Wie übt Gesellschaft Druck aus?

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Kommentare

  • Die Frage wurde im Livestream #55 aufgeworfen. Thematisch passt sie aber hier rein.

    Was ist Gesellschaft überhaupt?

    Wie nehmt ihr die persönlich wahr? Wie seht ihr euch darin?
    Mir ist aufgefallen, dass der Begriff für mich eher negativ konnotiert ist. Vielleicht bedingt durch den Sprachgebrauch, indem Gesellschaft mit -druck, -normen, -konformität verbunden wird.
    Damit will ich nicht sagen, dass alles, was mit "Gesellschaft" zu tun hat, schlecht wäre. Gefühlt ist mir der Begriff aber zu groß, als dass ich mich damit identifizieren könnte.
    "Gemeinschaft" wäre ein besserer Begriff. Dieser trägt das bereits in sich: Gemeinsamkeiten, die die Mitglieder untereinander verbinden und dazu bringt, sich auch für andere und einen gemeinsamen Zweck einzubringen.

    Insgesamt ein interessantes Thema, über das ich noch mehr nachdenken muss...

  • Gesellschaft ist für mich auch eher eine negativ konnotierte Gemeinschaft. Gemeinschaft scheint mir aber ein sozialer Begriff zu sein und Gesellschaft ein politischer.

  • Gesellschaft ist für mich einfach ein soziales Gefüge, innerhalb dessen Menschen miteinander interagieren. Das sehe ich zunächst mal ganz neutral.
    Natürlich gehen damit gewisse Probleme aber auch Chancen einher. Ohne Regeln und Normen hängt man in der Luft, weil es keinen klaren Verhaltenskodex gibt. Merkt man z.B. daran, dass festgefahrene Normen immer mehr hinterfragt werden und die Jugend daher immer weniger weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Orientierungslosigkeit und die damit einhergehenden (Sinn-)Probleme sehe ich ganz klar auf dem Vormarsch.
    Andererseits ist es natürlich problematisch, sich zu sehr unter Druck gesetzt zu fühlen von diesen Regeln und das Gefühl zu haben, als Individuum ausgebremst zu werden, weil man sich gewissen Richtlinien zu beugen hat.

    Die Frage nach dem richtigen Ausmaß an persönlicher Freiheit und gesellschaftlichem Druck ist für mich nicht leicht zu beantworten. Dass es ganz ohne Regeln nicht geht, steht für mich nicht zur Debatte. Bleibt nur offen, wer die Richtlinien festlegt und damit entscheidet, was "richtig" / "falsch" sein soll.

  • Die Frage war, wann man sich von der Gesellschaft unter Druck fühlt.

    @Dominique schrieb:
    Mich positiv zu entwickeln und dabei Anschluss an diese Gesellschaft zu finden. Eine der größten Herausforderungen für mich. Oft macht man gemeinsam total unwichtiges Zeugs, keine spannenden Projekte und Entwicklung sondern Zeitvertreib. Keine Bedeutung, keine Ernsthaftigkeit.

    Ich fühle mich zu wenig gezwungen von dieser Gesellschaft. Wir leben ja in einem sehr freien Land. Es ist mehr so, dass ich das Gefühl habe, mir wird etwas nicht zur Verfügung gestellt, was ich brauche. Meine Entscheidung keinen Alkohol zutrinken hat zum Beispiel mit 17 dazu geführt, dass sich viel von meinen Freundschaften aufgelöst haben. Es gab einfach zu wenig andere Gemeinsamkeiten. In Sport, Bildung, Ruhe, Gesundheit und Weiterentwicklung für die Zukunft zu investieren, darauf hat keiner Bock. Die Leute wollen Feiern, sich betäuben, Spass haben, in den Urlaub gehen, Fressen, usw.. Ich gebe aber zu, dass ich zu wenig Wert auf Ausgelassenheit und Fröhlichkeit lege. Und mein Art zu lebenswandeln ist auch nicht so sexy, wie sein könnte.

    Es ist halt schwer, sich neben seinen eigenen Ansprüchen auch noch darum zu kümmern, dass es für Andere passt.

  • Was ist Gesellschaft? Ich habe keinen blassen Schimmer.
    Seit Sascha das Thema ein paar Mal angeschnitten hat, achte ich darauf, wie der Begriff von anderen und mir selbst in der Sprache verwendet wird. Ich habe dadurch den Begriff schon fast aus meinem Wortschatz gestrichen, da ich merke, dass ich ihn meist nur als eine Art Ausrede verwende, wenn mein Denken in einer Sackgasse steckt (oder ich einfach zu faul bin, weiter nachzudenken). Mir ist bislang jedoch noch kein Fall gekommen, wo die Erwähnung von "Gesellschaft" irgendwas Produktives zur Diskussion beigetragen hat. Wenn ich "Gesellschaft" sagen will, ermahne ich mich innerlich, konkreter zu werden, indem ich meine Aussage versuche auf einen kleinen Rahmen zu beziehen.

  • @Gnahn Das ist exakt das, wie ich meinen Umgang mit dem Begriff geändert habe. :smile:

  • bearbeitet 4. Oktober

    Ich kann mich dazu nur anschließend... Ebenfalls das man habe ich mir komplett abgewöhnt.

    Hätte man das mal so und so gemacht, hätten wir heute nicht das Problem XY.
    Besser:
    Hätte Peter das mal so und so gemacht, hätten wir heute nicht das Problem XY.

    Man könnte mal wieder den Zaun streichen.
    Besser:
    Wir könnten mal wieder den Zaun streichen.
    Wir könnten mal wieder den Zaun streichen lassen.

    Ohne man im Satz, entsteht aus meiner Sicht eine stärkere Verbindlichkeit im Satz.

  • @MaxMustermann Das ist der Klassiker. Frage in den Unterhaltungen dann immer nach, wer dieser Mann ist, von dem mein Gegenüber spricht. :smile:

  • bearbeitet 5. Oktober

    Ich finde es sehr interessant, dass ihr von der "Gesellschaft" zum "man" gekommen seid. Denn viele Menschen benutzen das Wort "Gesellschaft" genauso wie das Wort "man": als Ersatz für einen Handelnden, einen Agens. In der Linguistik nennt man das Deagentivierung. Wenn manche sagen "Die Gesellschaft lässt mir keine andere Wahl, als fett zu sein, schließlich zwingt sie mich dazu, einen unerreichbaren Idealkörper zu haben", meinen sie meistens, dass sie sich von irgendwem oder irgendwas gezwungen fühlen, einen unerreichbaren Idealkörper zu haben, und daraufhin als Reaktion zwangsläufig fett werden.

    Das finde ich auch bei vielen anderen Wörtern, die so oft benutzt werden wie "Kapitalismus" ("Der Kapitalismus beutet uns aus") oder "Patriarchat" ("Das Patriarchat unterdrückt Frauen").

    Und das ist ziemlich gefährlich, weil so verschwiegen wird, wer etwas macht. Denn nicht "der Kapitalismus" beutet uns aus, sondern einzelne Menschen, die kapitalistisch denken und handeln, und auch als einzelne Menschen für ihr Denken und Handeln zur Verantwortung gezogen werden können. Der Kapitalismus ist aber, genauso wie die Gesellschaft, nur ein Wort. Und Wörter können nichts machen und somit auch nicht zur Verantwortung gezogen werden.

    Vielleicht ist es ja das, was du @Gnahn meinst, wenn du schreibst:

    @Gnahn schrieb:
    Mir ist bislang jedoch noch kein Fall gekommen, wo die Erwähnung von "Gesellschaft" irgendwas Produktives zur Diskussion beigetragen hat.

    Vielleicht trägt die Erwähnung von "Gesellschaft" deshalb nichts Produktives zur Diskussion bei, weil sich gerade niemand traut, zu sagen, wen oder was er gerade tatsächlich meint, wenn er "Gesellschaft" sagt?

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