Ist Containern moralisch erlaubt, verboten, geboten?

Diese Diskussion wurde aus Kommentaren zusammengefügt von: [Jost Ernährungstagebuch] Meine Ernährung.

Kommentare

  • Heute war alles schnell zubereitet und musste zwischendurch einfach praktikabel sein. Vieles im Kühlschrank ist vom Foodsharing (Rote Beete, Kohlrabi, Bratwurst, Quark). Foodsharing hat was von Jagen und Sammeln (eher sammeln). Man weiß nie, was dabei rauskommt, und letztlich improvisiere ich dann häufig.

    Das Jagen und Sammel- Feeling kenn ich nur zu gut. Ich hab mal viel foodsharing organisiert und bin derzeit nur am Container unterwegs.
    Für mich bedeutet dieses nächtliche los ziehen auch eine Form von Fürsorge für meine Sippe. Ähnlich wie den Garten zu bestellen.
    Nur mit thrill ob man nicht doch mal erwischt wird. :hushed:
    Und es ist natürlich einfach irre zu sehen, was da alles weg kommt. Es dann aufs Radl zu laden und mit Freude was schickes zu Essen zu haben ist eine Sache. Die andere Sache ist das es auch einem toten Tanz gleich kommt. Es ist die Feier des Überfluss den unser einseitiges Ernährungssystem in Zusammenhang mit dieser Supermarktlogik (z.B. dass immer alles verfügbar sein muss) produziert.

  • @Nackengeist schrieb:
    Das Jagen und Sammel- Feeling kenn ich nur zu gut. Ich hab mal viel foodsharing organisiert und bin derzeit nur am Container unterwegs.
    Für mich bedeutet dieses nächtliche los ziehen auch eine Form von Fürsorge für meine Sippe. Ähnlich wie den Garten zu bestellen.
    Nur mit thrill ob man nicht doch mal erwischt wird. :hushed:
    Und es ist natürlich einfach irre zu sehen, was da alles weg kommt. Es dann aufs Radl zu laden und mit Freude was schickes zu Essen zu haben ist eine Sache. Die andere Sache ist das es auch einem toten Tanz gleich kommt. Es ist die Feier des Überfluss den unser einseitiges Ernährungssystem in Zusammenhang mit dieser Supermarktlogik (z.B. dass immer alles verfügbar sein muss) produziert.

    Ich bin was Containern angeht zwiegespalten.
    Zum einen ist es gut, dass dadurch weniger Lebensmittel auf den Müll kommen. Abgesehen davon, dass für viele Produkte Tiere leiden oder sterben mussten(Nein, ich bin kein Vegetarier :P).
    Andererseits kauft man mit Absicht weniger ein, weil man beim Containern ja die Absicht hat, Lebensmittel for free zu bekommen.
    Eine Kalkulation die für den Verkäufer der Waren geschäftsschädigend ist. Als Ladenbesitzer wäre ich nicht besonders erfreut.
    Vll wäre eine Alternative, dass "ablaufende Lebensmittel" für 30-50% in jedem größeren Geschäft angeboten werden müssen.
    Teilweise sehe ich dies in Supermärkten, aber nur eine sehr kleine Auswahl und nie Gemüse oder Obst.

    Sorry, ich möchte den Sinn/das Thema dieses Threads nicht verändern..eventuell könnte man darauß einen Extra-Thread machen.

  • Zum einen ist es gut, dass dadurch weniger Lebensmittel auf den Müll kommen. Abgesehen davon, dass für viele Produkte Tiere leiden oder sterben mussten(Nein, ich bin kein Vegetarier :P).

    So seh ich dass natürlich auch. Viele Märkte machen bieten Lebensmittel früher reduziert an aber dieser Hebel ist begrenzt.
    Es gibt auch nicht unbegrenzt Platz in so nem Laden. Und abgelaufene Lebensmittel zu verkaufen ist zwar erlaubt aber wird kaum von Geschäften gemacht. Foodsharing funktioniert auch darüber, dass es die Abgeschriebenen Lebensmittel abholt.
    Viel lieber arbeiten Geschäfte meist aber mit der Tafel zusammen. Die schaffen es aber auch teilweise nicht alles abzuholen.
    Weil kein Bedarf da ist oder die Menge zu klein ist. Unter zu klein fallen auch Mengen der Größe eines gefüllten Einkaufswagen.

    Geschäftschädigend ist es in dem persönlichen Fall nicht wirklich. Kaufe in dem Laden nicht ein.
    Finde auch dass der Markt der Verantwortung der Verwaltung nicht gerecht wird. Da hab ich kein Mitleid.
    Allenfalls die Biogärtnerei bei der ich sonst mehr kaufe, leidet darunter. Was wirklich für mich dagegen spricht.
    Schließlich fließt weniger Geld zur Gärtnerei und damit wird auch nicht die Landwirtschaft unterstützt die ich mir eigentlich wünschen würde.

    Ein weiteres Argument dafür die Mülltonen zu plündern ist das es auch bedeutet der Müll wird zumindest zum Teil vorsortiert.
    Ich packe die Sachen schon dort aus und entsorg die Verpackungen dann dort im Plastemüll. Diese händische Sortierung
    findet in den Recyclinganlagen nicht statt. Der Müll wird geschreddert und dann durch ein Sieb gepresst, kleinere Plastikteile landen dabei im
    Kompost aus Biogasanlagen und schließlich auf den Äckern.
    Siehe hier:
    https://www.deutschlandfunk.de/endstation-acker-plastik-auf-dem-land.740.de.html?dram:article_id=426951
    und in diesen Podcast:
    https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/mikroplastik-ist-ueberall-in-wasser-erde-und-luft

  • Ich finde containern nicht gut. Das Argument, dass man dadurch dafür sorgt das weniger weggeschmissen wird ist auch nur sympthomatisch. Das Problem ist ja die Überproduktion, die Dekadenz der Menschen und die niedrige Wertschätzung von Lebensmitteln, mit containern tut man ja nicht wirklich etwas dagegen. Man bleibt Teil des Systems, nur das man dabei klaut.
    Natürlich finde ich es verwerflich das und wie viel Lebensmittel weggeworfen werden, aber Leute die diese Lebensmittel holen sind für mich Diebe.
    Sie nutzen das System Überproduktion aus um sich daran zu bereichern.
    Meine Meinung, aber bin gespannt was andere dazu sagen und welche Argumente, die ich vielleicht nicht kenne dazu noch kommen.

  • Bei meinen Arbeitskollegen geht zur Zeit die App "TooGoodToGo", bei welcher Geschäfte die Reste des Tages zum Spottpreis anbieten. Dieses Konzept halte ich für fairer, da der Geschäftsinhaber noch einen sehr kleinen Beitrag bekommt und sich die Kunden auf die Ware freuen.
    Drauf spekulieren, dass man die Ware des Tages zu 100% bekommt, kann man auch nicht, da es nur begrenzte Angebote innerhalb der App pro Geschäft gibt.

  • Das Problem ist ja die Überproduktion, die Dekadenz der Menschen und die niedrige Wertschätzung von Lebensmitteln, mit containern tut man ja nicht wirklich etwas dagegen. Man bleibt Teil des Systems, nur das man dabei klaut.

    Ja die Wertschätzung kriegt das Lebensmittel dann ja doch zum Teil weil es eben nicht mehr im Müll liegt sondern auf dem Teller.
    Aber dem Essen ist das wohl egal und ich stimme dir zu es ist kaum Teil bei der Lösung von Problemen.
    Persönlich halte ich es halt so, dass ich versuche mit dem Geld oder der Zeit die ich dabei spare möglichst fruchtbar zu sein.

    Sie nutzen das System Überproduktion aus um sich daran zu bereichern.

    Also das ist nicht so ganz einseitig. Es ist schon auch Arbeit containern zu gehen. Du musst abends raus wenn
    du eigentlich schon in Einschlafstimmung bist und dann am nächsten Tag sortieren.
    Wesentlich mehr weg schneiden und weiter verarbeiten. z.B. Obst dörren, Sauerkraut machen.
    Wenn es viel gibt und du nimmst mit was du transportieren kannst dann heißt das auch du
    musst kucken, dass du die Sachen weiter verteilst. Ist natürlich die Frage wie man das ausgestaltet.

    Die Sache mit dem Dieb beschäftigt mich.
    Wie würdest ihr es finden wenn Containern in Deutschland legalisiert wird?
    Das würde für den Supermarkt nichts ändern. Sein Eigentum wird weiterhin (von mir) entwendet.
    Nur der Staat hat beschlossen okay, das ist in Ordnung.
    Ist es dann -vorausgesetzt das war es vorher- nicht mehr moralisch verwerflich?
    Bin ich immer noch Dieb?

  • @Nackengeist schrieb:

    Sie nutzen das System Überproduktion aus um sich daran zu bereichern.

    Also das ist nicht so ganz einseitig. Es ist schon auch Arbeit containern zu gehen. Du musst abends raus wenn
    du eigentlich schon in Einschlafstimmung bist und dann am nächsten Tag sortieren.
    Wesentlich mehr weg schneiden und weiter verarbeiten. z.B. Obst dörren, Sauerkraut machen.
    Wenn es viel gibt und du nimmst mit was du transportieren kannst dann heißt das auch du
    musst kucken, dass du die Sachen weiter verteilst. Ist natürlich die Frage wie man das ausgestaltet.

    Das tut derjenige auch der einkaufen geht, der gärtnert und du musst ja nicht containern. Von daher ist das Argument schwach.
    Wenn ich das mit mir vergeleiche, ich helfe auf einem Bauernhof aus, bekomme dafür vorrangig das Fleisch was ich will, bezahle natürlich trotzdem dafür, aber bekomme halt die guten Stücke. Schmalz und Speck etc. ist kostenlos, dafür hacke ich sein Holz.
    Sauerkraut mache ich ebenfalls selbst, ebenso Dörrobst.
    Und selbst der "normale" Bürger, der sich etwas damit beschäftigt kann es selbst machen oder tut es.
    Wenn ich Arbeitskollegen höre wenn sie Samstagvormittag einkaufen gehen, was da immer los ist, auf den Stress hätte ich überhaupt keine Lust

    Die Sache mit dem Dieb beschäftigt mich.
    Wie würdest ihr es finden wenn Containern in Deutschland legalisiert wird?
    Das würde für den Supermarkt nichts ändern. Sein Eigentum wird weiterhin (von mir) entwendet.
    Nur der Staat hat beschlossen okay, das ist in Ordnung.
    Ist es dann -vorausgesetzt das war es vorher- nicht mehr moralisch verwerflich?
    Bin ich immer noch Dieb?

    Dann wäre es für mich immernoch eine Art Diebstahl. Ich finde auch Leute suspekt, die ständig von irgendwas gewinnen reden oder anderweitig mit möglichst wenig eigenem zutun etwas (möglichst günstig) haben wollen. Ist natürlich, klar, aber man will sich oft auf Kosten von anderen bereichern. Beim containern eben auf kosten des Supermarktes.
    Wir sind eine Gemeinschaft, zum Beispiel zahlst du ja als jemand der containert keine Steuern, mal außen vor das unser System seine Macken hat, es ist dennoch etwas für die Gemeinschaft bzw. dann nimmst du dein Gemeinschaftszutun heraus.
    Es ist mein eigener moralischer Maßstab und ich bin absolut für das Leistungsprinzip, wer etwas tut der soll auch etwas bekommen. Wer etwas mehr tut soll mehr bekommen. Für mich gibt es keine grundsätzliche Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit. Daher bin ich auch beispielsweise gegen Hartz4, besonders bei Leuten, die Angebote ablehnen oder sich zu fein für manche Arbeiten sind.
    Im Falle des Supermarktes tut er etwas für uns (stellt Waren zur Verfügung) und bekommt etwas dafür (unser Geld) und wir alle zahlen Steuern (Gemeinschaft).
    Ich meine das prinzipiell, ich lehne Supermärkte und die Überflussgesellschaft, die ja der Supermarkt verkörpert ab, daher kaufe ich da nicht, sondern auf dem Markt, wie gesagt es geht hier um containern an sich, nicht um pro/contra Supermarkt.

    Es ist ein bisschen so ein Ungeist dieser heutigen Zeit, dass viele Menschen auf ihre Rechte pochen, aber ihre Pflichten gern vergessen.

  • Das tut derjenige auch der einkaufen geht, der gärtnert und du musst ja nicht containern. Von daher ist das Argument schwach. (...)

    Das habe ich nicht deutlich rüber gebracht. Sollte keine Argument sein. Es beschreibt die Art und Weise wie das von statten geht.
    Klar alle diese Handlungen kann ich auch mit Sachen aus dem Garten machen (Mach ich auch) und das ist dann auch Fürsorge.

    Ich entscheide mich dafür, weil ich es falsch finde dass da Essbares im Müll liegt. Ich kümmere mich um den Kram weil für mich Essen einen hohen Wert hat. Denn es wird aus Allgemeingüternwie Erde, Luft, Wasser etc. erzeugt.

    Wir sind eine Gemeinschaft, zum Beispiel zahlst du ja als jemand der containert keine Steuern, mal außen vor das unser System seine Macken hat, es ist dennoch etwas für die Gemeinschaft bzw. dann nimmst du dein Gemeinschaftszutun heraus.

    Da irrst du dich. Wir sind natürlich eine Gemeinschaft. Das zahlen von Steuern ist doch nicht der einzige Beitrag den man an
    die Mitmenschen gibt. Zum Beitrag an Andere zählt auch Essen aus dem Müll weiter zu verteilen oder sich um seine Nachbarn zu kümmern, Allgemeingüter zu pflegen, Obstbaumschnitt für Friends etc.

    Was aber noch der wichtigere Aspekt ist, ist der Imperativ der sich aus deiner Aussage ergibt.
    Den lese ich so: Wenn du was ver- oder gebrauchst ist Bedingung etwas für die Gemeinschaft zu tun per Zahlung von Steuern.
    Was dabei rausfällt:
    Subsistenzwirtschaft aller Art: Möbel bauen, Kleidung nähen, Gemüse anbauen, Wildkräuter sammeln
    Tauschen von Dingen/Dienstleistungen zwischen 2 Parteien: Äpfel gegen Kartoffeln oder Holz hacken gegen etwas Schmalz und Speck.
    Reparieren von Dingen: Denn dann kauft man keinen neuen Schrank mehr bei IKEA; oder bringt das Fahrrad zum Rad laden.

    Es ist ein bisschen so ein Ungeist dieser heutigen Zeit, dass viele Menschen auf ihre Rechte pochen, aber ihre Pflichten gern vergessen.

    Sprichst du mich damit an?
    Rechte sind Menschen gemacht. Ich habe kein Recht dazu zu containern. Ich bediene mich des Mittels und trage das Risiko der Bestrafung.

  • Rein juristisch gesehen ist das Containern Diebstahl. Dass es sich aber um einen komplexen Sachverhalt handelt, zeigt auch die Tatsache, dass Marktleiter unterschiedlich damit umgehen. Es wird teilweise geduldet, akzeptiert, oder, wie in dem Fall hier bei München, verfolgt.
    Nimmt jemand etwas aus dem Regal mit, ohne zu zahlen, gibt es diesen differenzierten Umgang wohl nicht. Das zeigt, dass hier nicht nur eine juristische, sondern auch eine moralische Dimension eine große Rolle spielt.
    In meinen Augen ist Containern moralisch positiv zu bewerten und keinesfalls verwerflich. Der Umgang mit Lebensmitteln, wie er in unserer Gesellschaft stattfindet, ist eine teilweise doppelte Vergewaltigung der Schöpfung: erst werden Lebensmittel unter teils fragwürdigen Bedingungen hergestellt, dann ohne Not weggeworfen und entsorgt. Das Containern zeugt diesen Lebensmitteln zumindest noch eine Art von Respekt.
    Da es aber meiner Meinung nach kein Zeichen ist, was positive Signalwirkung hat, kann ich nur an alle, die containern, appellieren, sich stattdessen zum Beispiel bei Foodsharing zu engagieren. Das gibt es bereits in allen größeren Städten, und wo es das nicht gibt, kann man es ziemlich unbürokratisch selber auf die Beine stellen (das haben wir zuvor auch getan in einem ländlichen Gebiet im südlichen Bayern).
    Was aber hier der wichtigste Punkt ist: Wir reden von individuellen Perspektiven und Handlungen. Dabei handelt es sich bei der Lebensmittelverschwendung um ein Phänomen, was politisch eingedämmt werden muss (was z.B. in Frankreich ja auch passiert ist). Ähnlich wie bei Klimafragen ist es dem einzelnen Mitglied der Gesellschaft gegenüber unangemessen, dass die Verantwortung gern komplett auf ihn abgeschoben wird. Der Staat kommt hier seiner Pflicht, im Sinne der Bürger zu arbeiten, nicht nach, und das sollten wir entsprechend auch fühlen.

  • bearbeitet 1. Dezember

    Es ist mein eigener moralischer Maßstab und ich bin absolut für das Leistungsprinzip, wer etwas tut der soll auch etwas bekommen. Wer etwas mehr tut soll mehr bekommen. Für mich gibt es keine grundsätzliche Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit. Daher bin ich auch beispielsweise gegen Hartz4, besonders bei Leuten, die Angebote ablehnen oder sich zu fein für manche Arbeiten sind.

    Bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe. Du bist dagegen, dass Menschen in unserer Gesellschaft so etwas wie Arbeitslosengeld II bekommen (oder eine Grundsicherung)? Hast du dich mit den Einzelschicksalen von Langzeitarbeitlosen beschäftigt?
    Das Bundesverfassungsgericht hat zu ALG II und Sanktionen ja vor kurzem eine Entscheidung getroffen.

    Containern ist ethisch komplex, viel Glück das genau aufzuschlüsseln.
    Wir haben ein Verteilungsproblem in unserer Gesellschaft, was bei Nahrung dafür sorgt, dass wir extrem viel wegwerfen (Siehe dazu auch die Doku "We feed the world"), gleichzeitig ist die konventionelle Landwirtschaft schlecht für Boden und Wasser. Möglicherweise stellt sich die "Aladin-Frage" oder die "Robin-Hood-Frage". Wer hat wem zuerst wie viel wo weggenommen?
    Wir verstehen heute, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Containern ist im Grunde die Antwort auf dieses Verständnis. Containern geht ja überhaupt nur in der Gesellschaft, die mehr produziert als sie braucht. Food Sharing von Raphael Fellmmer ist ja der legalisierte Weg. Von jemandem ins Leben gerufen, der selbst viel containernd hat und merkte, das es hier ein Problem gibt. Klassisches Food Sharing ist übrigens wirklich das gleiche wie Containern, nur dass es bewilligt ist. Die Foodsharer bezahlen dem Supermarkt nichts. Beim Foodsharing herrscht eine recht strenge Ethik, um Verteilung und "Professionalität" zu gewähren. Man könnte behaupten, dass Supermärkte dazu verpflichtet sein sollten, so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Man kann behaupten, dass hier der gesellschaftliche Wandel halt einfach von den Bürgern kommt, bevor ein besseres Gesetz der Wegwerfkultur Einhalt gebietet. Vielleicht kommen wir in der Zukunft dahin, dass kaum noch weggeschmissen wird (wie es über die meiste Zeit der Menschheit auch war).

    Geschäftschädigend ist es in dem persönlichen Fall nicht wirklich. Kaufe in dem Laden nicht ein. Finde auch dass der Markt der Verantwortung der Verwaltung nicht gerecht wird. Da hab ich kein Mitleid. Allenfalls die Biogärtnerei bei der ich sonst mehr kaufe, leidet darunter. Was wirklich für mich dagegen spricht. Schließlich fließt weniger Geld zur Gärtnerei und damit wird auch nicht die Landwirtschaft unterstützt die ich mir eigentlich wünschen würde.

    Das lässt sich ja Regeln: Mit der Biogärtnerei sprechen und sagen, man hat beobachtet, dass sie Dinge wegschmeißen, die man noch nutzen kann, und ob sie sich denn nicht
    A) am Food Sharing beteiligen wollen. Oder:
    B ) Das Essen der Tafel spenden wollen. Oder:
    C) Dir das geben wollen und du bezahlst einen rabattierten Preis. (weiß nicht wie das rechtlich ist)

    Da sich viele Supermärkte dem Food Sharing angeschlossen haben, ist es die Frage wie sehr das Argument der Geschäftsschädigung schwerer wiegt als der gesellschaftliche und ökologische Nutzen des Food Sharings.

    Hier noch zwei Links:
    https://foodsharing.de

    https://sirplus.de

  • @MaxMustermann schrieb:
    Andererseits kauft man mit Absicht weniger ein, weil man beim Containern ja die Absicht hat, Lebensmittel for free zu bekommen.

    Diese Pauschale möchte ich um eine Perspektive erweitern: Ich nicht. Zugegeben, ich containere nicht, weil wir hier auf dem Land praktisch kein Potenzial dafür haben. Aber wenn ich irgendwo abgelaufene oder weggeworfene Lebensmittel hole, dann nicht, weil das billiger ist. Sondern, allein weil ich es für falsch halte, diese Dinge wegzuwerfen. Ich finde es obszön. Ich habe nicht viel Geld, aber genug für Lebensmittel und ich leiste mir, was ich möchte.

    Mein Nachbar hat am Wochenende ein Rind geschlachtet. Er kann mit Leber, Herz, Niere, Nierenzapfen nichts anfangen. Das ist übrigens auch rechtlich ein Problem: Innereien sind erheblich komplizierter für solche kleinen Landwirte zu verkaufen. Das Zeug landet im Müll, wenn ich es nicht abhole. Ich habe es abgeholt. Ich hatte keine Zeit und keine Lust dazu, dann noch zwei Stunden in der Küche alles zu zerlegen und einzufrieren. Ich machte es trotzdem, weil ich mich verpflichtet fühle, diese Sachen einer guten Verwendung zuzuführen.

    Mein Landwirt könnte das natürlich als Tierfutter irgendwo in einem Wald ablegen, dann ist es auch nicht "verschwendet". Ist aber auch unpraktisch und so ein Landwirt hat meist wenig Zeit. Ich bekomme das Zeug also gratis, aber das ist nicht mein Ziel. Dem Landwirt ist es egal, er ist froh, dass er es nicht entsorgen muss.

    Ich hole auch Möbel und Rohstoffe vom Sperrmüll. Aus dem gleichen Grund: Da stehen Massivholzmöbel, teils mit großem handwerklichen Können gefertigt und mir wird übel wenn ich sehe, dass die jetzt vernichtet werden sollen, während zugleich niemand mehr solche Möbel in dieser Form herstellt (mein Vater war Tischler). In meinen Augen sind es auch Rohstoffe (man denke an schwere Metallteile und die Energie, die da hineingeflossen ist).

    Der Unterschied: Beim Sperrmüll ist es in der Regel kein Diebstahl.

    Containern zum Diebstahl zu erklären und zu argumentieren, der containerer würde dann kein Geld mehr in den Laden des armen Marktbesitzers bringen (ehrlich?) finde ich absurd vor dem Hintergrund, dass es dem Laden gut genug geht, regelmäßig seine Lebensmittel wegzuwerfen. Ich nehme keinem Marktbesitzer ab, dass dort etwas anderes im Spiel ist als Missgunst.

    Deswegen finde ich gut, dass Joseph das Verteilungsproblem anspricht. Das erinnert mich daran, wozu es denn Produktion und Läden überhaupt gibt: Um Menschen satt zu machen (zumindest ursprünglich). Das gelingt. Prima.

    Das containern mag das Problem der Überproduktion nicht lösen, jedoch verschlimmert es Probleme auch nicht. Wobei mein Eindruck ist, dass genau diese Diskussion ein Anstoß zum Finden einer Lösung sein wird.

  • Das lässt sich ja Regeln: Mit der Biogärtnerei sprechen und sagen, man hat beobachtet, dass sie Dinge wegschmeißen, die man noch nutzen kann, und ob sie sich denn nicht
    A) am Food Sharing beteiligen wollen. Oder:
    B ) Das Essen der Tafel spenden wollen. Oder:
    C) Dir das geben wollen und du bezahlst einen rabattierten Preis. (weiß nicht wie das rechtlich ist)

    Achso, ne ich kaufe nur weniger ein weil das containerte Essen ja schon da ist. Ist um die Ecke gedacht.
    So wie: Wer schon 3 Stücke Kuchen gegessen hat ist vermutlich nich noch einen großen Salat hinterher.

    Da es aber meiner Meinung nach kein Zeichen ist, was positive Signalwirkung hat, kann ich nur an alle, die containern, appellieren, sich stattdessen zum Beispiel bei Foodsharing zu engagieren. Das gibt es bereits in allen größeren Städten, und wo es das nicht gibt, kann man es ziemlich unbürokratisch selber auf die Beine stellen (das haben wir zuvor auch getan in einem ländlichen Gebiet im südlichen Bayern).

    Danke für deinen Appell. Seh ich im Prinzip auch so. War auch schon mal Botschafter in einer anderen Stadt.
    Werde es hier vor Ort nochmal anschieben.

    Sag mal @Jost wie hältst du es den mit Fleisch aus konventioneller Haltung?

  • @Nackengeist: Mir ist schon bewusst, dass dieses Thema nicht so ganz einfach ist, vorallem weil es ja leider eine Tatsache ist, dass viel zu viel Zeug weggeworfen wird.
    Nur nochmal containern um sich zu "bereichern" ist für mich einfach Diebstahl. Das manche Leute das aus heheren Gründen tun und deine Gründe sind plausibel, ganz klar, ist mir auch bewusst, aber containern ändert nichts an dem System Überproduktion.
    Mal kurz auch zu meinem Standpunkthintergrund: Containern kenne ich von einem Bekannten, der auf einem Bauwagenplatz lebt, kein Bock hat auf Arbeit in diesem "Scheißsystem", der containert, weil er einfach kein Geld hat, weil saufen, kiffen und Bullen kloppen eben nicht so gewinnbringend ist. Der heuchelt auch solche Gründe vor, die ja positiv zu bewerten sind, es aber vor seinem Hintergrund aber einfach nicht sind.
    Vor diesem Hintergrund -und viele Leute schützen einen tollen Beweggrund vor- ist containern zwar nicht sinnfrei (Lebensmittel werden auch nach ablauf des Verfalldatums genutzt), aber meist nur ein heuchlerischer Akt. Dagegen sträube ich mich ganz einfach.
    Das Problem wird nicht angegangen, sondern nur das Symptom.
    Das das bei dir anders ist, lese ich heraus und in einem solchen Fall, ist es für mich zwar irgendwo immernoch Diebstahl, aber ich kann es akzeptieren. Weil es dabei ein ganz anderes Warum ist.

    Natürlich kann man seinen Teil nicht nur über Steuern beitragen, es war nur ein Punkt. Ich will mich da auch gar nicht so am Geld festnageln, weil ich wie gesagt Supermärkte überhaupt nicht unterstütze. Es geht mir viel mehr darum, dass bei der ganzen Sache die Gemeinschaft im Vordergrund stehen sollte und nicht mein egozentrisches Selbst. Habe mich da im Vorpost missverständlich ausgedrückt.
    Wie im Absatz vorher geschrieben, sind es zuviele Leute, die so tun als würden sie etwas ganz tolles für die Welt tun. Da braucht man nur mal in einen Biosupermarkt zu gehen. Die Leute kaufen fleischfrei, weil es ja angeblich das Klima schützt, tragen irgendwelche Esoterikerklamotten, fahren mit dem Auto bis in die Tiefgarage unter dem Laden und kaufen Zeug aus aller Herren Länder im Namen des Biokults. 2 Straßen weiter ist der Marktplatz wo Bauern von hier, ihre Ware von hier anbieten, die sind zwar nicht so hipp, wahrscheinlich nicht mal so teuer, aber da steht einfach oft nicht Bio drauf.
    Wie immer zählt für mich hier das warum tue ich das? Gebe ich meiner Umgebung und Gemeinschaft den Wert, den es verdient, den ich selbst in diese Welt tragen will oder tue ich es aus rein egoitischen Gründen?
    Hoffe es ist verständlich was ich meine.

    Nein ich habe das in den Raum geworfen, nicht dich damit gemeint. Weil es in diesem Thema einfach auch gut passt. Mein Pflicht ist es nämlich in diesem Fall keine Lebensmittel wegzuwerfen, auch wenn ich das Recht dazu hätte. Ebenso ist meine Pflicht andere dazu ebenfalls dazu anzuhalten, damit containern obsolet wird.

    @Joseph_Bartz: Nein, das hast du nicht ganz richtig verstanden, habe ja ein Beispiel dazu genannt. Unser Sozialsystem in Deutschland wird fast einzigartig auf der Welt sein und ich finde es sehr gut, das man im Falle des Falles abgesichert ist. Nur wird unser Sozialsystem wahrscheinlich auch auf einzigartige Weise ausgenutzt und das finde ich nicht richtig. Hier ist wieder das Ding Rechte und Pflichten, geben und nehmen. Wir haben eine gewisse Bringschuld, eine Pflicht zur und ein Recht auf Arbeit. Meiner Meinung nach soll jemand der aufgrund von Unfall, Schicksalsschlag oder anderen Notständen nicht arbeiten kann, von den arbeitenden mitfinanziert werden. Aber jemand der aus fadenscheinigen Gründen Termine beim Amt nicht wahrnehmen kann, soll Stück für Stück seine Leistungen gekürzt kriegen. Und ja ich kenne die Gründe, denn meine Schwester arbeitet in dem Sektor und ja ich kenne Leute, die Langzeitarbeitslos sind. Solche und solche.
    Zudem nehme ich immer gerne Obdachlose mit, ihre Lebensgeschichten sind teils wirklich hart.

    Zum Thema: Ich finde auch das Supermärkte verpflichtet werden sollten weniger wegzuschmeißen, frühzeitig Ware die kurz vor dem Ablauf des Verfallsdatums (möglicherweise) rabattiert auffällig angeboten werden (vielleicht statt dem Rammsch den keiner braucht bei den Kassen). Aber ebenso sollte man eine Mentliät entwickeln (eigentlich Wahnsinn, dass man so etwas wieder entwickeln muss) und weitergeben, dass es nicht normal ist ständig randvolle Regale im Supermarkt vorzufinden und Essen wegzuwerfen. So etwas kann im Umfeld kommuniziert werden und vielleicht politisch über die Bildung in der Schule erfolgen. Es ist hier auch nicht nur der Staat und nicht nur der Bürger Schuld. Es ist auch egal wer Schuld ist, wir müssen es ändern so oder so.
    Es wird ja erwartet, dass die Regale die volle Auswahl bringen, nicht nur in den großen Supermärkten. Mein Bauer holt beispielsweise Brot- und Gebäckreste bei Biobäckern (Schweineeimer), allerdings wird hier immer weiter ein Riegel von der Politik vorgeschoben, Bauern dürfen ja von Restaurants nicht mehr die Essensreste abholen und an die Schweine verfüttern.

    @Felix: Wie schon erwähnt geht es mir bei dem Thema nicht um die Supermärkte an sich, sondern aus dem Grund WARUM containert wird. Warum so vieles getan wird? Wer macht sich denn ernsthaft Gedanken darum? Naja hier in dem Forum, richtig, aber wir sind ein Furz im Wind.
    Es ist nicht richtig containern grundsätzlich abzulehnen, gebe ich zu, aber ebenso ist es eine Traumvorstellung, dass alle Containerer (wie auch immer die bezeichnet werden) hehre Gründe haben.
    Im übrigen erkläre ich Containern nicht zum Diebstahl, sondern es ist Diebstahl, rein juristisch betrachtet. Es müssen Lösungen dafür her und die sollten meiner Meinung nach nicht sein containern legal zu machen, sondern das Wegwerfen von Lebensmitteln zu stigmatisieren, rechtliche Möglichkeiten müssen geschaffen werden, dass das was dennoch weggeworfen wird sinnvoll zu nutzen (Tafel, Schweineeimer, etc.).
    Im Prinzip hast du Unrecht, wenn du sagst containern verschlimmert die Sache nicht, denn damit gibst du ja einen Grund Lebensmittel wegzuwerfen "es kommen ja die Lebensmittelsammler" bzw. wird es dadurch bagatellisiert. Es wird protestiert, das Leute die Containern als Kriminelle gesehen werden, es wird aber nicht protestiert oder boykottiert, wenn ein Supermarkt soviel Zeug wegwirft. Findig wie unser Kapitalismus heute ist wird sicher da auch noch ein Geschäft draus.
    Es geht mir -wie mehrfach gesagt- darum, dass hier an Symptomen rumgedoktort wird. Das Gute an dieser Diskussion hier ist ja, das genau das auf den Tisch kommt, der Grund, die Ursache und eventuell Lösungsansätze.

  • @Nackengeist schrieb:

    Sag mal @Jost wie hältst du es den mit Fleisch aus konventioneller Haltung?

    Wenn ich Fleisch kaufe, dann niemals aus konventioneller Haltung und wann immer es geht vom regionalen Bauern. Ich esse aber sehr wohl (nicht oft) konventionell produziertes Fleisch, wenn ich es über Foodsharing bekomme.
    Analoges gilt für andere tierische Produkte und ebenfalls Obst/Gemüse.

  • bearbeitet 3. Dezember

    @Pinocio: Vielen Dank für deine Antwort. Mit deinem letzten Absatz erinnerst du mich an ein für mich neues Erlebnis. Ich arbeite seit einiger Zeit gelegentlich als Koch bei kleinen Veranstaltungen. An diese Arbeit gehe ich natürlich mit dem gleichen Anspruch heran, wie an das Kochen zu Hause. Das heißt: Nichts, nicht ein Gramm, wird weggeworfen.

    Dachte ich. Mich hat dann überrascht, dass natürlich selbst bei nur 12 Gästen Reste entstehen, dass Fleisch einfach liegenbleibt, sogar dass Leute sich mehr Fleisch nehmen, als sie essen können und es auf dem eigenen Teller liegenbleibt. Der Müll, den wir an so einem Abend produzieren, erstaunt mich. Die Lebensmittelreste sind bedrückend. Ins Schweinefutter dürfen sie nicht (kaum zu fassen, aber wahr). Der Chef nimmt sie dann für seinen Hund mit. Wenn ich sie nicht selbst vorher einstecke fürs Frühstück.

    Mit der Restaurantbranche beschäftige ich mich schon länger und es gibt überall Versuche, diese Verschwendung (Verpackungen, Lebensmittel, Energie) zu minimieren. Mir ist klargeworden, dass die Verschwendung jedoch Teil des Systems ist.

    Essengehen im Restaurant, Einkaufen im Supermarkt - das ist Komfort. Bequemlichkeit. Entweder, es ist genug Ware im Regal oder es ist zu wenig. Zu wenig wollen wir nicht, sonst verhungern wir schließlich auf der Stelle. Also muss zu viel ins Regal, also muss es Überschuss geben und für einige kritische Waren wie Fleisch bedeutet das zwingend: Es kommt auf den Müll.

    Für andere Waren könnte und wird man vermutlich an der Handhabung des MHD arbeite, damit man sie künftig einfacher an die Tafeln etc abgeben kann. Andererseits: Wenn man das MHD vernünftig handhabt und ein "Best before" daraus macht, kann es ja gleich auch im Regal bleiben.

    Ich gehöre nicht zu denen, die sagen würden: Das System kann man nicht ändern. Aber in diesem Fall sehe ich keinen Ansatz. Niemand wird in den nächsten zwanzig Jahren bereit sein, auf den Komfort von Supermarkt, Discounter (und Restaurant) zu verzichten. Und ich sehe auch nicht "das System" oder "die da oben" als alleinige Ursache. Vielmehr erlebe ich und ihr alle vermutlich auch jeden Tag den Mangel zur Bereitschaft, auch mal auf etwas zu verzichten. Man denke nur mal an die Verträge der Filialbäckereien in vielen Supermärkten, die vom Supermarkt gezwungen sind, sämtliche Brotsorten bis z.B. 18 Uhr vorrätig zu halten, als Beitrag zur "Attraktivität".

  • Das etwas liegen bleibt passiert nicht nur in Restaurants, das passiert überall sogar in der Familie. Glücklicherweise fahre ich da so eine harte Linie, dass ich bei Familien-, Geschäfts- oder Freundenessen das ganz klar benenne und die Leute wirklich dafür "ausschimpfe". Ich koche wirklich sehr sehr gerne für Freunde und Familie, stecke sehr viel Zeit und Mühe da rein. Meine Nichte und mein Neffe, genauso wie mein Schwager haben mittlerweile zumindest bei mir den Respekt aufzuessen und sich nur so viel zu nehmen, wie sie wirklich essen können. Habe da ganz rigeros gesagt, wer sein Teller nicht leer ist steht von diesem Tisch nicht auf, Nachtisch gibt es dann sowieso nicht und zum Essen brauchen sie zu mir nicht mehr zu kommen, die kleine hat sogar geweint, weil alle Nachtisch hatten, nur sie nicht. Statt zu sagen, na gut wenn es so schlimm ist, dann bekommst du einen Kleks, habe ich gesagt, wenn du deinen Teller leer isst, dann kriegst du etwas. Sie war bockig und hat zum bossen nicht aufgegessen...aber danach jedes Mal.
    Genauso meine Arbeitskollegin, ihr tun die Tiere so Leid, daher isst sie kein Fleisch, aber billigst Milchprodukte aus dem Discounter, sie hört natürlich jedes mal von mir ein leises muhen, als Erinnerung, dass so ein Kälbchen ohne Mutter klingt. Sie schwadroniert von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, aber hat bei einem Weihnachtsessen ihr Essen zurückgehen lassen, weil die Nudeln etwas zu weich gekocht waren: Hab ihr gesagt, dass das für mich ein Mangel an Charakter ist, sie hätte es essen und nachher anmerken können eventuell einen Preisnachlass verlangen können, aber nicht ein ganzes Essen dem Müll preis geben. Meine anderen Kollegen haben verlegen geschaut, im Nachhinein aber gesagt, das sie das schon gut fanden. Das Essen habe ich mir übrigens einpacken lassen und selbst gegessen.

    Was ich damit sagen will, ist das man das in seinem Umfeld wirklich ganz klar sagen sollte, es ist nämlich fern jeder Ideologie einfach falsch solch einen Brotfrevel zu begehen.

    Zur Systemänderung, ja es ist heute sehr schwer die Hoffnung nicht zu verlieren. Es gibt zwar viele gute Strömungen und Bestrebungen, aber das kommt meist von Minderheiten, die breite Masse ist dafür nicht zugänglich und zu oft folgt der Satz: Es bringt nichts, wenn nur ich etwas ändere, die andern machen ja so weiter. Das ist nur eine dumme Ausrede.
    Doch die Änderung wird zwangsläufig kommen, die Welt ist endlich und wenn ihre Grenze erreicht ist, was bei unserem rasanten Wachstum natürlich schneller und unvorhergesehener passiert, gibt es keine Ausrede mehr, dann ist es die Notwendigkeit. Man will es nicht hoffen, doch manchmal scheint mir eine harte Zeit notwendig zu werden damit man sich wieder besinnt.

  • @Pinocio schrieb:
    Man will es nicht hoffen, doch manchmal scheint mir eine harte Zeit notwendig zu werden damit man sich wieder besinnt.

    Absolut. "Es muss uns erst schlechter gehen, damit es uns mal wieder besser geht", haben wir neulich in einer Diskussion erörtert. Meine Argumentation lief so, dass ein Zerfall der EU-Wirtschaftsunion zu weniger Wohlstand für alle führt (bzw: höhere Preise), dafür aber die Gemeinschaften wieder stärker werden eben weil alles wieder etwas kleiner wird. Und in der Folge heilen brennen viele Ursachenherde aus, über die Sascha unter dem Thema "Die Moderne als Krankheit" schreibt. Und as Containerthema bzw das zugrundeliegende Verteilungsproblem ist ein Teil davon.

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