffe... :smiley: ): Ja, wenn du fertig bist, dann hast du dir wohl zu viel zugemutet. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist es einerseits zu wenig und andererseits fehlt dir aber die Methode das zu copen.

    Frankl ist schon über 70 Jahre her und die Leute glauben immer noch, dass psychische Störungen wie die primitive Kalorienbilanz funktionieren: (Psychische) Energie in vs Energie out. Einfach plus und minus und schon weiß man, ob jemand kaputt geht oder nicht. Das ist ausgesprochen peinlich und zeigt, wie primitiv eigentlich unsere intellektuelle Elite noch über die menschliche Seele denkt.

    Ich lese solche Artikel nicht, weil sie eine völlig bescheuerte Absicht verfolgen. Die Kernabsicht solcher Artikel ist durch den Journalisten und das Blatt gegeben:

    1. Die Journalisten sind manchmal Leute, die glauben etwas zu verstehen, was sie meist nicht machen. Sie glauben, dass sie irgendeine Qualifikation haben, ihre Meinung zu präsentieren, was man an der völlig manipulativen Berichterstattung/Propaganda der öffentlich-rechtlichen erkennen kann. Dahinter steckt keine große Verschwörung, sondern etwas viel Schlimmeres. Durch eine Eigendynamik des Systems ist Neusprech und Gedankenverbrechen entstanden. Es sind keine Wölfe (gibt es ein Tier, dass für Strippenzieher steht?). Es sind Schafe. Manchmal wollen die einfach nur irgendwas schreiben, weil die einfach ihre Miete bezahlen wollen. Menschen, die Geld brauchen, lese ich möglichst nie.
    2. Die Blätter gehen den Weg des geringsten Widerstands, um die Machtfantasien der Redakteure als Meinungsmacher und finanziellen Interessen des Unternehmens unter einen Hut zu bringen.

    Deswegen produzieren solche Blätter weitgehend Müll. Emeritierte Professoren, grenzverrückte Psychopathen, reiche Leute mit Langeweile. Das sind eher Leute, die ich lese. Oder Menschen, auf deren moralische Integrität ich vertrauen kann. Das sind übrigens sehr oft Investoren. Gibt recht viele Investoren, die auch gesellschaftliche Kommentare veröffentlichen. Denen höre ich zu. Hans-Werner Sinn auch.

    Naja, zurück zum Text. Storytelling ist nichts weiter als die narrative Verknüpfung irgendwelcher Datenpunkte. Da kann alles bei rauskommen. Und was da normalerweise herauskommt ist das, was Leute schon immer geglaubt haben. Deswegen ist Storytelling auch die schlechteste aller Formen, um Inhalte zu vermitteln, wenn es eine einzelne Person macht. Anders sieht es aus, wenn Geschichten viele Iterationen durchgemacht haben. Die zentralen Comics (z.B. The Killing Joke) sind große, kollektive Meisterleistungen.

    Eine weitere Grundhaltung des Artikels ist, dass die Leute ja gar nichts dafür können. Die sind einfach viel hilflose, kleine Katzenbabys in den Shredder unserer "Gesellschaft" gefallen und dann kaputt gemacht worden. Vielleicht. Vielleicht sind das auch arrogante Leute mit Allmachtsfantasien, welche die Quittung dafür erhalten, dass sie ihre Grenzen nicht kennen. Was ist mit der guten alte Fähigkeit sich zu entscheiden? Man muss eben wissen, was man vom Leben will. Und anstatt herumzuheulen, dass irgendein nicht existierendes Gespenst "Gesellschaft" uns kaputt macht, könnte man sich auch fragen, wie Leute das Gulag überlebt haben und danach noch weitergemacht haben. Oder die Sklaven der Pharaonen es manchmal auch geschafft haben zu überleben. Oder warum es nicht nur Tyrannen gab, sondern manche Leute zum Diktator berufen wurden und inmittelbar danach das Amt niedergelegt haben, um wieder Bauer zu sein.

    Und weil da nix Sinnvolles drinsteht, sind die Tipps auch voll bescheuert: "Ja, übertreib mal nicht und mach auch mal was anderes, als nur deine anale Fixierung auszuleben." Ja, aber wie?!? Das fragt man dann als Betroffener. Ist ungefähr so, als würde ich einem dicken Menschen sagen: Iss mal weniger. No shit, Sherlock. ABER WIE?!?

    Man muss eben das Richtige machen. Wieso habe ich selbst kein Burnout? Ich habe 70-80h-Wochen geschoben, ketogene Ernährung mit 2--4 Trainingseinheiten pro Tag kombiniert und vieles mehr. Alle, die das wirklich mitbekommen haben, haben mich ab und zu mal gewarnt, dass ich gegen die Wand fahren würde. Über Jahre war ich fast jeden Tag so müde, dass ich keine Minute ruhig sitzen konnte, ohne einzuschlafen. (Was mir übrigens auch regelmäßig passiert ist). Ich bin sicherlich nicht Mr. Superduper. Das, was mich trägt, ist meine Aufgabe hier. Ich habe einen guten Grund das zu machen, was ich mache. Und die Gründe sind eben nicht beliebig. Feministische Propaganda, hedonistische Geisteskrankheit ("mach das, was ich glücklich macht") und all diese anderen bescheuerten Sinnverwirrungen sind eben falsch. Sinn ist nicht für den einen so und für den anderen so. Es gibt eine einfache und gefährliche Wahrheit: Man kann sein Leben auch verkacken. Man kann falsche Entscheidungen treffen, die einen Jahrzehnte kosten. Und deswegen ist das, was ich als Moderne als Krankheit bezeichne auch so giftig. Jeder von uns ist wichtig. Sehr, sehr wichtig. Und das muss man einsehen und der Verantwortung stellen. Das Leben ist dann immer noch keine einzige Spaßparty. Aber man findet Stück für Stück die eigentliche Natur des Menschen heraus: Der Mensch ist stärker als jedes Übel, dass es auf der Erde gibt. Aber die Leute, die solche Artikel schreiben sind Krebse im Eimer. "Man muss auch mal schwach sein". Nein, du Fickfehler. Man muss gar nichts. Schwäche ist kein Weltuntergang, aber es ist trotzdem kacke. Es ist auch nicht schlimm, wenn man kacke ist. Aber schlimm ist, wenn man nicht alles macht, was man kann, um besser zu werden. Du, ich, wir alle. Wir alle werden gebraucht, damit es hier endlich mal besser wird.

    Gemecker ende.

    @Tobias
    Wie würdet denn ihr, @Johannes und @Sascha, einen Artikel zu diesem Thema angehen, statt den Storytelling-Ansatz zu wählen? Eher essayistisch? Historisch? Ganz anders? Und wie würde das aussehen?

    Ich glaube, mir fehlt es da an Begriffen, um das klar zu benennen. Ich würde das als gesprochenen Stil beschreiben. Ich versuche so zu schreibe, als würde ich mit jemandem reden. Natürlich geht das nicht, weil man eben nicht redet, sondern schreibt. Bei Belletristik schreibt man die Dialoge nicht so, wie man wirklich reden würde, sondern im Grunde so, als hat man den Eindruck, als würde wirklich geredet werden. Heißt: Ich schreibe beispielsweise nicht alle "äh"s und "ehm"s in das Gespräch, sondern schreibe gewissermaßen auf Lücke, die dann vom Gehirn des Lesers aufgefüllt wird.

    Bei meiner Oma hat es zumindest geklappt. Die meinte, Reflexion und Analyse zu lesen wäre so, als würde man mit mir sprechen. Aber Oma liebt mich auch.. weiß der Geier, was sie wirklich denkt. Haha.

    Was auf jeden Fall fehlt, ist eine systematische Auseinandersetzung mit der Sache selbst. Man braucht einen Teil analytische Philosophie. Dazu fehlt die wissenschaftliche Auseinandersetzung. Man braucht Empirie. Dann fehlt eine existentielle Auseinandersetzung. Man braucht Phänomenologie. Usw.

    Aber sowas wird man nicht im Spiegel finden. Der hat ja kein Interesse zu informieren.

  • bearbeitet 17. Januar

    @Sascha: Also wäre nach deiner Argumentation die Entstehungsweise etwa wie folgt? Journalist sucht nach gut verkäuflichem sozialen Thema, SPIEGEL hat kein relevantes politisches Leitbild und braucht einen wirksamen Titel. Journalist findet ein Thema, hat dazu eine Meinung oder überlegt, welche Meinung wirksam ist (nicht zu kontrovers, aber doch anders und schön verträglich und so, dass die Leute denken, wenn sie das lesen, geht es ihnen besser etc.) und bestätigt sich dann mit ihrer Reschersche diese Meinung.

    @Sascha schrieb: "Ja, übertreib mal nicht und mach auch mal was anderes, als nur deine anale Fixierung auszuleben." Ja, aber wie?!? Das fragt man dann als Betroffener. Ist ungefähr so, als würde ich einem dicken Menschen sagen: Iss mal weniger. No shit, Sherlock. ABER WIE?!? Man muss eben das Richtige machen. Wieso habe ich selbst kein Burnout?

    Ich halte deine Analyse für scharf und treffend. Ich glaube aber auch, dass du erstens deine psychische Robustheit unterschätzt. Zweitens denke ich, dass nicht nur "das Richtige machen" (das Warum) eine Antwort ist, sondern dass auch das Wie relevant ist. Oder implizierst du das? In der Debatte wird die Sinn-Frage massiv unterschätzt, ja!, aber auch die Rolle metakognitiver/spiritueller Kompetenzen. Bei Sinn und Kompetenzen beobachte ich katastrophale Unterentwicklung. Und die sehe ich nicht nur als selbstverschuldet an, sondern auch durch fehlende Erziehung bedingt. Also: Welche mentalen Werkzeuge brauche ich, um überhaupt wie Frankl aufrecht die Sinn-Frage beantworten zu können? Auch das ist eine relevante Frage.

  • @Johannes schrieb:
    @Sascha: Also wäre nach deiner Argumentation die Entstehungsweise etwa wie folgt? Journalist sucht nach gut verkäuflichem sozialen Thema, SPIEGEL hat kein relevantes politisches Leitbild und braucht einen wirksamen Titel. Journalist findet ein Thema, hat dazu eine Meinung oder überlegt, welche Meinung wirksam ist (nicht zu kontrovers, aber doch anders und schön verträglich und so, dass die Leute denken, wenn sie das lesen, geht es ihnen besser etc.) und bestätigt sich dann mit ihrer Reschersche diese Meinung.

    Ist natürlich nur eine Version und es gibt sicherlich viele Entstehungsgeschichten, aber die finanziellen Interessen von Verlag, Zeitschrift und Journalist sind imho langfristig treibende Kraft.

    @Sascha schrieb: "Ja, übertreib mal nicht und mach auch mal was anderes, als nur deine anale Fixierung auszuleben." Ja, aber wie?!? Das fragt man dann als Betroffener. Ist ungefähr so, als würde ich einem dicken Menschen sagen: Iss mal weniger. No shit, Sherlock. ABER WIE?!? Man muss eben das Richtige machen. Wieso habe ich selbst kein Burnout?

    Ich halte deine Analyse für scharf und treffend. Ich glaube aber auch, dass du erstens deine psychische Robustheit unterschätzt.

    Ich bin schon überdurchschnittlich robust. Aber ich glaube nicht, dass sie durch irgendeine besondere Veranlagung kommt. Als Kind war ich eine ganz große Heulsuse. :smile:

    Zweitens denke ich, dass nicht nur "das Richtige machen" (das Warum) eine Antwort ist, sondern dass auch das Wie relevant ist. Oder implizierst du das?

    Eben genau das, aber es gibt häufig keinen Unterschied. Das Richtige hat meistens einen innewohnenden guten Grund (man baut ja nichts auf, was man der Welt hinterlassen kann, weil man rote Beete mag, sondern weil man den eigenen Tod überdauern will).

    In der Debatte wird die Sinn-Frage massiv unterschätzt, ja!, aber auch die Rolle metakognitiver/spiritueller Kompetenzen. Bei Sinn und Kompetenzen beobachte ich katastrophale Unterentwicklung. Und die sehe ich nicht nur als selbstverschuldet an, sondern auch durch fehlende Erziehung bedingt. Also: Welche mentalen Werkzeuge brauche ich, um überhaupt wie Frankl aufrecht die Sinn-Frage beantworten zu können? Auch das ist eine relevante Frage.

    Wenn man die nicht hat, muss man sich eben auf die Suche machen. Gibt es irgendwelche Fälle, in denen man nicht selbst schuld ist? Ja. Wenn man nicht selbstverschuldet unmündig ist. Doch wer sich selbst als aufgeklärter Mensch sieht oder überhaupt als vollständiger Mensch angenommen werden will, muss sich selbst für verantwortlich erklären und damit indirekt auch schuldig am Istzustand.

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