Eiweißshake - ja oder nein?

Trinkt ihr Eiweißshakes? Wenn ja, welche? (Sind Produktnennungen hier ok? Wenn nicht, auch egal). Ich stelle einige Pro- und einige Contraargumente zur Diskussion und teile ein Lieblingsrezept.

Pro:

  • Hohe Konzentration an Aminosäuren ( z.B. für Muskelaufbau und therapeutische Effekte)
  • Schnell gemacht
  • Sehr gut transportabel
  • Kann schneller inkorporiert werden weil flüssig
  • vergleichsweise wenig teuer
  • Transportvehikel für weitere Stoffe (Creatin, VCO, L-Glutamin usw).

Contra:

  • Unnatürlich (Kunstprodukt)
  • teilweise mit Süßstoff
  • ?

Freue mich auf eine Diskussion, vor allem mit Contra-Argumenten.

Mein Rezept, was ich jahrelang so getrunken habe, bevor ich KH noch mehr reduziert habe:
300ml warmes Wasser
20-40g VCO
30g Whey geschmacksneutral
15g Collagen Hydrolysat
10-15g Kakaopulver (habe immer Rohkakao genommen)
eine reife Banane
Zimt
(extra Honig oder Alternativsüße nach Geschmack)

Kommentare

  • Mein wichtigstes Kontra-Argument ist die Verringerung der Mikronährstoffdichte. Unnatürlichkeit an sich ist ja kein Problem. Antibiotika sind auch unnatürlich, aber oft besser als der Tod, wenn man Beulenpest oder Typhus hat (in Kalifornien drohen gerade mittelalterliche Krankheiten zur Gefahr zu werden). Aber jede Proteinkalorie, die ich per Shake zu mir nehme, kommt mit wenig Mikronährstoffen einher.

    Darüber hinaus ist der Effekt überschätzt, weil die Studien größtenteils im gefasteten Zustand gemacht werden. Die wollen natürlich keine Störfaktoren drin haben. Ungefastet ist immer noch Mageninhalt, Darminhalt usw. da. Die Aufnahme ist langsamer, es gibt immer noch Aminosäureneinstrom usw.

  • bearbeitet 27. September

    @Sascha schrieb:
    Mein wichtigstes Kontra-Argument ist die Verringerung der Mikronährstoffdichte. Unnatürlichkeit an sich ist ja kein Problem. Antibiotika sind auch unnatürlich, aber oft besser als der Tod, wenn man Beulenpest oder Typhus hat (in Kalifornien drohen gerade mittelalterliche Krankheiten zur Gefahr zu werden). Aber jede Proteinkalorie, die ich per Shake zu mir nehme, kommt mit wenig Mikronährstoffen einher.

    Darüber hinaus ist der Effekt überschätzt, weil die Studien größtenteils im gefasteten Zustand gemacht werden. Die wollen natürlich keine Störfaktoren drin haben. Ungefastet ist immer noch Mageninhalt, Darminhalt usw. da. Die Aufnahme ist langsamer, es gibt immer noch Aminosäureneinstrom usw.

    Mikronährstoffdichte: stimmt soweit natürlich, Rohkakao zB soll/kann das etwas abpuffern.
    Effekt: meinst du, auf den Muskelaufbau? Auch das stimmt (zumal rein aus diesem Gesichtspunkt Milch angeblich einen fast vergleichbaren Effekt hat). Ein Wundermittel für Muskelaufbau ist der Shake definitiv nicht. Ich persönlich trinke in fast 100% der Fällen den Shake gefastet nach meinem Training.
    Der therapeutische Effekt hoch konzentrierter Aminosäuren ist davon meines Wissens unberührt.
    Ich habe ein Essfenster von 6-8 Stunden, mir fällt es mit Shake und zwei größeren Mahlzeiten am leichtesten, auf die gewünschte Gesamtmenge täglich zu kommen, im Vergleich zu drei "richtigen" Mahlzeiten. Auf die Mirkonährtstoffe konzentriere ich mich dann bei Mahlzeit 2 und 3.

  • Ich trinke keine Eiweißshakes. Mein Gegenargument ist auch, dass es einfach leere Kalorien sind. Außerdem habe ich keine Kontrolle über das Produkt. Aus welchen Quellen es kommt und so weiter. Außerdem... es schmeckt mir einfach nicht.. bah :smiley:

    @Jost schrieb:
    Mikronährstoffdichte: stimmt soweit natürlich, Rohkakao zB soll/kann das etwas abpuffern.

    Das Abpuffern ist ja so eine Sache. Kombiniere ich etwas mit hohem Mikronährstoffgehalt mit etwas mit extrem niedrigem, habe ich zwar durchschnittlich ein paar Mikronährstoffe. Ich hätte aber mehr, wenn ich die Zutat mit niedrigem Mikronährstoffgehalt durch eine mit hohem ersetzen würde.

    Ich würde den Rohkakao immer mit etwas anderem kombinieren.

  • @Johannes schrieb:
    Ich trinke keine Eiweißshakes. Mein Gegenargument ist auch, dass es einfach leere Kalorien sind.

    Das kommt drauf an, wie man "leere Kalorie" definiert. Ich stimme dir nicht zu. Der Mikronährstoffgehalt der Nahrung ist einer (ein sehr wichtiger) Blickwinkel. Aber nicht der Einzige. Dort hat man auf dem Schirm, dass Defizite im Vitamin und Mineralstoffhaushalt zahlreiche Nachteile haben können. Analog gilt das aber auch für Aminosäuren. Das zu testen, in Form eines Aminogramms, verbreitet sich langsam und wird auch immer günstiger in den großen Laboren. Ich habe auch an meinen Patienten anekdotenhaft erstaunliche Ergebnisse gesehen, und zwar "nur" durch zusätzliche Gabe von Eiweißshakes bzw EAAs. Insofern bin ich überzeugt, dass Aminosäuren auch ohne Mikonährstoffe sehr wertvoll sind und somit nicht "leer".

    Die Frage, ob entsprechende Mengen einzelner Aminosäuren auch mit "richtiger Nahrung" verfügbar gemacht werden können, ist theoretisch meiner Meinung nach mit "ja" zu beantworten. In der Praxis dürfte es aber erheblich schwerer sein, das gezielt zu tun. Zusätzlich aufwändiger. Und es geht mir auch um die Einfachheit (für mich selber) und die Compliance (für meine Patienten/Kunden).

    Zwei Links zum Thema, einmal oberflächlich, einmal weniger oberflächlich:
    https://www.strunz.com/de/news/es-ist-der-muskel-stupid.html
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/inhalt-44-2000/pharm4-44-2000/

  • Da sehe ich zwei unterschiedliche Zusammenhänge.

    1. Nicht einmal Glucose ist genaugenommen leer. Wenn ich Diabetiker bin und mir ausversehen eine Überdosis Insulin gegeben habe, bin ich über hochkonzentrierte Glucose ganz glücklich. Ebenso verhält es sich mit spezifischen Defiziten von Aminosäuren und Ähnlichem. Das gleiche Argument wiederholt sich auch im Bereich des Trainings. Ich mache keine Bizepscurls und plane sie äußerst selten ein. Aber manche Menschen profitieren richtig von ihnen. Die gut platzierte Isolationsübung ist wichtig.
    2. In der allgemeinen Ernährung jedoch ist ein Proteinshake leer, vor dem Hintergrund der Opportunitätskosten, die sich aus seinem Konsum ergeben. Anstelle dessen kann man immer auch etwas Anderes zu sich nehmen.
  • @Jost schrieb:
    ..für therapeutische Effekte..

    Kannst du erläutern, was du meinst? Ich stehe etwas auf dem Schlauch

  • @MaxMustermann schrieb:

    @Jost schrieb:
    ..für therapeutische Effekte..

    Kannst du erläutern, was du meinst? Ich stehe etwas auf dem Schlauch

    Ja, in den beiden verlinkten Artikeln ist das ja thematisch angerissen: anti-entzündliche und immunstärkende Wirkung. Den meisten ist inzwischen verständlich, dass zB ein VitaminD Mangel das eine oder andere Problem verursachen könnte. Ich finde es schade, dass fast niemand Aminosäuren im therapeutischen Sinne auf dem Schirm hat oder überhaupt in die Diagnose mit einbezieht.

    Eine immunstärkende Wirkung von zB L-Glutamin ist eben bei allem, was das Immunsystem angreift (Stress, Infekt usw) hilfreich. Aber auch Entzündungen stehen immer mehr im Fokus der Forschung, beispielsweise bei der Entstehung von psychischen Erkrankungen (Depression) oder Alzheimer. Wenn hier also auch der Status der Aminosäuren in die Diagnose mit einbezogen würde, wäre das meiner Einschätzung nach eine große Hilfe, weil sich oftmals gute Lösungen anbieten.

    Einzelne Aminosäuren finden ja ohnehin schon lange in der Schulmedizin Anwendung:

    • Tryptophan bei Schlafstörungen und Depression
    • Arginin bei erektiler Dysfunktion

    Protein im Komplex (Whey) oder als EAAs therapeutisch zu geben (nehmen zu lassen) hat für mich Sinn und Erfolg. Aktuellste Anekdote: Patient, 60 ,sportlich, hat eine gutartige Prostatavergrößerung, der PSA-Wert (Prostata-spezifisches-Antigen) steigt seit vielen Jahren konstant an, gerät langsam in einen problematischen Bereich. Aminogramm ist eher mittelmäßig. Er beginnt, täglich einen Eiweißshake zu trinken. Nach einigen Wochen PSA-Wert zum ersten Mal seit vielen Jahren gefallen, auf den Stand von vor einigen Jahren, also nicht nur ein wenig. Mich (und ihn) hat das sehr überrascht.

    Sicherlich: die Entstehung und auch Therapie von Krankheiten wie Depression sind immer multifaktoriell, auch der Lebensstil spielt eine große Rolle, man sollte meiner Meinung nach auch nicht alles aus einer rein molekularmedizinischen Sicht sehen wollen. Aber das ist ein gutes und ziemlich effektives Werkzeug, was man nicht ignorieren sollte.

    Ja, auch über die Ernährung ohne gezielte Gabe von Aminosäuren lässt sich das alles theoretisch machen. Aber erstens nicht so gezielt. Und zweitens nicht so leicht. Compliance ist hier extrem wichtig, und es gibt auch für Gesunde kaum etwas, was schwieriger in den Alltag zu integrieren ist, als eine Änderung von Ernährungsgewohnheiten, die seit Jahrzehnten eingefahren sind. Plakativ gesagt: der Depressive, der ohnehin kaum Antrieb hat, wird eher einen Eiweißshake trinken und Tryptophan schlucken, als darauf zu achten, möglichst so zu kochen, wie es seiner Gesundheit entgegenkommen würde, tryptophanhaltige und eiweißreiche Lebensmittel täglich einzuplanen, einzukaufen und zu verarbeiten.

  • Danke für die ausführliche Anwort. Ich find das Thema sehr interessant. Hast du noch eine Buchempfehlung oder sonstige Quelle, welche sehenswert sind um sich intensiver mit zu beschäftigen?
    Falls nicht, googeln kriege ich hin B)

  • Plakativ gesagt: der Depressive, der ohnehin kaum Antrieb hat, wird eher einen Eiweißshake trinken und Tryptophan schlucken, als darauf zu achten, möglichst so zu kochen, wie es seiner Gesundheit entgegenkommen würde, tryptophanhaltige und eiweißreiche Lebensmittel täglich einzuplanen, einzukaufen und zu verarbeiten.

    100%ige Zustimmung. Aus diesem Grund ist der Kontext so wichtig.

    Ein Beispiel aus der nichttherapeutischen Richtung: Eine junge Mutter hatte mal ein Problem mit Hungerkäufen. War aber insgesamt recht undiszipliniert und dazu noch überfordert. Meine Empfehlung war lediglich ein Proteinshake vor dem Einkaufen zu trinken. Mit Geschmack und Pipapo. Sie konnte besser einkaufen, ihre Ernährung hat sich nachfolgend verbessert und entsprechend war sie ingesamt in einer besseren Position.

    Für manche ist auch ein Dönerteller ein Schritt in die richtigen Richtung. Nämlich dann, wenn sie vorher magersüchtig waren oder sich aussschließlich von Pizza ernährt haben.

  • @MaxMustermann schrieb:
    Danke für die ausführliche Anwort. Ich find das Thema sehr interessant. Hast du noch eine Buchempfehlung oder sonstige Quelle, welche sehenswert sind um sich intensiver mit zu beschäftigen?
    Falls nicht, googeln kriege ich hin B)

    Ein spezifisches Buch dafür kann ich nicht empfehlen. Infos zu Aminosäuren finden sich in allen entsprechenden medizinischen Werken, die "populärwissenschaftlichen Bücher" kann ich nicht beurteilen, weil ich keines gelesen habe.
    Hier findest du aber gute Referenzwerte für Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren, solltest du sie untersuchen lassen:
    https://drstrunz.de/bluttuning.php

  • In "Was die Seele essen will" von Julia Ross geht es fast ausschließlich um die Behandlung psychischer Probleme durch die Gabe von Aminosäuren (begleitet von einer generellen Ernährungsumstellung)

  • @HB312 schrieb:
    In "Was die Seele essen will" von Julia Ross geht es fast ausschließlich um die Behandlung psychischer Probleme durch die Gabe von Aminosäuren (begleitet von einer generellen Ernährungsumstellung)

    Ebenfalls danke

  • @Jost schrieb:
    Mein Rezept, was ich jahrelang so getrunken habe, bevor ich KH noch mehr reduziert habe:
    300ml warmes Wasser
    20-40g VCO
    30g Whey geschmacksneutral
    15g Collagen Hydrolysat
    10-15g Kakaopulver (habe immer Rohkakao genommen)
    eine reife Banane
    Zimt
    (extra Honig oder Alternativsüße nach Geschmack)

    Wie sieht deine aktuelle Shakevariante aus?
    Ich hab mir aufgrund deines Posts ebenfalls Rohkakao besorgt und mit meinem Shake ausprobiert. Ich liebe den Geschmack :)

  • Momentan verzichte ich eine Weile auf meine Eiweißshakes, schaue, wie ich mich fühle und ob/wie sich dann mein Aminogramm verändert.
    Die KH-arme Alternative zum obigen Shake ist eigentlich gleich, nur dass die Banane wegfällt und statt des geschmacksneutralen Whey eins mit Geschmack (und Süßstoff) verwendet wird.
    Wenn du Rohkakao regelmäßig nimmst, empfehle ich dir, das in Holland bei Pit&Pit zu bestellen. Wenn du einige Kilo nimmst, ist es erheblich günstiger, als die Kleinpackungen im Handel. Ich bestelle dort auch direkt und nicht über Amazon (wo es deren Produkte teilweise auch gibt). Aus Prinzip, und weil es noch ein Stück günstiger ist.

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