Unbequeme Gespräche führen

Wie konfrontationsfreudig seid ihr bei Themen, die euch wichtig sind? Und mit Gesprächspartnern, die euch im Zweifel ebenfalls wichtig sind? Drei Beispiele:

a) im Kollegenkreis wird von Urlauben erzählt: Malaysia, Südafrika... sagt ihr dann so etwas wie "Flugreisen als Urlaub? Finde ich unverantwortlich..." (wahrscheinlich wurde genau 10 Minuten zuvor ja im gleichen Kreis über die so bedeutsame Leistung Greta Thunbergs o.ä. gesprochen) oder hört/geht ihr einfach weg?

b) beim Abendessen im Restaurant mit Freunden. Alle wissen, ihr esst gern Fleisch. Ihr bestellt aber etwas vegetarisches und es kommt zur Frage "Warum?". Die wahrheisgetreue Antwort "ich weiß nicht, woher das Fleisch hier kommt, ob das Tier Medikamente bekommen hat und artgerecht gehalten wurde" führt nicht zu guter Laune bei denen, die es sich gerade schmecken lassen. Sagt ihr es trotzdem?

c) in der eigenen Ursprungsfamilie sind Karriere, Wachstum, Marktwirtschaft etc. feste Bestandteile des Lebenskonzepts und unter anderem die Grundlage für den Wohlstand, den ihr selbst heute habt. Wie sehr würdet ihr bei Tischgesprächen Kapitalismuskritik, Minimalismus etc. ansprechen, obwohl eure Eltern euch u.a. genau dadurch zu dem guten Leben verholfen haben, das ihr führt?

Ich kann beide Seiten, also Harmoniebedürfnis (eher früher) wie auch Freude an Konflikt und ehrlichen Diskussionen (eher heute), nachvollziehen. Wie handhabt ihr das? Kennt ihr ähnliche Situationen?

Kommentare

  • Ich habe den ausgesprochenen Deal in manchen Freundeskreisen, dass wir nicht über Politik und Religion sprechen. Die Freundschaft wird einfach als wichtiger angesehen, als die Erzeugnung einer möglichen Spaltung/Entfremdung aufgrund von verschiedenen Meinungen.

    Bevor wir dies eingeführt haben, war z.B. Israelisch-Palästinensischer Konflikt ein Dauerthema, so dass aufgrund von verschiedenen Glaubensrichtungen, unterschiedlichen Informationsquellen und Erfahrungen wir einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner kamen.

    Ebenfalls habe ich Freunde, mit denen ich solche Themen offen bespreche, da ich weiß, dass diese objektiv und rational denken und nicht emotional werden, wenn es um die Diskussion diverser Themen geht. Bei diesen Freunden geht es aber keinesfalls nur um Personen, die ebenfalls automatisch meine Meinung haben.

    Zu deinen Themen A und B:
    Ich denke, wenn man sich aktiv dafür entscheidet zu fliegen oder ein Stück Fleisch zu essen, kann man dies tun.. man sollte sich nur dessen bewusst sein und es es Maßen halten.
    Ähnlich wie bei Süßkram: Natürlich kann man sich Selbstkasteien oder aus der eigenen Anschauung heraus so diszipliniert sein, bis zum Lebensende kein Stück Eiscreme oder Schokolade anzurühren, aber ob diese 100%ige Konsequenz notwendig ist, lasse ich mal offen.

  • Die Beispiele sind gut, weil sie zeigen, dass soziale Kompetenz nahelegt auf die Situation angemessen zu reagieren.

    d) Mein Onkel predigt gan unbekümmtert, dass Avocado so gesund ist, weil sie so mager sei. Sage ich etwas dazu? Nein. Mir ist das völlig egal.
    e) Meine Mutter will sich die millionste Zichte anstecken, wenn wir im Auto sitzen. Das verbiete ich ihr.

    zu den Beispielen:

    a) Wenn zuvor der Greta Puderzucker in den Arsch geblasen wurde, dann würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas sagen. Würde auch direkt etwas sagen: "Schön, dass du unsere Erde zerstörst. Immerhin machst du es bewusst."
    b) Würde es eher kurz formulieren: "Esse nur Fleisch, von dem ich weiß, woher es kommt." Mehr nicht. Wenn dann Nachfragen kommen, würde ich sagen: "Wir können uns darüber unterhalten. Aber ich denke, dass es der Stimmung abträglich ist." Wer dann mitmacht, ist selbst Schuld.
    c) Sachlich bleiben. Würde meine eigenen Werte vertreten, aber ich habe mir schon lange abgewöhnt in die Sicht anderer Leute hineinzureden. Würde als tendentiell einfach schweigen und über irgendwas nachdenken.

    Das Problem solcher Gespräche ergibt sich oft aus der Haltung der Beteiligten zu Gesprächen überhaupt. Mit meiner Tante beispielsweise rede ich fast gar nicht über irgendwelche Sachen, weil sie eine bizarre Mischung aus Cholerik und Anspruch auf Allwissen ist. Wenn mir das zu bunt wird, dann packe ich sie mir, werfe sie über die Schulter oder entwaffne sie mit einem "Weißt du was? Ich habe dich lieb." Dann weiß sie nicht, was sie sagen soll. Und Ciao Kakao.

    Am Ende sind es einzelne Menschen und nicht Situationen, mit denen man umgeht.

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