Lyrik, die ihr schreibt oder die euch berührt

Lyrik kann ein Katalysator sein und Mittler zwischen Ratio, Emotion und Ästhetik. Ich habe zum Thema "Klima" und menschgemachte Zerstörung, die hier in einem anderen Thread ja Thema waren und gesamtgesellschaftlich Thema sind, das hier geschrieben:

Die Gräber sind das Grün der Erde

In guten wie in schlechten Zeiten,
vermählt als Geist und Körper.
Der Welt den Segen zu bereiten,
Mensch: König und Zerstör(t)er

Der leuchtend Mensch schaut zu mit breitem Maul,
der Erde ähnlich, die er aufgerissen.
Schenkt ein Nicken, lächelt, blickt weg vom Graul.
Dämpfe, Narben, Wunden, Niedermensch verschlissen.

Die Fische treiben obenauf,
den Strand schmücken Wal und Plastik.
Es geht uns gut, wir scheißen drauf.
Wir sehen es ja fast nicht.

Der Mensch hat Sinne, Augen Mund,
verschließt sie und errötet
vor zu viel Unterhaltung und
schaut zu, wie jemand tötet.

Grün wird zu Grau, Grau zu Schwarz - es werde
das Wesen büßen für Reißen und Brüllen,
denn die Gräber sind das Grün der Erde.
Oh, das Wesen möge sie zügig füllen.

Kommentare

  • Roll the dice by Charles Bukowski
    If you’re going to try, go all the
    way.
    otherwise, don’t even start.

    if you’re going to try, go all the
    way.
    this could mean losing girlfriends,
    wives, relatives, jobs and
    maybe your mind.

    go all the way.
    it could mean not eating for 3 or 4 days.
    it could mean freezing on a
    park bench.
    it could mean jail,
    it could mean derision,
    mockery,
    isolation.
    isolation is the gift,
    all the others are a test of your
    endurance, of
    how much you really want to
    do it.
    and you’ll do it
    despite rejection and the worst odds
    and it will be better than
    anything else
    you can imagine.

    if you’re going to try,
    go all the way.
    there is no other feeling like
    that.
    you will be alone with the gods
    and the nights will flame with
    fire.

    do it, do it, do it.
    do it.

    all the way
    all the way.

    you will ride life straight to
    perfect laughter, it’s
    the only good fight
    there is.

    (wunderbar gelesen von Tom O'Bedlam)

  • The Riddle of Strider by J.R.R. Tolkien
    All that is gold does not glitter
    Not all those who wander are lost;
    The old that is strong does not wither,
    Deep roots are not reached by the frost.

    From the ashes, a fire shall be woken,
    A light from the shadows shall spring;
    Renewed shall be blade that was broken,
    The crownless again shall be king.

  • Herbststag von R.M. Rilke
    Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
    Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
    und auf den Fluren laß die Winde los.

    Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
    gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
    dränge sie zur Vollendung hin und jage
    die letzte Süße in den schweren Wein.

    Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
    Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
    wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
    und wird in den Alleen hin und her
    unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

    (Mein Lieblingsgedicht <3 )

  • Hermann Hesse: Stufen

    Das einzige Gedicht (Psalm 23 zählt nicht), das ich auswendig kann:

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Kommt im Anhang vom "Glasperlenspiel" vor (cooles Buch), kenne ich aber von irgendwo anders.

  • R.M. Rilke

    O Herr, gib jedem seinen eignen Tod.
    Das Sterben, das aus jenem Leben geht,
    darin er Liebe hatte, Sinn und Not.
    Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
    Der große Tod, den jeder in sich hat,
    das ist die Frucht, um die sich alles dreht.

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