Über den Begriff der Gewohnheit

Diese Diskussion wurde aus Kommentaren zusammengefügt von: Wichtigste Gewohnheit eures Lebenswandels.

Kommentare

  • @Sascha Ja, ich habe einen sehr engen Begriff von Gewohnheit. Über "schwammige Gewohnheiten" kann ich nur "schwammig" sprechen. Und ehe ich mich versehe, spreche ich dann schon wieder über zehn andere Sachen und nicht mehr über Gewohnheit.

    Wie hast du Gewohnheit eigentlich definiert? Spontan kommt mir "wiederholtes Verhalten" in den Sinn.
    Wikipedia sagt: "Als Gewohnheit (auch Usus, von lateinisch uti „gebrauchen“) wird eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise bezeichnet, die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen wie automatisch nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird, wenn sie nicht bewusst vermieden oder unterdrückt wird. Es gibt Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens."

    Jetzt drifte ich vom Thread-Thema ab. Ist bei diesem Thread hier vielleicht etwas unpassend, wenn sich z.B. jemand irgendwann die gesammelten Beispiele als Inspiration durchlesen möchte. Vielleicht machen wir einen separaten Thread auf, um uns auf ein paar Diskussionsregeln zu verständigen? (vom Thema abschweifen usw.)

  • @Gnahn schrieb:
    @Sascha Ja, ich habe einen sehr engen Begriff von Gewohnheit. Über "schwammige Gewohnheiten" kann ich nur "schwammig" sprechen. Und ehe ich mich versehe, spreche ich dann schon wieder über zehn andere Sachen und nicht mehr über Gewohnheit.

    Wie hast du Gewohnheit eigentlich definiert? Spontan kommt mir "wiederholtes Verhalten" in den Sinn.

    S. 30. in R&A. :smile:

    Gibt in meinem Zettelkasten viele Definitionen. Hier sind ein paar:

    Gewohnheit als Entscheidungsgarantie

    Eine Gewohnheit ist eine automatisch ablaufende Handlung. Wenn die Umstände gleich sind, bzw. bestimmte Auslöser gegeben sind, folgt die Handlung ohne Entscheidung dazu.

    Man hat durchaus die Möglichkeit zu intervenieren. Diese Möglichkeit ist dann gegeben, wenn man auch sein unbewusstes Handeln bewusst beobachten kann.

    Gewohnheit als Charaktersubstanz

    Der Charakter eines Menschen ist unmittelbar durch seine Gewohnheiten bestimmt.

    Sow a thought, reap an action; sow an action, reap a habit; sow a habit, reap a charakter; sow a charakter, reap a destiny (...) 1

    Beispiel: Wenn ich jeden Abend im Bewusstsein koche, das sich eine gesunde Ernährung brauche, um in der Welt wirksam zu sein, entwickle ich ein Verhältnis zu mir selbst, wie zu jemanden, um den ich mich kümmere.

    Gewohnheit als Teil der Sinnkarte

    Sind Gewohnheiten real? Irgendwie nicht. Denken wir darüber nach, kommen wir schnell zum Schluss, dass Gewohnheiten Konstrukte sind, Hirngespinste gewissermaßen. Wir können sie nicht sehen. In unserem Wohnzimmer liegt eine Yogamatte und der morgendliche Sonnengruß. Doch selbst, wenn wir gründlich darüber nachgedacht haben, gehen wir wie jeden Morgen noch etwas schlaftrunken ins Wohnzimmer und gehen routiniert die verschiedenen Positionen durch und fühlen uns befreit und voller Energie. Wir handeln so, als wäre die Gewohnheit real.

    Auf unserem Weg, in diesem Falle morgens durch unsere Wohnung, ist sie wie eine Weggabelung. Wir könnten auch einen Weg gehen, den wir sonst nie gehen. Doch der andere Weg ist verfallen und verwittert. Wir müssten klettern, würden uns am Gestrüpp zerkratzen und nicht einmal da ankommen, wo wir hinwollen. Dieser andere Weg ist aus gutem Grund verwittert und unser gewohnter Weg ein bewährter Trampelpfad, den wir uns erarbeitet haben. Gewohnheiten sind genauso real wie Trampelpfade und verfallene Halbpfade. In unserem Handeln zeigt sich ohne Kompromisse, was wir für uns real ist.

    Die Sinnkarte ist ebenso eine Abbildung der Realität wie ein Grundriss unserer Wohnung, eine Landkarte oder eine Fotographie.

    Gewohnheit als Neuroarchitektur

    Normalerweise gehen wir von einer organisch vorliegenden Verdrahtung des Gehirns aus. Nehmen wir Drogen, schüttet unser Gehirn bestimmte Stoffe aus. Doch die Gewohnheiten, die Überzeugungen und auch Charakterzüge liegen ebenfalls als neuronale Struktur im Gehirn vor.

    Das heißt, dass die intimen Mikroverbindungen verschiedene Hirnareale durch eine erlernte Architektur von Makroverbindungen überlagert wird.

    Die Struktur des Gehirns führt dazu, dass es mit einer Ausschüttung von Stoffen auf Drogen reagiert. In dieser allgemeinen Formulierung bleibt verdeckt, ob es sich um die Mikrostruktur bestimmter Hirnareale oder auch ein verdrängtes Kindheitstrauma handelt.


    1. Stephen R. Covey (2004 (Erstauflage: 1989)): The 7 Habits of Highly Effective People, London: Pocket Books. ↩︎

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