Ziele im Leben

Da wir hier ein einer Community sind, die sich u.a. mit der persönlichen Weiterentwicklung beschäftigt, denke ich, dass jeder entsprechende Ziele für sich festgelegt hat.

Mir ist klar, dass die Frage etwas persönlich ist.. aber was habt ihr für langfristige Ziel für euch festlegt?

Kommentare

  • bearbeitet 21. September

    Ich mache mal den Anfang, bevor sich hier keiner traut. :)

    1. Die Aufgabe, die ich mir glaube, ausgesucht zu haben, ist eine erste Anleitung zum guten Leben in der Moderne zu schreiben. Der Kern ist die Lebenswandelsreihe in fünf Bänden (Reflexion, drei Kategorienpaar, Selbstentwicklung). Dazu gibt es natürlich noch die Ergänzungen wie Moderne als Krankheit, aber auch Kurzgeschichten, Novellen usw.
    2. Zum Ziel gehört eine Weise des Lebens. Mein langfristiges Ziel ist es, möglichst gut verkörpert zu haben, was ich in meiner Arbeit herausfinde. Das wird sich dann natürlich erst entscheiden können, wenn ich dem alten Herrn gegenübertrete. :)
    3. Als persönliches Ziel lässt sich das nicht formulieren, weil dazu mehr als nur meine Person dazugehört. Aber wünschenswert ist für mich eine eigene Familie zu gründen. Als Mann hat man sich in meinen Augen erst dann bewiesen, wenn man gelernt hat, dass man selbst nicht das Wichtigste im eigenen Leben ist. Ich habe durch ein paar Ereignisse einen kleinen Einblick darin erhalten, was es wirklich bedeutet, wenn andere Menschen wichtiger im eigenen Leben sind als man selbst. Hier liegt Bedeutung verborgen.
    4. Ich werde eine Gemeinschaft von Gemeinschaften aufbauen. Wir Menschen sind keine Einzelkämpfer. Und eine Gemeinschaft zu haben, der wir uns wirklich zugehörig fühlen, ist eine Säule des großen Prinzips namens “Verbundenheit”, das so wichtig für uns Menschen sind. Die moderne Kultur ist krank und kann uns diese Verbundenheit kaum noch geben.

    Wer sich hier wundert, dass es keine Ziele gibt, die sich aussschließlich um mich drehen, hat korrekt gelesen.

  • bearbeitet 23. September

    Letztes Jahr habe ich mir folgende schwammige Ziele aufgeschrieben

    • auf der Suche sein - nach dem verdammten Sinn !
    • wertvoll für die Anderen und mich werden
    • Gemeinschaft - Guter Sohn/ Bruder/ Freund/ Mitmensch (Vater & Ehemann ?) werden
    • Lebenswandel - Macht als Mittel
    • Natur - Zimmerpflanzen/ Garten/ ein Stück Land kultivieren/ Müll trennen/ Kompostieren
    • Denken und Forschen - Zettelkasten anlegen
    • diszipliniert werden
    • einfacher werden

    Später noch Fitnessziele

    • Handstandliegestütz (volle ROM, an Wand)
    • Seilklettern mit Überkopfklatschen mit der freien Hand
    • bestimmte Zeit Sprinten auf 100 und 50m
    • Frontspagat
    • 2x Körpergewicht Kreuzheben (ME Improved Standard)
    • 0,5x Körpergewicht Cuban Rotaion
    • ohne Aufwärmen loslaufen können ohne Schmerzen im Knöchel zu bekommen :)
    • 30min bei 0-4° in der Eistonne (ME Improved Standard)

    Mich hat die obere Liste überfordert. Jetzt versuche ich mich auf meinen Tag, meine Woche (Internet ist großes Problem), mein Training (Fitnessziele stehen alle noch) und mein Studium (Forstwirtschaft) zu konzentrieren. Also auf die kurzfristigen Ziele. So arbeite ich hoffentlich auch an den langfristigen Dingen.

  • @Dominique Du hast selbst geschrieben, dass es "schwammige" Ziele seien. Dennoch würde mich interessieren, was du unter "guter Sohn/Bruder/Freund/Ehemann/Vater" verstehst?

    Ich frage aus dem Grund, da mein erster Zielentwurf ähnlich ausgesehen hat. Mir ist aufgefallen, dass es mir schwer fällt, dieses Attribut mit Leben zu füllen und konkreter werden zu lassen.
    Vielleicht magst du mal deine Sicht darauf teilen...

  • bearbeitet 29. September

    Für mich war und ist die Familienrolle auch mit am schwersten zu greifen. Seit dem Tod meines Opas kümmere ich mich wöchentlich um meine 90-jährige Oma. 1x besuchen, 1x anrufen. Wenn sich bei ihr jemand nicht meldet, nerve ich die Person, bis sie sich meldet. Das hat auch den Umgang mit meiner Mutter verändert, bei der ich gelinde gesagt die Worte weniger auf die Goldwaage lege. Ich nehme hin, dass manche Leute anders ticken und bin da, wenn man mich braucht, aber halte ansonsten Abstand. -- Und den Abstand aufzubauen und zu begreifen hat eine ganze Weile gedauert. Weil ich kein besserer Sohn war, als ich meinen Vater und den Rest der Suppe viel öfter besucht habe. (Meine Eltern sind geschieden, ich muss jeden einzeln besuchen.) Jetzt sehe ich ihn alle 1--2 Monate mal. Der Abstand war gut, damit er mir nicht auf den Wecker fällt. Entspannt bin ich ein besserer Sohn als wenn ich dauerhaft genervt bin -- weil ich mich nützlich machen kann, wenn nötig, statt mich ständig über irgendetwas aufzuregen.

    TL;DR: In meiner Familie bin ich "besser" geworden, seit ich mich stärker vom Alltagsleben der Knallköpfe abkopple und eher als outside force Einfluss nehme: Wohnungen streichen, Oma betüddeln, mal irgendwas tragen, mal irgendwo Rat geben, und vor allem mich aus allen bescheuerten Streits heraushalten.

    Klappt nicht immer, und manchmal bin ich sauer, weil es nicht so läuft, wie ich es gern hätte, und die Familienmitglieder alle ihren eigenen Kopf zu haben scheinen. Aber ich übernehme ja auch keine Verantwortung dafür, meinen Willen aufzuzwingen. Also kann ich mich nicht beschweren. Das ist mit die bitterste Pille, die ich noch schlucken muss.

  • @SpecialK Ehrlichkeit gegenüber Anderen. Sagen, was man denkt. Alles andere muss ich noch lernen, aber hier sind meine Ideen.

    Das hat Jocko Willink erklärt:
    Ich müsste mal lernen, rücksichtsvoll und diplomatisch zu bleiben, auch wenn ich genau sage, was ich denke. Zu oft stoße ich mein Gegenüber vor den Kopf oder bin zu hart und urteilend.

    Das hat mir meine Familie schon gesagt, seit ich klein bin, aber ich habe nie zugehöhrt :
    Ich muss zuhören lernen. Ich halte mich für super klug, ohne es zu sein. Andere Meinungen lass ich nie zählen. Andere versuchen zu denken und ich kritisiere nur. Wir brauchen alle viel Übung. Außerdem werde ich dadurch auch selber nicht informiert. Und es ist auch eigentlich nur belastend, immer die eigene Meinung als Schwert zu benutzen. Für mich und für die Beziehung. Einfach reden lassen. Wer nicht darum bittet, den muss ich verdammt nochmal nicht bewerten.

    Jeder weiß dass es falsch ist, jemand zu kritisieren, wenn man es selbst nicht besser macht. Aber viele machen es trotzdem. Mich mit eingeschlossen. Wenn ich Andere verändern will, dann am wahrscheinlichsten durch mein Vorbild.

    von Sascha habe ich zwei Sachen gehört, die angedockt sind:
    Ich will den Schmerz ertragen lernen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Es ist total lapprig, "wenn man Meinungsverschiedenheiten nicht aushalten kann".
    Und ich will den Schmerz ertragen lernen, wenn sich ein Nahestehender Mensch selbst schadet. Das tut einfach weh. Ein Mensch, auf den du angewiesen bist, macht sich selbst kaputt. Und man ist wütend auf die Person und oft unfähig, etwas daran zu ändern.

    Mir war vorher nicht klar, dass meine Gefühle und Schmerzen korrekt sind, aber das man daran nicht zugrunde gehen muss. Die Erkenntnis war irgendwie erleichternd.

    Mich positiv zu entwickeln und dabei Anschluss an diese Gesellschaft zu finden. Eine der größten Herausforderungen für mich. Oft macht man gemeinsam total unwichtiges Zeugs, keine spannenden Projekte und Entwicklung sondern Zeitvertreib. Keine Bedeutung, keine Ernsthaftigkeit.
    Also im Grunde weiß ich auch nicht, wie es geht. :neutral:

    @ctietze Danke. Sehr offener Beitrag. Ist das bei dir so, das du deine Einstellung zu dem Schmerz geändert hast ? Von Problem lösen wollen, hin zu aushalten ?

  • @Dominique Ich sage dazu nicht "Schmerz", weil ich mich vornehmlich aufrege, wenn daheim irgendetwas drunter und drüber geht und Familienmitglieder nicht miteinander reden. Im Zusammenleben mit Sascha und im Kontakt mit seiner völlig anderen Familiengeschichte habe ich auch erst einmal gemerkt, welche Marotten von meinen Großeltern hin bis zu meiner Cousine sich durch die Familie ziehen.

    Beispiel: man spricht Erwartungen nicht offen aus oder stellt rundheraus Forderungen oder macht Vorgaben, die der andere ebenso offen akzeptiert oder ablehnt, sondern alles geschieht unter (falscher) Rücksicht seltsam implizit. Wenn man am Ende nicht da gewesen ist, sind alle sauer, aber keiner sagt vorab, wann man hätte kommen sollen. Banales Beispiel sind Geburtstage. Manche weigern sich einfach, Einladungen auszusprechen. "Man" muss von selbst wissen, wann Geburtstagskaffeetrinken ist. Meine Schwester macht das nicht mehr, die sagt im Voraus "kommt alle Sonntag um 3 zum Kaffee!" und gut ist -- wie vernünftige Leute. Aber wenn Geburtstagskinder mit 40 auf die Frage "wann ist denn mal was bei dir?" schon mit Widerstand und Empörung reagieren, kannste dir vorstellen, wie konflikttruachtige Themen ausgetragen werden :)

    Ich halte aus, blende aus, ignoriere -- außer, ich will es wirklich zu was wichtigem machen, dann setze ich meine eigenen Standards durch, höre mir das Gezeter halt an und ertrage das, bis ich eine vernünftige Ansage bekomme. Das geht mir aber so auf den Nerv, dass ich Kontakt lieber reduziere, als diese Vorgehensweise bei allem möglichen durchzuexerzieren.

    Wie gesagt, Abstand, räumlich und emotional, war für mich wohl wichtig. Einmal aus dem Sumpf heraus; dann im Kontakt mit anderen (v.a. Sascha als Mitbewohner) die eigene Herkunft relationieren; irgendwann Marotten ablegen und neue annehmen; dann schließlich als ein wenig fremd gewordener, Erwachsener wieder zur Herkunftsfamilie Kontakt aufbauen. (Ich habe meine Familie trotzdem ständig gesehen und war nicht für 5 Jahre in Askese in den Bergen oder so, aber irgendwann hat sich das Verhältnis verschoben und ich war im Umgang "mehr anders" und "weniger wie ihr". Mir fällt das Bild von tipping the scale in the opposite direction, ein -- nur nicht auf deutsch :))

  • @ctietze und @Dominique Vielen Dank für eure Ausführungen.

    Ich will den Schmerz ertragen lernen, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Es ist total lapprig, "wenn man Meinungsverschiedenheiten nicht aushalten kann".

    Das ist ein guter Punkt. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass gerade in Familienangelegenheiten nahezu vorausgesetzt wird, dass man immer einer Meinung sein sollte. Nicht nur, dass die anderen das von einem erwarten, auch ich habe die Tendenz dazu, das mir gegenüber einzufordern. Auch wenn man vom gleichen Blut ist, so hat doch jeder sein eigenes Leben, seine eigenen Ansichten. Das zu akzeptieren und respektieren gehört zu den Dingen, die ich mir in meiner Familienrolle (v.a. als Tochter, Schwester) als Ziel gesetzt habe.

    Ich muss zuhören lernen.

    Das ist für mich das A und O einer gelingenden Kommunikation. Wie oft unterliegt man in Familien dem Irrglauben, den Anderen so gut zu kennen und zu wissen, was er sagen möchte, dass man gar nicht mitbekommt, was er zu sagen hat. Im aktiven Zuhören könnte ein Schlüssel liegen, mehr hinter der anderen Person zu sehen als "nur" den Bruder, die Schwester, den Vater oder die Mutter...

    ... weil ich mich nützlich machen kann, wenn nötig, statt mich ständig über irgendetwas aufzuregen.

    Nützlich sein ist auch etwas, das für mich unter "gutes Familienmitglied" fällt. Familie ist schließlich die erste Gemeinschaft, in die man hineingekommen ist und die einem (im Regelfall) schon einiges mitgegeben hat. Aber wie alle Gemeinschaften kann die nur funktionieren, wenn nicht nur genommen, sondern auch gegeben wird.

  • Ich bin total gerührt, von euren Kommentaren.

    Meine aktuellen Ziele, grob umrissen:

    • Menschen in Verbindung bringen
    • Menschen mehr zu sich selbst bringen
    • Ein Stück Land, wo ich selbstbestimmt eigene Pläne umsetzen kann (frei von 5G und dem ganzen Irsinn, bestenfalls mit 10 Huskys :) und einem großen Garten zum Anbauen)
    • Meine Eltern immer mehr lieben, mit Ehrlichkeit begegnen, auch wenn ich Dinge anders umsetze, als sie das für mich gewünscht haben oder ich nicht funktioniere wie gewünscht
    • Eine neue Erfahrung machen.
  • Meine langfristigen Ziele sind aktuell:

    • Mehr innere Ruhe in Lebens bekommen
    • Mehr Zeit fürs Lesen zu integrieren
    • Berufliche Zertifizierungen
    • Körperfett reduzieren
    • Mehr Zeit für die Family

    Meine langfristigen Ziele berücksichtige ich jedes Quartal bei der Auswahl der neuen Ziele für das jeweilige Quartal.

    Ich definierte pro Quartal jeweils eigene Ziele, prüfe anschließend, ob ich das Ziel erreicht habe.
    Falls ein Ziel nicht erreicht wurde, warum nicht -> und wie ich es nächstes Mal besser machen kann/könnte, wenn das Ziel zu dem Zeitpunkt immer noch relevant für mich ist.

    Q2:

    • 6 Buecher lesen (ich habe wirklich kaum noch gelesen)
    • Körpergewicht unter Wert X kg
    • Berufliche Zertifizierung XY (sagt euch wahrscheinlich eh nichts)
    • 25 Mal Meditieren (>= 15 Min)
    • 12 Digital Detox Tage( 24h durchgehend kein Handy, Laptop, PC)

    Q3:

    • 12 Buecher bis Lesen (In Q2 war zu einfach, daher das Ziel verdoppelt)
    • 15 x Joggen
    • Insgesamt 6 Stunden meditiert
    • 26 Stunden Russisch lernen (ohne Kurs) (2Std die Woche)
    • 12 x Yoga

    Die Sportaktivitäten gelten als Zusatz zu meinen bisherigen sportlichen Aktivitäten.
    Ebenfalls habe ich Abwechslung pro Quartal in den Zielen. Mal Meditation, mal Yoga, mal irgendwas anderes.
    Alle Ziele müssen für mich SMART sein. https://bit.ly/1O8Sdqg

  • bearbeitet 6. Oktober

    @MaxMustermann Danke für die konkreteren Ziele, ich fänds aber nicht schlimm, wenn Du genau schreibst welche Zertifizierungen du machen oder auch welche Bücher du genau nach jetzigem Stand lesen möchtest. Eventuell ist es ja doch ganz interessant für den ein oder anderen. (ich liebe Weiterbildungen und damit verbundene Zertifizierungen - jedenfalls meistens)

  • Langfristige Ziele nach dem SMART-Prinzip widerstreben mir. Visionen und Träume geben einen Zielkorridor vor, doch ich scheue die spezifische Definition. Ich versuche stattdessen, Systeme einzurichten.
    Das hat einerseits Gründe, die in meiner Persönlichkeit wurzeln. SMART-Ziele funktionieren für mich nicht so, wie sie sollten. Das liegt an meinen Motiven und meinen Persönlichkeitseigenschaften. Andererseits bin ich überzeugt, dass Systeme auch für andere einige Vorteile gegenüber langfristigen SMART-Zielen haben.(1,2)
    Nun will ich erklären, was ich mit Systemen meine. Ein Ziel ist ergebnisspezifisch; ein System ist ereignisoffen. Ein Ziel ist messbar; ein System kann erst post-hoc hinsichtlich seines Erfolgs bewertet werden. Beide sollten attraktive Anreize beinhalten. Bei Systemen ist dies aber eher auf Meta-Fertigkeiten und Erfahrungen ausgerichtet. Systeme sind zeitlich nicht von vornherein terminiert. Das gilt für Ziele schon, wobei es bei langfristigen Zielen meist auch nicht in dem Maß zutrifft wie bei kurzfristigen. Kommen wir zu Beispielen. Eine tägliche Bewegungspraxis etablieren – mich jeden Tag gründlich bewegen – ist ein System; einen OAC schaffen ist ein Ziel. Ein Zettelkasten ist ein System; ein Fachbuch veröffentlichen ist ein Ziel. Professor werden ist ein Ziel; forschen ist ein System.
    Natürlich muss ich eine Bewegungspraxis etablieren, um den OAC zu erreichen und muss forschen, um Professor zu werden. Doch es macht einen Unterschied. Meine Bewegungspraxis wird sich auf den OAC ausrichten und meine Forschung auf prestigeträchtige Publikationen. Das ist fragil. Bei der Forschung ist es sogar eine Katastrophe. Ein System ist ereignisoffen und flexibel. Wie das Leben. Es ist prozessorientiert. Es enthält positive Rückkopplungsschleifen statt der großen Belohnung am Ende. Ich kann Interessen und Intuitionen folgen. Systeme trainieren und wertschätzen Meta-Fertigkeiten.
    Hohe Ziele sind das beste Rezept für ein unglückliches Leben, sagt Daniel Kahnemann.(3) Sie sind mit Angst assoziiert.(4) Gute Systeme versprechen mir zwar nicht die Sicherheit zu wissen, wohin ich gehe, erlauben mir dafür aber organische Entwicklung. Das ist für mich sinnvoll und lebensnah.

    (1) Scott, A. (2013). Goals vs. Systems. Abgerufen unter: https://www.scottadamssays.com/2013/11/18/goals-vs-systems/
    (2) Clear, J. (2018). Atomic Habits. New York: Avery. Siehe auch: https://jamesclear.com/goals-systems
    (3) Kahnemann, D. (2012). Schnelles Denken, langsames Denken. München: Siedler Verlag.
    (4) zit. nach Dolan, P. (2019). Happy Ever After: Escaping the Myth oft he Perfect Life. London: Allen Lane.

  • bearbeitet 19. Oktober

    Ich bin auch eher "Team System" bzw. "Team Identität" (in der Terminologie von Scott Adams und James Clear): Ich habe ein paar große abstrakte eigenschaftsorientierte Oberziele nach dem Motto "Ich werde jemand, der …", z. B.

    • "Ich werde jemand, der nicht bei jeder körperlichen Belastung als Erster anfängt zu schnaufen und zu husten."
    • "Ich werde jemand, den man gerne in seiner Nähe hat."
    • "Ich werde jemand, der mit seiner Arbeit einen kleinen Beitrag zu guten Texten und somit mehr Nutzen, Wissen, Kulturerhalt und Sinn leistet."

    Besonders wichtig ist mir dabei der Fokus auf "werden" statt "sein".

    Aus diesen eigenschaftsorientierten Oberzielen könnte ich dann verhaltensorientierte Unterziele oder eben Adams’sche/Clear’sche Verhaltenssysteme aufbauen wie regelmäßige Bewegungspraxis, ständige Arbeit am Wissen, das ich für meine Arbeit brauche, ständiges Üben von Demut und Respekt in meinen zwischenmenschlichen Kontakten etc.

  • Ich verstehe deinen Punkt @Johannes. Ich sehe es als Etablierung zu angewöhnten Routinen oder Verhalten im eigenen Leben.
    Beispiel:
    Ich möchte eine Sprache lernen -> ich tue jeden Tag etwas dafür und gewöhne es mir an, jeden Tag etwas dafür zu tun.

    Dies funktioniert bei mir allerdings nicht so. Ich brauche konkrete Abgrenzen für den Tag (oder den Zeitraum X), welche ich mir vornehme, damit ich am Ende des Tages den Stolz über mich selbst habe, dass ich alle meine Aufgaben / Ziele erfolgreich abgearbeitet habe.

    Ähnlich wie eine 30 Tage Challange, dessen Veränderung man für einen definierten Zeitraum mitmacht und anschließend per Reflektion entscheidet, ob es zum eigenen Leben passt und man dies behalten möchte... oder es nicht zu einem passt und es nicht übernommen wird.

    Hohe Ziele sind das beste Rezept für ein unglückliches Leben, sagt Daniel Kahnemann.(3) Sie sind mit Angst assoziiert.(4) Gute Systeme versprechen mir zwar nicht die Sicherheit zu wissen, wohin ich gehe, erlauben mir dafür aber organische Entwicklung. Das ist für mich sinnvoll und lebensnah.

    Meine Ziele sind immer so gewählt, dass Sie für realistisch sind. Wenn ich sie erreiche, freue ich mich. Wenn ich sie nicht erreiche, habe ich den Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Unglücklich bin ich ehrlich gesagt sehr selten bis nie.

    @Tobias:
    Gehen die Beispiele von dir nicht eher in Richtung Affirmation?

    Aus diesen eigenschaftsorientierten Oberzielen könnte ich dann verhaltensorientierte Unterziele oder eben Adams’sche/Clear’sche Verhaltenssysteme aufbauen wie regelmäßige Bewegungspraxis, ständige Arbeit am Wissen, das ich für meine Arbeit brauche, ständiges Üben von Demut und Respekt in meinen zwischenmenschlichen Kontakten etc.

    Was bringen die Oberziele, Beispiel: "Ich möchte mehr Zeit in der Natur verbringen", wenn es nicht runtergebrochen wird?
    Du verwendest den Konjunktiv.. also könntest du es runterbrechen, aber machst es aktuell noch nicht? Warum?

  • @MaxMustermann schrieb:
    @Tobias:
    Gehen die Beispiele von dir nicht eher in Richtung Affirmation?

    Aus diesen eigenschaftsorientierten Oberzielen könnte ich dann verhaltensorientierte Unterziele oder eben Adams’sche/Clear’sche Verhaltenssysteme aufbauen wie regelmäßige Bewegungspraxis, ständige Arbeit am Wissen, das ich für meine Arbeit brauche, ständiges Üben von Demut und Respekt in meinen zwischenmenschlichen Kontakten etc.

    Was bringen die Oberziele, Beispiel: "Ich möchte mehr Zeit in der Natur verbringen", wenn es nicht runtergebrochen wird?
    Du verwendest den Konjunktiv.. also könntest du es runterbrechen, aber machst es aktuell noch nicht? Warum?

    Affirmationen wären es, wenn ich solange jeden Morgen in irgendeiner Weise den Satz "Ich werde jemand, der XY" wiederholen würde, bis ich es irgendwann wäre. Das mache ich aber nicht. Ich habe mir irgendwann mal diese Oberziele aufgeschrieben und die Handlungen die derzeit nötig sind, um sie zu erreichen.

    "Ich möchte mehr Zeit in der Natur verbringen" wäre kein Ziel, sondern ein Wunsch. Als Oberziel formuliert wäre es eher "Ich werde jemand, der Zeit in der Natur verbringt". Und dazu dann die notwendigen Handlungen. Wenn man so will, ist das Festlegen von konkreten Handlungen eine Art runterbrechen. Ich habe den Konjunktiv gewählt, weil ich ein Oberziel auch in mehrere Teilziele zerlegen könnte. Beispiel: Oberziel: "Ich werde jemand, der Zeit in der Natur verbringt." Teilziel: "In den nächsten 30 Tagen gehe ich jeden Morgen in den Wald."

  • [Alle Hervorhebungen sind meine]

    @Johannes schrieb:
    Langfristige Ziele nach dem SMART-Prinzip widerstreben mir. Visionen und Träume geben einen Zielkorridor vor, doch ich scheue die spezifische Definition. Ich versuche stattdessen, Systeme einzurichten.

    Das ist meiner Meinung nach ein Fehler. Ziele und das, was du als Systeme bezeichnest (ich würde es an dieser Stelle einfacher als "Praktik" bezeichnen), sind auf eineinander komplementär aufbauende Konzepte.

    Du spezifizierst das für langfristige Ziele. Anekdotisch findest du beides dafür. Aber sehr häufig bereichten erfolgreiche Menschen von einer sehr klaren Vision. Der entscheidende Punkt hier ist das "S" für spezifisch. Je länger das Ziel in der Ferne liegt, desto weniger spezifisch muss es sein. Nehmen wir das Training als Beispiel:

    Für den aktuellen Trainingstag sollte man sehr spezifische Ziele haben. Gewicht, Wiederholungen, Pausen usw. Das gilt noch für die Trainingswoche und vielleicht noch für die einzelnen Mesozyklen. Aber darüber hinaus plant man nichts genaues, sondern will vielleicht in den Wettkampfdisziplinen stärker werden, kann das aber nicht in einer Zahl ausdrücken.

    Mit dem S fallen weiterer Aspekte:

    1. Man setzt sich manchmal unerreichbare Ziele, um sich selbst zu pushen. Manchmal setzt man sich geringe Ziele, die man weit überbieten möchte und so weiter. Das A steht zur Debatte.
    2. Das T wird schwammig oder fällt ganz weg. Man kann vielleicht nur noch sagen: Innerhalb der nächsten 10 Jahre.

    Das hat einerseits Gründe, die in meiner Persönlichkeit wurzeln. SMART-Ziele funktionieren für mich nicht so, wie sie sollten. Das liegt an meinen Motiven und meinen Persönlichkeitseigenschaften. Andererseits bin ich überzeugt, dass Systeme auch für andere einige Vorteile gegenüber langfristigen SMART-Zielen haben.(1,2)

    Inwiefern nutzt du deine Persönlichkeit als Grundlage deiner Überlegungen?

    Nun will ich erklären, was ich mit Systemen meine. Ein Ziel ist ergebnisspezifisch; ein System ist ereignisoffen. Ein Ziel ist messbar; ein System kann erst post-hoc hinsichtlich seines Erfolgs bewertet werden. Beide sollten attraktive Anreize beinhalten. Bei Systemen ist dies aber eher auf Meta-Fertigkeiten und Erfahrungen ausgerichtet. Systeme sind zeitlich nicht von vornherein terminiert. Das gilt für Ziele schon, wobei es bei langfristigen Zielen meist auch nicht in dem Maß zutrifft wie bei kurzfristigen. Kommen wir zu Beispielen. Eine tägliche Bewegungspraxis etablieren – mich jeden Tag gründlich bewegen – ist ein System; einen OAC schaffen ist ein Ziel. Ein Zettelkasten ist ein System; ein Fachbuch veröffentlichen ist ein Ziel. Professor werden ist ein Ziel; forschen ist ein System.

    Hier liegt der Knackpunkt. Ein System hat immer auch einen Zweck. Es strebt zu irgendwas hin. Sowohl das kapitalistische als auch das sozialistische System zielen auf eine maximale Konzentrierung der Produktionsmittel auf möglichst wenige Akteure hin. Kapitalismus macht das langsam. Sozialismus mit einem Schlag (durch Verstaatlichung). Das Wirtschaftssystem hin zu mehr Profit. Das politische System zu mehr Macht.

    Der falsche Gegensatz kommt meiner Meinung nach da zu Stande, wo man ignoriert, dass Systeme sehr spezielle Ziele haben, die in das System eingebaut sind. Komme jetzt erstmal auf kein anderes Beispiel als Ideologie. Sei's drum. Das ist die Gefahr von Ideologie. Wenn wir Menschen Ideologien entfesseln und als politische Maßnahmen anderen Menschen aufzwingen hat Goethe zum Ergebnis schon lange den passenden Spruch dazu geschrieben:

    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    Das gilt auch in der Kindererziehung, in Partnerschaften, Firmen, Hobbies und so weiter.

    Natürlich muss ich eine Bewegungspraxis etablieren, um den OAC zu erreichen und muss forschen, um Professor zu werden. Doch es macht einen Unterschied. Meine Bewegungspraxis wird sich auf den OAC ausrichten und meine Forschung auf prestigeträchtige Publikationen. Das ist fragil. Bei der Forschung ist es sogar eine Katastrophe. Ein System ist ereignisoffen und flexibel. Wie das Leben. Es ist prozessorientiert. Es enthält positive Rückkopplungsschleifen statt der großen Belohnung am Ende. Ich kann Interessen und Intuitionen folgen. Systeme trainieren und wertschätzen Meta-Fertigkeiten.

    Das ist erstmal ein Postulat. Kannst du den Mechanismus beschreiben, der dazu führt, dass Ziele Systeme fragil machen (oder habe ich dich hier missverstanden?)?

    Hohe Ziele sind das beste Rezept für ein unglückliches Leben, sagt Daniel Kahnemann.(3)

    Na, wenn der das sagt, muss das stimmen. :blush: Wer sagt, dass sich das Leben um das persönliche Glück zu drehen hat?

    Sie sind mit Angst assoziiert.(4)

    Bin natürlich getriggert vom zitieren aus zweiter Hand. Daher nur: Hohe Ziele sind eben nur etwas für die Mutigen und die, die nach Höherem streben.

    HEKTOR! HEKTOR! HEKTOR!

  • @Sascha schrieb:

    Für den aktuellen Trainingstag sollte man sehr spezifische Ziele haben.

    Sehe ich auch so. Ich arbeite auf kurzfristiger Ebene natürlich auch mit konkreten Zielen und TODOs.

    Ziele und das, was du als Systeme bezeichnest (ich würde es an dieser Stelle einfacher als "Praktik" bezeichnen), sind auf eineinander komplementär aufbauende Konzepte.

    Ich stimme dir zu und möchte mein Argument daraufhin präzisieren: Langfristige Ziele sollten immer mit Systemen einhergehen. Am besten sollten die Systeme aber zuerst kommen und die Ziele implizieren, da dies weniger fragil ist.

    Inwiefern nutzt du deine Persönlichkeit als Grundlage deiner Überlegungen?

    Insofern als dass ich erstens extrem gewissenhaft bin und formulierte Ziele mich blind gegenüber sinnvollen Anpassungen machen. Zweitens sind meine zentralen Motive Neugierde und soziale Verbundenheit. Leistungsziele motivieren mich also aufgrund meiner Gewissenhaftigkeit auf zwanghafte Weise, höhlen meine Motivation aber aus und hinterlassen mich nicht stolz, sondern leer.

    Der falsche Gegensatz kommt meiner Meinung nach da zu Stande, wo man ignoriert, dass Systeme sehr spezielle Ziele haben, die in das System eingebaut sind.

    Ich habe nicht behauptet, dass ein System nicht ein Zweck haben kann. Ich finde es nur viel leichter, ein System zu etablieren, dass dieses Ziel impliziert, als ein System aufgrund eines Ziels einzurichten. Beispiel Zettelkasten: Ich etabliere ein System, das von Anfang an auf das Schreiben ausgelegt ist. Das Ergebnis ist aber offen. Ich publiziere, wenn sich zu bestimmten Themen (die vorher nicht durch ein Ziel definiert sind) viel angesammelt hat. Das sehe ich dann ja ganz deutlich, z.B. durch Folgezettel. Ich kann mich also ganz von der Neugierde um dem organischen antifragilen Tüfteln leiten lassen. Oder ich setze mir das Ziel, ein Buch über das Thema XY zu schreiben und dann komme ich natürlich zu einem System, müsste aber im Voraus eigentlich schon alles wissen über das Bücherschreiben, um dieses System so zu etablieren, dass alles funktioniert. Ich müsste z.B. wissen, dass der typische Rat "erst Thema formulieren, dann rescherschieren, dann notizen machen, dann gliederung etc. eigentlich total unpraktisch ist. Habe ich erst ein System etabliert ist das viel lernfähiger. Wenn das Ziel des Buches XY scheitert - aus welchem Grund auch immer - wird es mir schwerer fallen, mein System weiter aufrecht zu erhalten.

    Ein System hat immer auch einen Zweck. Es strebt zu irgendwas hin. Sowohl das kapitalistische als auch das sozialistische System zielen auf eine maximale Konzentrierung der Produktionsmittel auf möglichst wenige Akteure hin. Kapitalismus macht das langsam. Sozialismus mit einem Schlag (durch Verstaatlichung). Das Wirtschaftssystem hin zu mehr Profit. Das politische System zu mehr Macht.

    Das politische System definiert aber nicht vorher, worin genau diese Macht bestehen muss und bleibt somit offen für die entstehende Dynamik.

    Kannst du den Mechanismus beschreiben, der dazu führt, dass Ziele Systeme fragil machen (oder habe ich dich hier missverstanden?)?

    Dies ist der Fall, wenn das System etabliert wurde, um ein spezifisches Ziel zu erreichen und dann mit einem gescheiterten Ziel zusammenbricht. Nicht per se. Ein System "Bewegungspraxis", das mit dem konkreten Ziel "Halbmarathon in einem Jahr" etabliert wurde ist fragiler als ein System "Bewegungspraxis", dass diesen Halbmarathon nur impliziert. Im Falle einer Knöchelverletzung würde im ersten Fall das System eher zusammenbrechen als im zweiten Fall.

    Na, wenn der das sagt, muss das stimmen. :blush: Wer sagt, dass sich das Leben um das persönliche Glück zu drehen hat?

    Ich nicht. Kahnemann auch nicht. Dennoch ist Unglück nicht förderlich, egal um was sich das Leben zu drehen hat. :wink:

    Bin natürlich getriggert vom zitieren aus zweiter Hand.

    Mich triggert das auch unnormal. Ich habe nochmal nachgeschlagen. Und es war auch noch schlampige Arbeit von mir: Es ist nämlich doch ein Zitat aus erster Hand. Aber er gibt dazu keine Quelle an. So ein Lappen.

    Fazit meines Posts: Ich halte ein System, dass aufgrund von Zielen etabliert wurde für fragiler als ein System, dass Ziele impliziert. Systeme erscheinen mir - nach deinem Post - nicht mehr als eine Alternative zu langfristigen Zielen, sondern als eine sinnvolle Ergänzung und Verlagerung der Perspektive auf den Prozess.

  • Zunächst einmal eine Autorität zur Einstimmung (vor allem für mich..):

    @Johannes schrieb:
    @Sascha schrieb:

    Für den aktuellen Trainingstag sollte man sehr spezifische Ziele haben.

    Sehe ich auch so. Ich arbeite auf kurzfristiger Ebene natürlich auch mit konkreten Zielen und TODOs.

    Ziele und das, was du als Systeme bezeichnest (ich würde es an dieser Stelle einfacher als "Praktik" bezeichnen), sind auf eineinander komplementär aufbauende Konzepte.

    Ich stimme dir zu und möchte mein Argument daraufhin präzisieren: Langfristige Ziele sollten immer mit Systemen einhergehen. Am besten sollten die Systeme aber zuerst kommen und die Ziele implizieren, da dies weniger fragil ist.

    Ok. Das ist erstmal die Behauptung: "Wenn Ziele zuerst kommen ist dies, weniger fragil" Aber die gilt es zu begründen.

    1. Was genau heißt es, das Ziele zuerst kommen?
    2. Was ist dies in diesem Fall?
    3. Fragilität hat unterschiedliche Gestalten. Es kann limitierte Verluste bei unlimitiertem Gewinn bedeuten. Es kann sein, dass sich Fragilität dadurch auszeichnet, dass es kein korrektes Verhältnis zwischen Ganzen und Teilen gibt. (bsp. Teile werden auf Kosten des Ganzen robuster. Das Ganze ist dadurch in Relation zu seinen Teilen fragil.)

    Inwiefern nutzt du deine Persönlichkeit als Grundlage deiner Überlegungen?

    Insofern als dass ich erstens extrem gewissenhaft bin und formulierte Ziele mich blind gegenüber sinnvollen Anpassungen machen. Zweitens sind meine zentralen Motive Neugierde und soziale Verbundenheit. Leistungsziele motivieren mich also aufgrund meiner Gewissenhaftigkeit auf zwanghafte Weise, höhlen meine Motivation aber aus und hinterlassen mich nicht stolz, sondern leer.

    1. Waren es tatsächlich die richtigen Ziele? Habe auch einen sehr hohen Wert für Gewissenhaftigkeit. Aber an der automatischen Säge Rohre entgraten war auch für mich die Hölle. :smile:
    2. Du schreibst, als müsstest du dich zwischen Leistungszielen und einem anderen entscheiden. Gibt es nicht eine höhere Form von Ziel, die deine Gewissenhaftigkeit auf etwas richtet, das deine Neugierde als zweites Zugpferd nutzt und dich deine soziale Verbundenheit ausleben lässt?
    3. Wenn du Ziele formuliert hast, gehört die Justierung dazu. Für mich hört es sich weniger an, als würdest du Ziele formuliert, sondern Dogmen als Ziele getarnt in dein Leben geholt haben.

    Der falsche Gegensatz kommt meiner Meinung nach da zu Stande, wo man ignoriert, dass Systeme sehr spezielle Ziele haben, die in das System eingebaut sind.

    Ich habe nicht behauptet, dass ein System nicht ein Zweck haben kann. Ich finde es nur viel leichter, ein System zu etablieren, dass dieses Ziel impliziert, als ein System aufgrund eines Ziels einzurichten. Beispiel Zettelkasten: Ich etabliere ein System, das von Anfang an auf das Schreiben ausgelegt ist. Das Ergebnis ist aber offen. Ich publiziere, wenn sich zu bestimmten Themen (die vorher nicht durch ein Ziel definiert sind) viel angesammelt hat. Das sehe ich dann ja ganz deutlich, z.B. durch Folgezettel. Ich kann mich also ganz von der Neugierde um dem organischen antifragilen Tüfteln leiten lassen. Oder ich setze mir das Ziel, ein Buch über das Thema XY zu schreiben und dann komme ich natürlich zu einem System, müsste aber im Voraus eigentlich schon alles wissen über das Bücherschreiben, um dieses System so zu etablieren, dass alles funktioniert. Ich müsste z.B. wissen, dass der typische Rat "erst Thema formulieren, dann rescherschieren, dann notizen machen, dann gliederung etc. eigentlich total unpraktisch ist. Habe ich erst ein System etabliert ist das viel lernfähiger.

    Der Zettelkasten ist ein Beispiel, dass dir nicht unbedingt in die Karten spielt. Die Zettelkastenmethode (meine Formulierung der Methode) ist als Nebenprodukt auf's Schreiben ausgelegt und in ihrer reinen Anwendung führt sie nicht unbedingt zu Ergebnissen. Ich würde auch (fast) nie jemanden raten die Zettelkastenmethode mit all ihren Eigenheiten zu praktizieren, wenn er Bücher schreiben will. Sie ist das beständige, organische Rauschen von Denken und Schreiben. Ich sage fast nie, weil man auch mit der Zettelkastenmethode gezielt schreiben kann. Habe auch schon Leuten einen Ein-Projekt-Zettelkasten eingerichtet (für Abschlussarbeiten und Ähnliches).

    Aber hier lese ich bei dir den Gegensatz, der nicht in der Sache steckt.

    Wenn das Ziel des Buches XY scheitert - aus welchem Grund auch immer - wird es mir schwerer fallen, mein System weiter aufrecht zu erhalten.

    Man kann nur scheitern, wenn man es beschließt. Man kann sich entscheiden, das Buchprojekt aufzugeben, wenn man daran festhalten will, dass die Methode schon die Richtige ist. Oder aber man entscheidet sich dafür, dass das Buchprojekt wichtig ist und die Methode die Falsche. Dann geht man wieder ans Reißbrett und ändert die Methode.

    Mir scheint irgendwie, dass der Begriff "System" unpräzise ist. Bisher sehe ich Praktiken und Methoden. Auch bei deiner Erklärung, was ein System ist, bleibst du erstmal bei Zuschreibungen von Eigenschaften hängen. Vielleicht ist der Begriff einfach zu schwammig, um damit zu arbeiten?

    Ein System hat immer auch einen Zweck. Es strebt zu irgendwas hin. Sowohl das kapitalistische als auch das sozialistische System zielen auf eine maximale Konzentrierung der Produktionsmittel auf möglichst wenige Akteure hin. Kapitalismus macht das langsam. Sozialismus mit einem Schlag (durch Verstaatlichung). Das Wirtschaftssystem hin zu mehr Profit. Das politische System zu mehr Macht.

    Das politische System definiert aber nicht vorher, worin genau diese Macht bestehen muss und bleibt somit offen für die entstehende Dynamik.

    Da irrst du. Das politische System und wir alle wissen sehr wohl, was Macht ist. :smile:

    Oder: Was wäre ein unklarer Fall? Also nicht praktisch, dass ich nicht weiß, ob ich als Politiker mehr Macht habe, wenn ich ein Amt niederlege und dafür mehr Vitamin B habe.

    Kannst du den Mechanismus beschreiben, der dazu führt, dass Ziele Systeme fragil machen (oder habe ich dich hier missverstanden?)?

    Dies ist der Fall, wenn das System etabliert wurde, um ein spezifisches Ziel zu erreichen und dann mit einem gescheiterten Ziel zusammenbricht. Nicht per se. Ein System "Bewegungspraxis", das mit dem konkreten Ziel "Halbmarathon in einem Jahr" etabliert wurde ist fragiler als ein System "Bewegungspraxis", dass diesen Halbmarathon nur impliziert. Im Falle einer Knöchelverletzung würde im ersten Fall das System eher zusammenbrechen als im zweiten Fall.

    Jetzt gibst du nur ein Beispiel, beschreibst aber nicht den Mechanismus. :smile:

    Was heißt hier in diesem Beispiel überhaupt fragil? Dass der Läufer dann nicht mehr trainiert? Oder dass er die Methode aufgibt und auf eine andere wechselt?

  • Nachschlag von Arnold:

    (Regel 1)

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