Meditation oder Nicht-Meditation beim Training

Dieser Clip ist eine hervorragende Demonstration darin, wie man Training und im simulierten Wettkampf machen kann. Hier sieht man klar, dass einer der beteiligten deutlich extrovertierter ist als der andere. Doch Spencer ist auch tendenziell eine Frohnatur (zumindest, wie er in anderen Videos rüberkommt). Man könnte nun an Jon North kritisieren, dass er ablenkt, sich selbst ablenkt, Energie verschwendet und so weiter. Man kann ihm jedoch nicht vorwerfen, dass es ihm an Intensität im Hebeversuch selbst fehlt. Am Ende verliert er den Wettkampf. Liegt es daran, dass er sich nicht so nach Innen richtet wie Spencer? Kann sein, kann nicht sein. Jon North ist ein erfahrener Wettkampfathlet.

Treten wir einen Schritt zurück und ordnen diesen kleinen Wettkampf zwischen zwei Teamkollegen in den größeren Trainingskontext ein: Nehmen wir an, dass Jon ein schlechteres individuelles Leistungsergebnis dadurch erreicht hat, dass er durch seine Verschwendung mentaler Energie den letzten Versuch verkackt hat. Durch unsere Wahrsagerkugel sehen wir, dass er in einem Jahr 250g weniger heben kann, als er es bei einer ruhigen Herangehensweise hätte tun können.

Doch auf der Habenseite stehen: Spaß und Motivation beim Training, insbesondere auch langfristig. Ein Zusammenwachsen mit dem Team (offensichtlich macht Spencer das Training mit Jon sehr viel Spaß). Mentales Training für seinen Teamkollegen. Authentischer Selbstausdruck (erlaubter und gewollter persönlicher Ausdruck stehen in Harmonie). Wahrscheinlich weniger Distress und mehr Eustress. Habituisierung von positiver Energie in Wettkampfsituationen. Und so weiter.

Wir können selbstverständlich nicht ausrechnen, welche Seite mehr oder weniger bringt. Und abschließend können wir erstmal zu keinem objektiven Urteil kommen. Doch wir können zweifellos zu einigen Erkenntnissen gelangen, die uns persönlich weiterbringen:

Es ist zweifellos vom Vorteil, dass wir uns entscheiden können, auf welche Weise wir nun einem Training oder einer anderen Belastung begegnen. Das geht über das bloße Vermeiden negativer Emotionen hinaus. Natürlich ist es gut, wenn wir den Schalter umlegen können und anstatt weinerlich Belastung auszuhalten Haltung bewahren. Aber ein geheimer und versteckter Vorteil ist es, wenn wir auswählen können, ob wir nun ruhig und auf die Sache fokussiert bleiben. Oder ob wir in guter Laune und überschäumender positiver Energie einer schweren Belastung gegenübertreten.

Aber es gibt natürlich auch einen authentischen Modus. Introvertierte Menschen drücken sich anders aus als extrovertierte.

Fragen

Meiner Meinung nach sind viel zu wenig Menschen fröhlich, wenn sie trainieren. Und generell sowieso. Wie ist das bei euch?

  • Ist dieses Wachrufen von Emotionen ein Thema, dass euch beschäftigt oder ihr auch aktiv angeht?
  • Gibt es Fertigkeiten, die ihr gerne hättet, aber nicht wisst, wie ihr diese angehen sollt?
  • Was ist euer authentisches Selbst? Wie drückt ihr euch beim Training aus und fühlt, dass ihr damit im Einklang seid?
  • Habt ihr ein Bedürfnis nach einem bestimmten Ausdruck? Glaubt ihr manchmal, dass ihr anders sein müsstet, als ihr euch dann tatsächlich fühlt?

Hintergrund

Gestalte gerade ein paar kleinere Module für den Workshop Grundlagen des Lebenswandels.

Kommentare

  • Generell denke ich auch, dass ich und andere viel zu selten fröhlich sind. (Fröhlich meine ich in der "Tolstoi-Bedeutung" des Wortes, die eher Richtung Vitalität und Energie geht, als in Richtung Glücklichsein.)
    Ich bin introvertiert und würde beim Training oft gerne ständig fluchen und stöhnen. So kann ich die Anspannung abbauen, die sich sonst ansammelt und dann in mir "stecken" bleibt und sich dann an anderer Stelle ausdrück, z.B. als Verspannung oder Erschöpfung. So hingegen fühle ich mich nach dem Training zwar körperlich hin, aber doch voller neuer spiritueller Energie. Labern will ich hingegen gar nicht.

    Ist dieses Wachrufen von Emotionen ein Thema, dass euch beschäftigt oder ihr auch aktiv angeht?
    Ja. Ich beobachte aber meist, dass ich zuerst vorhandene Emotionen authentisch ausdrücken muss, bevor Platz für Wachrufen ist. Habe ich z.B. Wut angestaut, blockiert dies Freude, egal wie viel Bioenergetics ich mache. Es sei denn eben die Bioenergetics helfen mir bei authentischem Ausdruck der Wut. Dann wird Raum frei.

    Glaubt ihr manchmal, dass ihr anders sein müsstet, als ihr euch dann tatsächlich fühlt?
    Sehr oft. Meist aufgrund gesellschaftlich negativ konnotierter Emotionen. Manchmal aber auch wegen Freude oder Anziehung. Darf ich z.B. auf der Arbeit richtig wütend werden? Oder darf ich mich beim Anblick einer schönen Frau so richtig freuen? Was halten Leute von mir, wenn ich mich derbe aufs frühe Aufstehen und Trainieren am Wochenende freue, so sehr, dass ich keine Lust habe, noch länger mit ihnen abzuhängen?

  • In einer Zeitschrift stand mal ein Psychologieartikel darüber, dass Fluchen einen akut stressresistenter macht.

  • @Dominique N+1 - ich fluche unter Stress für mein Leben gerne und merke, dass es mir enorm hilft fokussiert zu bleiben.

  • @Dominique schrieb:
    In einer Zeitschrift stand mal ein Psychologieartikel darüber, dass Fluchen einen akut stressresistenter macht.

    @andreas_n schrieb:
    @Dominique N+1 - ich fluche unter Stress für mein Leben gerne und merke, dass es mir enorm hilft fokussiert zu bleiben.

    Also fluchen fühlt sich gut an für mich weil es die (oft negative) Energie kanalisiert. Manchmal fluche ich allerdings auch wenn ich mich freue. Z.B. wenn ich etwas richtig geiles Bemerke "Geile Scheiße!" (zählt das eigentlich auch als fluchen :smiley: ?).
    Ich habe meine Ausbildung in einer Spedition gemacht und in den Hardcore Stress Abteilungen ( Großraumbüro mit ca. 1 Telefonat pro Minute pro Person (Anruf = meistens Probleme beheben)) wurde extrem viel geflucht. Die Leute die das nicht gemacht haben sind dann dafür oft viel extremer ausgetickt wenn sie mal ausgetickt sind^^. Also Beobachtung aus der Praxis :smiley: .

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