Definition und Beschreibung von Meditation

Gestern kam mir der Gedanke, hier im Forum die Definition von Meditation zu erfragen. Dabei geht es darum zu beschreiben, was denn genau während der Meditation passiert oder was denn eigentlich passieren sollte. Ich habe da eine Ahnung, die ich teilen möchte. Dafür wollte ich aber erst wissen, was ihr darüber meint.

Kommentare

  • Meine Definition: Meditation ist mentales Training.

  • Meditation hat etwas von Achtsamkeitstraining. Und wenn man annimmt, dass Willensfreiheit in dem Moment zwischen Wahrnehmung und Reaktion stattfinden kann, dann könnte man Meditation auch als Training von Willensfreiheit ansehen (dies ist weniger die Definition von Meditation, sondern eher ein Aspekt von dieser). Denn die Achtsamkeit, etwas zuerst neutral wahrzunehmen bevor man per Autopilot darauf reagiert, verschafft uns mehr Handlungsmöglichkeiten und damit mehr Freiheit. Freiheit das zu tun, was wir wirklich wollen.

  • Das mit der ''Willensfreiheit'' kann ich zustimmen.
    Was mich interessiert ist, was die Rolle des Bewusstseins in der Meditaion ist. Also Bewusstsein im Sinne von Wille und nicht gedankliche Vorgänge. Was sollte mit dem Willen während der Meditaion geschehen? Worauf sollte es gerichtet werden? Speilt das eine Rolle oder eher nicht? Macht es einen Unterschied, was der Wille in der Meditation für eine Funktion hat?

  • Für mich fühlt sich eine Meditation gut an (bei mir ist den Puls spüren zwischen dem Daumen und Zeigefinger ein Indikator) wenn ich es schaffe alle inneren (z.B. Gedanken, Gefühlstzustände) und äußeren Einflüsse (Geräusche, Licht etc.) zwar wahrzunehmen aber diese nicht zu bewerten und nicht weiter zu verfolgen.
    Ich könnte mich auch mit der Formulierung "Meditation ist einfach nichts tun." anfreunden :smile:

  • Die oben erwähnte Ahnung, von der ich sprach, ist eben das Problem, dass wir mit Meditation nur den Geist, also das Mentale sehen. Aber wir ignorieren die Wichtigkeit des Körpers!
    Warum muss das erwähnt werden? Ganz einfach, es macht einen enormen unterschied, in welcher Position wir meditieren! Wenn wir liegen werden wir nicht meditieren können. Das liegt, meiner Auffassung nach, daran, dass es keine Spannung gibt. Die Spannung ist aber wichtig, damit wir nicht zu schlaff sind und dadurch eher einschlafen. Genauso wenig ist zu viel Spannung gut, weil es eben zu viel Aktivität der Gedanken produzieren würde.
    Der mittlere Weg ist es also, der wichtig ist. Wie brauchen eine aufrechte Position. Wenn wir in einer aufrechten Position sitzen, dann ist das Bewusstsein damit beschäftigt, diese Position aufrecht zu erhalten. Das führt wiederum dazu, dass der Prozess der Gedanken sich abspielen kann, ohne dass wir uns zu sehr darin verlieren. Wenn wir diese Position halten, so können wir, ohne in die Gedanken zu verfallen, die Gedanken einfach kommen und gehen lassen, ohne das auf einen Gedanken noch ein weiterer kommt und noch einer und noch einer...bevor wir merken, dass wir uns in den Gedanken verloren haben und ''zurück kehren''.
    Der Körper ist aufrecht, der Kopf ist aufrecht. Alles zentriert in der Mitte. So werden wir nicht zu müde, auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist der Verstand nicht so aktiv, weil er damit beschäftigt ist, den Körper aufrecht zu halten. So kann sich das Unterbewusstsein entleeren und wir können wirklich anfangen zu meditieren bzw einfach zu sitzen, wie es im Zen heißt (anstatt nur zu denken). So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.
    Ich denke, das ist ein sehr sehr wichtiger Punkt, den viele nicht sehen.
    Sagt mir, ob das Sinn macht, oder nicht >:)

  • Ich behandle Meditation ähnlich wie @Gnahn.

    Meditation ist einerseits Training der Aufmerksamkeit (ich meine nicht Achtsamkeit). Aufmerksamkeit ist die Grundsubstanz. Achtsamkeit ist dabei eine bestimmte Form von Aufmerksamkeit (urteilslos auf Gegenwart). Die Nähe zur Willenskraft und zum Bewusstsein kommt eben durch die Funktion. Ist ja bei Klimmzügen, Kreuzheben, Frontlever und Griffkrafttraining nicht anders. Alles unterschiedliche Übungen, die sich einige Anforderungen teilen und entsprechend einander beeinflussen.

    Andererseits ist Meditation auch ein Tanken von Energie. Das geschieht bei einer niedrigen Intensität. Wenn ich schon beim bloßen Sitzen überfordert bin, meine Gedanken zu fokussieren, kann ich nicht davon ausgehen, dass ich Meditation zur Entspannung verwenden kann. Aber wenn ich mal meine Aufmerksamkeit im Griff habe, ist sitzen eine eher leichte Übung und man kann sich entspannen.

    Vgl. dazu Working In und Working Out von Paul Chek. Der Unterschied von Energie aufladen und verbrauchen bei Bewegung verläuft strukturgleich.

  • @Sascha Ich finde es interessant, so zu betrachten, wie du geschrieben hast. Wenn man nicht die Aufmerksamkeit hat, bei der Sache zu sein, dann kann man auch nicht den Vorteil von einer Sache ziehen. Das könnte z.B. beim lernen sein. Wenn man immer wo anders ist, also abschweift, dann kann man auch nicht wirklich lernen. Deswegen fällt es Menschen schwer, die nicht einfach mal still sein können, sich zu konzentrieren.
    Aufmerksamkeit ist also, so verstehe ich es, bei der Sache zu sein. Das können körperliche Aktivitäten sein oder ''Aktivitäten'' im Verstand.
    Achtsamkeit ist dann, Abschweifungen zu erkennen und zurück zur Sache zu kommen, mit der man beschäftigt ist. Und das ohne Urteil, denn, es ist nun mal so. Wenn man abschweift, dann hat das verschiedene Gründe, die man eben meist nicht kontrollieren kann.

  • Achtsamkeit und Meditation scheint mir aber auch wichtig zu sein, bei der Kontrolle seiner Impulse.
    Ich habe Traumata und oft habe ich Emotionen oder Impulse, die nichts mit der Realität zu tun haben. Es hilft mir dann, das was hochkommt, wieder loszulassen. Das fühlt sich so an, als ob das Blut was zum Gehirn kommt, wieder nach unten transportiert wird. Ich weiß nicht, ob das echt passiert, aber es fühlt sich so an. Genauso beim loslassen von Gedanken. Sobald ein Gedanke kommt, diesen loszulassen, fühlt sich so an, als ob das was nach oben kommt, wieder nach unten fließt. Vielleicht hat einer von euch ähnliche Erfahrungen gemacht.

  • @Sascha da du Aufmerksamkeit schreibst, bedeutet das, dass du Etwas in deiner Erfahrung, während der Meditation zu deinem Objekt der Aufmerksamkeit/ Konzentration machst? Das würde mich mal interessieren, weil dazu habe ich persönlich auch eine Erfahrung, die ich gerne vergleichen möchte.

  • Es gibt eine ganze Reihe von Übungen, die man unter Meditation fassen kann. Man kann sich auf den Atem konzentrieren, auf Chakren (was immer das auch ist.. :wink: ), auf bestimmte Gefühle, Visualisierungen machen, ein Mantra praktizieren usw. Ich habe vieles gemacht und mache unterschiedliche Sachen.

  • bearbeitet 20. Mai

    @Sascha warum ich das anspreche ist, dass ich schlechte Erfahrung gemacht habe, mit dieser Aufgabenstellung (also das Konzentrieren auf den Atem, auf Empfindungen usw). Da kann ich nicht wirklich in die ''Tiefe'' gehen. Das liegt meiner Erfahrung daran, dass ich nicht merke, wenn ich in meinen ''Gedanken stecke''. Daher dauert es immer, bis ich ''zurückkomme''.
    Wenn ich aber meine Aufmerksamkeit einfach offen lasse, merke ich sofort, wenn ein Gedanken erscheint und kann ihn loslassen, bevor andere Gedanken daraus assoziiert werden. Loslassen meint, dass man sich aufsteigender Gedanken bewusst ist und diesen weder abweist noch bewertet oder verfolgt. Es ist meine Erfahrung, dass ich dann ''tiefer'' komme.
    Ich habe schon öfter gehört, dass man nicht Zazen machen soll, sondern Zazen einen machen soll.
    Das deckt sich mit meiner Erfahrung.
    Ich möchte nicht sagen, dass die andere Aufgabenstellung nicht funktionieren kann. Vielleicht liegt es auch an mir, dass es nicht funktioniert. Aber zumindest momentan funktioniert ''das sich machen lassen'' für mich besser.
    Ich denke, das Problem des Richtens der Aufmerksamkeit auf ein ''Objekt'' liegt daran, dass dann eine Kluft erzeugt wird, zwischen dem was man beobachtet und das was beobachtet. Das ist nicht zwangsläufig der Fall, aber wenn man es zu sehr versucht, dann nimmt man die Position des Beobachters/Ego-Verstandes (der im Kopf sitzt) ein und schafft dann diese Kluft/Spaltung zwischen Bewusstsein und ''Objekt''.
    Zum Schluss ein Zitat aus dem Buch ,,Zen Mind Beginner's Mind'', das ich mir vor einiger Zeit notiert hatte und das vielleicht gut passt: ''Concentration is not to try hard to watch something. Concentration means freedom. Your effort should be directed towards nothing. You should be concentrated at nothing. In Zazen practice your mind should be concentrated on your breathing. But the way to keep your mind on your breathing is to forget all about yourself and just to sit and feel your breathing. If you were concentrated on your breathing you will forget yourself. And if you forget yourself you will be concentrated on your breathing. I do not know which is first. So actually there is no need to try to hard to be concentrated on your breathing

  • Man kann den Geist nicht angucken, Introspektion ist die einzige Rückmeldung, die man hat (wer traut der schon guten Gewissens?) und das Ziel ist völlig unklar.

    Wenn du kriegst, was du willst, ist doch alles gut.

  • bearbeitet 23. Mai

    @Sascha danke für deine Nachricht. Deine Aussage war die letzten Tage in meinem Bewusstsein präsent.
    Ich hatte schon Begriffen, dass es keinen Denker gibt (also die Instanz, der die Gedanken anschaut und separat davon ist). Unbewusst scheint es doch so gewesen zu sein, dass ich einen Teil meiner Energie verlor, weil ich es noch nicht in meiner erlebten Wirklichkeit verinnerlicht hatte. Das ist mir heute aufgefallen, weil ich gemerkt habe, dass ich unbewusst die Gedanken miteinander verbunden habe und dadurch für diese Verwirrung gesorgt habe, eben dadurch, dass ich die Gedanken unbewusst abgelehnt habe.

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